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Arbeitskreis Immobilienpreise betrachtet aktuelle Immobilienmarktsituationen aus verschiedenen Blickwinkeln

30 Expertinnen und Experten der Immobilienpreisbeobachtung diskutierten bei der 10. Sitzung des Arbeitskreises Immobilienpreise im BBSR in Bonn über Indikatorensysteme, Fördermieten, Mietenregulierungen, das Baukindergeld und den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Immobilienmarktanalysen. Die vielfältigen Themen zeigten einmal mehr die hohe Relevanz qualifizierter Analysen mit Blick auf die Wohnungs- und Immobilienmärkte.

Fachbeitrag: November 2018

Den Einstieg in die Vortrags- und Diskussionsreihe bestritten Sun Jensch und Julian Götting vom Immobilienverband Deutschland (IVD). In ihrem Doppelvortrag stellten sie zunächst Ergebnisse der sogenannten "Haltestellenstudie" zur Wirkung des Baukindergeldes vor. Das CRES berechnete dazu für den IVD in den Städten Berlin, Hamburg, Leipzig, Nürnberg und Krefeld den Einfluss des Baukindergelds auf die Erschwinglichkeit von Wohneigentum. Die Förderung böte Ersparnisse zwischen 5 und 63%, je nach Einkommenssituation, Kinderzahl und Lage. Im zweiten Teil des Vortrags stellten sie aktuelle Ergebnisse aus dem IVD-Wohn-Preisspiegel vor. Preis- und Mietensteigerungen sind verbreitet zu erkennen, über alle Segmente hinweg. Die Erfahrungen aus der Maklertätigkeit zeigen, dass aufgrund der hohen Preise in den Städten wieder mehr junge Familien in die "Speckgürtel" ziehen.

Teilnehmer des Arbeitskreises Immobilienpreise 2018Quelle: BBSR Bonn 2018

Ulrich Kraus von der NRW.BANK erläuterte Regelungen und Anpassungen zu den Fördermieten in Nordrhein-Westfalen. Er zeigte Ergebnisse von Vergleichsrechnungen zwischen Bewilligungsmieten, KdU-Richtwerten und Angebotsmieten auf. Anpassungen der Bewilligungsmieten sind für 2018 vorgesehen. Die Festlegungen liegen dabei im Spannungsfeld zwischen der Wirtschaftlichkeit für die Vermieter und der sozialen Funktion für die Mieter. Abschließend stellte Herr Kraus einige Sonderregelungen bei den KdU-Richtlinien vor, bspw. Klimabonus und Warmmietenobergrenze, die von einzelnen Kommunen in Nordrhein-Westfalen getestet werden.

Der Einsatz künstlicher Intelligenz im Zusammenhang mit Immobilienpreisanalysen bietet neue Möglichkeiten, eine große Menge von Informationen zu verarbeiten. Sebastian Hein von empirica-systeme testet Verfahren des Machine Learnings zur Schätzung von Immobilienpreisdaten. Er sieht hiermit Möglichkeiten der Optimierung von Preisschätzungen und der Verbesserung von Prognosequalitäten. Machine Learning haben bereits verschiedene Teilnehmer des Arbeitskreises getestet. Kritik besteht in der statistischen Genauigkeit, der Nachvollziehbarkeit und fehlender Eingriffsmöglichkeiten.

Dr. habil. Konstantin A. Kholodilin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung recherchierte und kategorisierte Mietwohnungsregulierungen in 60 Staaten für den Zeitraum 1910 bis heute. Er unterteilt dabei restriktive, fördernde und sonstige Maßnahmen. In seinem Vortrag standen die restriktiven Maßnahmen mit Mietpreiskontrolle, Kündigungsschutz und Wohnraumlenkung im Vordergrund. In den frühen Jahrzehnten des Betrachtungszeitraums bezogen sich Mietpreisregulierungen vor allem auf die Miethöhe. Seit den 1970er Jahren setzen sich vermehrt Regulierungen der Mietenentwicklung durch. In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Regulierungen weltweit ebenso wie in Europa zurückgegangen. Weitere Testrechnungen sollen die Einflüsse auf Immobilienpreise und die Bauaktivität abbilden.

Christine Schlitzer von der Deutschen Bundesbank stellte mit ihrem Vortrag das Indikatorensystem "Deutscher Gewerbeimmobilienmarkt" der Deutschen Bundesbank vor. Daneben führt die Bundesbank auch ein Indikatorensystem "Wohnimmobilienmarkt". Beide Systeme liefern Grundlageninformationen zur Einschätzung der Marktsituationen in Deutschland. Die Indikatoren zu den Gewerbeimmobilien beschreiben den Markt anhand der Perspektiven Preise, Finanzierung und Realwirtschaft. Mit dem Multi-Indikatoren-Ansatz greift die Bundesbank auf Daten verschiedener Quellen zurück und berechnet damit aussagekräftige Indikatoren, die vergleichend dargestellt werden.

Die Arbeitskreissitzung zeigte einmal mehr, dass in Deutschland eine hohe Kompetenz im Bereich Wohnungs- und Immobilienmarktanalysen besteht. Der Bedarf an fundierten Marktanalysen und –einschätzungen hat aber auch aufgrund der angespannten Immobilienmarktsituationen in vielen Regionen Deutschlands deutlich zugenommen.

Vortragsunterlagen

Die Unterlagen zu den einzelnen Vorträgen und eine Ergebnisübersicht können die Teilnehmer der Veranstaltung im Extranet abrufen:
>> weitere Informationen (im geschützten Bereich)

Zusatzinformationen

Kontakt

Matthias Waltersbacher
Referat II 11 - Wohnungs- und Immobilienmärkte
Tel.: +49 228 99401-2610
Alexander Schürt
Referat II 11 - Wohnungs- und Immobilienmärkte
Tel.: +49 228 99401-2239