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Weitere Regionalisierung in der Immobilienpreisbeobachtung

Am 16. Oktober 2017 trafen sich Experten der Immobilienpreisbeobachtung zum 9. Mal zum Arbeitskreis Immobilienpreise im BBSR in Bonn. Im Fokus der Sitzung standen aktuelle Immobilienpreisentwicklungen, das Erkennen von Immobilienpreisblasen, der Einfluss der Immobilienfinanzierung auf die Preise, die Strukturierung von Immobiliensegmenten sowie die Regionalisierung von Immobilienpreisindizes.

Fachbeitrag: Oktober 2017

Die Begrüßung erfolgte durch Matthias Waltersbacher, Leiter des Referats "Wohnungs- und Immobilienmärkte" im BBSR. Er stellte die hohe Relevanz von fundierten Immobilienpreisanalysen heraus. Sie machen aktuelle Preisstrukturen und -entwicklungen besser verständlich und liefern somit Informationsgrundlagen für politisches und wirtschaftliches Handeln. Ohne wissenschaftliche Analyse und Beratung lassen sich die komplexen Marktstrukturen und -dynamiken nicht zuverlässig beurteilen.

Teilnehmer des Arbeitskreises Immobilienpreise 2017Quelle: BBSR Bonn 2017

Matthias Waltersbacher schaffte mit seinem Einführungsvortrag zu aktuellen Immobilienpreistrends die Grundlage für die weiteren Vorträge und die angeregten Diskussionen. Er stellte neben Analyseergebnissen des BBSR zu aktuellen Baulandpreisentwicklungen auch Preisverläufe von Indizes verschiedener anwesender Institute vor. Dabei wurden die teils starken Preissteigerungen über verschiedene Immobiliensegmente und räumlichen Bezüge hinweg deutlich. Die regional differenzierten Dynamiken der Baulandpreise legen die preistreibenden Knappheitsprobleme der Immobilienmärkte in den wachsenden Städten und Regionen offen.

Im Anschluss stellte Prof. Bertram I. Steininger von der RWTH Aachen theoretische Sichtweisen und empirische Grundlagen zur Einschätzung von Immobilienpreisblasen vor. Anhand von eigenen Berechnungsansätzen vertiefte er den Aspekt der fundamentalen Sichtweise. Bisher ließ sich noch kein überzeugender Ansatz über Indikatoren finden, um das Platzen von Immobilienpreisblasen vorauszusagen. Die Situationen der Immobilien- und Finanzmärkte innerhalb von Staaten können sehr unterschiedlich sein, sodass verschiedene Einflussfaktoren zum Tragen kommen.

Dr. Oliver Lerbs vom ZEW in Mannheim zeigte, wie die Immobilienkreditvergabe die aktuellen Immobilienmarktsituationen beeinflusst. Im Vordergrund standen dabei die Entwicklungen der Kreditmengen, aktueller Darlehenskonditionen und Vergabestandards. Eine kreditfinanzierte Blase ist demnach bisher in Deutschland nach den moderaten Entwicklungen der einkommensbezogenen Kreditvolumina nicht erkennbar.

Den aktuellen Stand der laufenden Strukturierung von Immobilienteilmärkten stellte Eva Neubrand aus dem BBSR vor. Die Arbeitsgruppe zur Strukturierung des sachlichen Teilmarktes wirtschaftlich genutzter Immobilien unter Federführung des AK OGA und des ZIA konnte bereits zahlreiche Immobilienarten definieren, abgrenzen und beschreiben. Weitere Teilmärkte sowie Abstimmungen mit Immobilienspezialisten werden folgen.

Der nächste Immobilienmarktbericht Deutschland des Arbeitskreises der Oberen Gutachterausschüsse, Zentralen Geschäftsstellen und Gutachterausschüsse (AK OGA) erscheint im Dezember 2017. Peter Ache von der Geschäftsstelle des AK OGA in Niedersachsen stellte den aktuellen Stand der Datenerhebungen und -analysen als Grundlage für den Immobilienmarktbericht vor. Er verdeutlichte die Komplexität der Abfragen aus den Kaufpreissammlungen der Gutachterausschüsse, die nach vielen Teilsegmenten differenziert sind.

Sören Iden von Hypoport stellte den Hypoport Regionalindex des Dr. Klein Trendindikators Immobilienpreise (DTI) vor. Der Index basiert auf Objektinformationen aus der Immobilienfinanzierung. Über die Definition von Großstadtregionen konnte Hypoport bisher für zehn Regionen Indizes für Einfamilienhäuser und für Eigentumswohnungen berechnen. Die starken Preisanstiege in den boomenden Regionen werden dabei deutlich. Die Berechnung von Indizes für weitere Regionen ist geplant.

Der Häuserpreisindex des Statistischen Bundesamtes (HPI) hat sich nach Abschluss der Pilotphase bundesweit gut etabliert. Er dient neben bundesweiten Einschätzungen der Preisentwicklungen auch dem internationalen Vergleich der Immobilienmärkte bei Eurostat. Cordula Schöneich und Markus Teske vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden präsentierten unterschiedliche Testrechnungen für die Regionalisierung des Häuserpreisindex. Dabei werden verschiedene räumliche Raster wie siedlungsstrukturelle Kreistypen oder Entwicklungstypen getestet.

Die vielfältigen vorgestellten und diskutierten Themen zeigten einmal mehr, wie bedeutend Immobilien und eine fundierte und kontinuierliche Immobilienmarktbeobachtung gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch sind. In den letzten Jahren haben die Vielfältigkeit der Immobilienpreisanalysen verschiedener Anbieter und deren Methodenkompetenz deutlich zugenommen. Die Expertendiskussionen zeigten aber auch, dass sich die Datenverfügbarkeit, die Regionalisierung der Analyseergebnisse und die Transparenz bei den Informationsangeboten noch weiter verbessern können.

Vortragsunterlagen

Die Unterlagen zu den einzelnen Vorträgen und eine Ergebnisübersicht können die Teilnehmer der Veranstaltung im Extranet abrufen:
>> weitere Informationen (im geschützten Bereich)

Zusatzinformationen

Kontakt

Matthias Waltersbacher
Referat II 11 - Wohnungs- und Immobilienmärkte
Tel.: +49 228 99401-2610
Alexander Schürt
Referat II 11 - Wohnungs- und Immobilienmärkte
Tel.: +49 228 99401-2239