Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Dokumenttyp: Fachbeitrag Datum 05.11.2020 Die Räumliche Verteilung der Bundesfinanzhilfen zur Städtebauförderung

Als zentrale Maßnahme aktiver Strukturpolitik bündelt der Bund seit 2020 mehr als 20 Förderprogramme in einem gesamtdeutschen Fördersystem. Ziel ist die Unterstützung der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland. Die Städtebauförderung ist mit dem Fördermitteleinsatz in den Bereichen Infrastruktur und Daseinsvorsorge Teil dieses Fördersystems. Indem sie die Behebung baulich-struktureller Problemlagen gezielt in räumlichen Teilbereichen angeht, verfolgt die Städtebauförderung dabei zunächst einen (eng) begrenzten kleinräumigen Ansatz zum Abbau städtebaulicher Missstände und Funktionsverluste, gleichwohl reicht die Wirkung der städtebaulichen Gesamtmaßnahmen über die Fördergebiete hinaus. Als Teil des gesamtdeutschen Fördersystems ist daher auch die (groß-)räumliche Verteilung der Mittel relevant. Vor diesem Hintergrund soll die Verteilung der Bundesfinanzhilfen entlang verschiedener räumlicher Abgrenzungen betrachtet werden.

Räumliche Verteilung nach Stadt und Land

Im Zeitraum zwischen 1991 und 2019 wurden den Ländern insgesamt rund 13,9 Milliarden Euro für städtebauliche Gesamtmaßnahmen vom Bund zur Verfügung gestellt. Diese verteilen sich annähernd gleichmäßig auf ländliche (51 %) und städtische Räume (49 %). Die Abgrenzung zwischen städtischen und ländlichen Räumen ist auf eine großräumig orientierte Vergleichsperspektive ausgerichtet und erfolgt auf Kreisebene. Die Einwohnerdichte bzw. der Bevölkerungsanteil in Groß- und Mittelstädten sind die wesentlichen Kriterien. Da sich die innerdeutsche Siedlungsstruktur zwischen Ost und West unterscheidet, gibt es hier qua Definition hohe Überschneidungen: Die Raumabgrenzung definiert fast ganz Ostdeutschland als ländlichen Raum.

In den 1990er Jahren lagen die Finanzmittelanteile des städtischen deutlich unter denen des ländlichen Raums. 1993 erreichte der städtische Anteil für Mittel der Städtebauförderung einen Tiefpunkt, da die Westländer zugunsten Ostdeutschlands gänzlich auf Fördermittel verzichteten. Im Jahr 2009 kehrte sich das Verhältnis zwischen ländlichen und städtischen Räumen bei der absoluten Verteilung der Fördermittel um. Dies ist aber nicht als programmatische Abkehr vom ländlichen Raum zu interpretieren, sondern ist ein Resultat des gestiegenen westdeutschen Fördermittelanteils.

Setzt man die Finanzhilfen in Relation zur Bevölkerung, zeigt sich, dass der ländliche Raum überproportional an den Fördermitteln partizipiert. Während etwa ein Drittel der Bevölkerung in ländlichen Räumen lebt, lag der Anteil der Fördermittel im betrachteten Zeitraum stets darüber. 2019 entfallen bei 32 % Bevölkerungsanteil 43 % der Fördermittel auf den ländlichen Raum. Der städtische Raum weist demgegenüber 2019 einen Bevölkerungsanteil von 68 % und einen Anteil von 57 % Bundesfinanzhilfen auf.

Die Abbildung zeigt die prozentuale Verteilung der Bundesfinanzhilfen zur Städtebauförderung 1991 bis 2019 im Vergleich zur Bevölkerungsverteilung, getrennt nach städtischem und ländlichen Raum. Räumliche Verteilung nach Stadt und Land Räumliche Verteilung der Bundesfinanzhilfen zur Städtebauförderung 1991 bis 2019 nach Stadt und Land

Räumliche Verteilung nach Stadt- und Gemeindetyp

Insgesamt profitierten Mittelstädte zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnern zwischen 1991 und 2019 am stärksten von der Städtebauförderung. 2019 lag der Finanzmittelanteil bei 35 %, bei einem Bevölkerungsanteil von 29 %. Kleinstädte (5.000 bis 20.000 Einwohner) profitierten bis 1998 und seit 2010 ebenfalls überproportional. Zwar verfügen alle Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern über ein oder mehrere Fördergebiete, gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil profitieren sie jedoch unterproportional von der Städtebauförderung. Landgemeinden spielen in der Städtebauförderung insgesamt eine untergeordnete Rolle – sie werden häufig durch Dorferneuerungsmaßnahmen im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) gefördert.

