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Wohnungsleerstände nehmen in vielen ländlichen Räumen zu

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Gerade in strukturschwachen ländlichen Räumen steigt die Zahl leerstehender Wohnungen. Sie stellen Immobilieneigentümer und die öffentliche Hand vor erhebliche finanzielle und organisatorische Herausforderungen. Dagegen haben sich in prosperierenden Städten und ihrem Umland seit 2011 die Wohnungsleerstände vor allem durch Wanderungsgewinne verringert.

Fachbeitrag: Juli 2019

Wohnungsleerstände 2017 bundesweit wieder über 5%

Nach Abschätzungen des BBSR stiegen die Leerstandszahlen in Deutschland seit der Zensuserhebung 2011 insgesamt an. Den Rückgängen der Leerstände in den wachsenden Großstädten standen Zunahmen in vielen städtischen und ländlichen Kreisen gegenüber. Aufgrund der hohen Zuwanderung sind zwar 2015 die Anteile leerstehender Wohnungen insgesamt zurückgegangen. Seit 2016 nehmen sie aber wieder zu, vor allem in ländlichen Räumen mit Bevölkerungsverlusten. Bundesweit standen 2017 demnach schätzungsweise 5,2% aller Wohnungen leer. Das entspricht 2,14 Millionen Wohnungen. Im Jahr zuvor blieben noch 4,8% und damit 1,98 Millionen Wohnungen ungenutzt. Kaum noch freie Wohnungen gibt es in den boomenden Großstädten.

Abschätzung der Wohnungsleerstände 2017

Die Karte stellt auf Kreisebene den Anteil leerstehender Wohnungen an allen Wohnungen für das Jahr 2017 in Prozent dar. Wohnungsleerstände 2017 (Abschätzung)Quelle: BBSR Bonn 2019


Leerstände regional sehr ungleich verteilt

Die Verteilung der Wohnungsleerstände ist durch eine steigende regionale Spreizung gekennzeichnet. In den wachsenden kreisfreien Städten und Umlandkreisen stabilisieren sich die Leerstandsniveaus. In strukturschwachen Landkreisen verschärfen sich die Leerstandssituationen weiter.

Die Flächenländer Sachsen-Anhalt (12,6%), Sachsen (10,9%) und Thüringen (10,0%) wiesen die höchsten Anteile an leerstehenden Wohnungen auf. Die niedrigsten Anteile unter den Flächenländern hatten Schleswig-Holstein (4,1%), Baden-Württemberg (3,8%), Bayern (4,5%) und Nordrhein-Westfalen (4,6%). In den Metropolen Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und München liegt die Leerstandsquote inzwischen unter einem Prozent, aber auch in anderen wachsenden Großstädten gibt es kaum noch freie Wohnungen, ein Anzeichen für starke Marktanspannungen.
Wohnungsleerstände werden künftig zunehmen, vor allem in schrumpfenden ländlichen Räumen und in strukturschwachen Städten und Gemeinden. Geschosswohnungen sind davon besonders betroffen. Das gilt für Ost- wie für Westdeutschland. Neben der rein quantitativen Nachfrageveränderung durch Bevölkerungsrückgänge spielen hier auch qualitative Aspekte mit hinein. Entsprechen bestehende Wohnungen in Größe, Zuschnitt, Ausstattung, Zustand oder Lage nicht den Wohnvorstellungen wohnungssuchender Haushalte, erfolgt - wie auch heute schon - parallel Neubau in Schrumpfungsregionen.


Entwicklung der Wohnungsleerstände 2011 bis 2017

Das Liniendiagramm zeigt die BBSR-Abschätzung der Wohnungsleerstände 2011 bis 2017 nach siedlungsstrukturellen Kreistypen. Entwicklung der Wohnungsleerstände 2011 bis 2017Quelle: BBSR Bonn 2019


Wohnungsleerstände erfordern weitere wohnungs- und stadtentwicklungspolitische Anstrengungen

Die nachfragegerechte Entwicklung der Wohnungsbestände, die Aktivierung der Eigentümer und eine stärkere Befassung mit innenstadtnahen Lagen sind wichtige Strategien, um qualitätsbedingten Neubau und somit eine weitere Verschärfung der Leerstandssituation zu vermeiden. Der Ausbau eines abgestimmten Leerstandsmonitorings würde dabei helfen, bestehende und künftige Leerstände zielgerichteter zu reduzieren.

Leerstandsdaten fehlen

In Deutschland gibt es keine jährliche amtliche regional differenzierbare Statistik zu leerstehenden Wohnungen. Daher hat das BBSR rechnerische Abschätzungen von Leerständen vorgenommen. Die Abschätzungen basieren auf den Ergebnissen der Wohnungsleerstände aus der Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus 2011: eine Vollerhebung der Bestände, die das nächste Mal im Jahr 2021 erfolgt. Diese Ergebnisse hat das BBSR unter Berücksichtigung von Angebots- und Nachfrageindikatoren und unter Verwendung von Annahmen zu Abgangsquoten und durchschnittlichen Haushaltsgrößen fortgesetzt.

Zusatzinformationen

Kontakt

Matthias Waltersbacher
Referat II 11 - Wohnungs- und Immobilienmärkte
Tel.: +49 228 99401-2610
Alexander Schürt
Referat II 11 - Wohnungs- und Immobilienmärkte
Tel.: +49 228 99401-2239