Räumliche Verteilung nach Lagetypen in der Stadt

Insgesamt betrachtet bilden vor allem die Innenstädte und Ortskerne die räumlichen Schwerpunkte bei der kleinräumigen Fördermittelverteilung. Über die Hälfte der 2019 bereitgestellten Bundesfinanzhilfen (52 %) flossen in die Innenstädte bzw. in die Ortskerne der Hauptorte der Gemeinden. 20 % der Finanzhilfen lassen sich innenstadtnahen Gebieten zuordnen. In diesen Gebietstyp fallen beispielsweise gründerzeitliche Viertel oder verdichte "Arbeiterviertel" aus frühen Stadterweiterungsphasen, die entsprechende städtebauliche Missstände aufweisen. Am Stadtrand stellen sich weniger häufig städtebauliche Problemlagen, die einen Einsatz der Städtebauförderung erforderlich machen – hier ist der Anteil der Bundesfinanzhilfen 2019 mit 9 % vergleichsweise gering.

Im historischen Vergleich zeigt sich eine Veränderung der kleinräumigen Zuordnung der Städtebauförderungsmaßnahmen. Die Ausrichtung auf die Innenstädte war in früheren Jahren deutlich ausgeprägter. So lassen sich Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen ebenso wie die des Städtebaulichen Denkmalschutzes Ost, die auf den Erhalt und die Weiterentwicklung bau- und kulturhistorisch wertvoller Stadtkerne ausgerichtet waren, schwerpunktmäßig der Innenstadt zuordnen. Mit dem Programm Soziale Stadt (seit 2020 Sozialer Zusammenhalt) verteilten sich die Mittel ab 1999 stärker auf innerstädtische Gebiete und den Stadtrand. Das Programm zielt auf Wohn- und Lebensbedingungen in wirtschaftlich und sozial benachteiligten Stadtquartieren und somit insbesondere auf Wohngebiete, d.h. Stadtquartiere außerhalb des Stadtzentrums. Auch das Programm Stadtumbau Ost (seit 2020 Wachstum und nachhaltige Erneuerung) war auf Wohngebiete ausgerichtet. Dementsprechend sank der Fördermittelanteil ab 2002 in Innenstädten deutlich auf bis zu 50 % ab. Das Programm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren (seit 2020 Lebendige Zentren) unterstützt seit 2008 die Erhaltung und Entwicklung zentraler Versorgungsbereiche in Innenstadtzentren, Nebenzentren in Stadt- und Ortsteilen sowie Grund- und Nahversorgungszentren. Dementsprechend stieg der Anteil der Fördermittel seitdem in den Innenstädten sowie in Stadtteilzentren und Ortskernen wieder leicht an.

Die Abbildung zeigt die prozentuale Verteilung der Bundesfinanzhilfen zur Städtebauförderung 1991 bis 2019 nach innerstädtischer Lage der Fördergebiete. Räumliche Verteilung nach Lagetypen in der Stadt Räumliche Verteilung der Bundesfinanzhilfen zur Städtebauförderung 1991 bis 2019 nach innerstädtischer Lage der Fördergebiete

Datengrundlage
Monitoring zur Städtebauförderung

Die Basis des Monitoringsystems bilden die Förderdaten, die den Bundesprogrammen zur Städtebauförderung entnommen werden können. Für jede städtebauliche Gesamtmaßnahme werden jährlich die vom Bund bereitgestellten Finanzhilfen erfasst. Diese können räumlich verortet und mit weiteren Informationen zu den Gesamtmaßnahmen verknüpft werden. Diese Daten werden durch das BBSR systematisch aufbereitet und bilden die Basis für das Monitoring der Städtebauförderung. Insgesamt werden Informationen zu über 9.300 Gesamtmaßnahmen vorgehalten (Stand Programmjahr 2019).

Seit 2010 werden durch die Kommunen Begleitinformationen zu den Gesamtmaßnahmen der Städtebauförderung elektronisch erfasst. Diese dienen zum einen Prüfzwecken bei der jährlichen Aufstellung der Bundesprogramme und beschreiben zudem die Struktur der geförderten Maßnahmegebiete. Erfasst wird unter anderem die innerstädtische Lage der Fördergebiete. Zu rund 93 % der Gesamtmaßnahmen der Programme die bis 2019 gefördert wurden liegen Begleitinformationen vor. Für das bis 2012 geförderte Programm Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen konnten nur noch rund 20 % der Gesamtmaßnahmen erfasst werden.

Zum Thema

Raumabgrenzungen Dokumenttyp Artikel

Hier finden Sie eine Übersicht der vom BBSR genutzten Raumabgrenzungen.

Kontakt

  • Jürgen Göddecke-Stellmann
    Referat I 4 - Städtebauförderung, soziale Stadtentwicklung
    Telefon: +49 228 99401-2261
    E-Mail: juergen.goeddecke@bbr.bund.de

  • Madeline Kaupert
    Referat I 4 - Städtebauförderung, soziale Stadtentwicklung
    Telefon: +49 228 99401-2309
    E-Mail: madeline.kaupert@bbr.bund.de

  • Thorsten Wagener
    Referat I 4 - Städtebauförderung, soziale Stadtentwicklung
    Telefon: +49 228 99401-1591
    Fax: +49 228 99401-2356
    E-Mail: thorsten.wagener@bbr.bund.de

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