Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Leipzig - Ein Projekt im Rahmen des Selbstnutzer-Programms

Kostengünstiger qualitätsbewusster Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern in prosperierenden Regionen

Projektbeschreibung

Das Projekt "Stallbaumstraße" wurde im Rahmen des Selbstnutzer-Programms der Stadt Leipzig entwickelt. Kern des Programms sind umfassende Informations-, Beratungs- und Betreuungsmöglichkeiten für Bauinteressenten während des gesamten Kauf-, Planungs- und Bauprozesses.


Die Stadt Leipzig hat für die Umsetzung eine Beratungs- und Steuerungsstelle eingerichtet, die den Kontakt zwischen Selbstnutzern, Architekten und Grundstücken herstellt. Für das Selbstnutzer-Programm wurden spezielle Instrumente geschaffen. Zentrale Instrumente sind der Extrastammtisch zur Information von Architekten über zur Bebauung anstehende Grundstücke, die Baugesuchskonferenz für Vorentwürfe als Voraussetzung für die Bewerbung im Rahmen des Selbstnutzer-Treffs und die Architekten-Käufer-Werkstätten, in denen Architekten ihre Baukonzepte für unterschiedliche Baugrundstücke interessierten Bauherren präsentieren. Die Prozessqualität des Selbstnutzer-Programms führt zu einer hohen Selbstbestimmung und einer hohen Kostentransparenz für die Bauherren. Die Bauherren können zwischen unterschiedlichen Standorten und Architekturkonzepten wählen, sie können Einfluss auf die Parzellierung der Grundstücke nehmen, sind in der Wahl ihres Architekten frei und entwickeln gemeinsam mit ihrem Architekten ihr Haus.


Neben den Qualitäten für den Bauherren lassen sich messbare Erfolge für die Stadt Leipzig verzeichnen. Der Einwohnerverlust Leipzigs konnte mittlerweile gebremst werden. Dies führt zu einer besseren Auslastung vorhandener Infrastruktur und gleichzeitig werden die Einnahmen aus Steuern stabilisiert.


Das städtebauliche Konzept für das Projekt "Stallbaumstraße" sieht die Neuerrichtung von bis zu 30 Einfamilienhäusern durch modern gestaltete Gartenhof- und Reihenhäuser vor, die sich um einen kleinen Stadtplatz gruppieren. Verfolgt wird die Idee einer dichten urbanen Bebauung. Die neue Baustruktur hebt sich bewusst von der vorhandenen Bebauung ab. Kleinere Grünzäsuren sollen zwischen vorhandener und neuer Bebauung vermitteln. Die ursprünglich für eine dichtere städtebauliche Bebauung als Richtwert vorgegebenen Grundstückspreise konnten in Verhandlungen mit der Kämmerei an die neue Bebauung mit Eigenheimen angepasst und somit deutlich reduziert werden.


Das Baugebiet teilt sich in drei unterschiedliche Bereiche auf:


Im Süden hat sich eine Selbstnutzergruppe zur GbR Stallbaumstraße zusammengeschlossen. Die Bauinteressierten entwickelten gemeinsam mit ihren Architekten Gebäude nach ihren Wünschen. In diesem Bereich sind neun L-förmige Gartenhofhäuser entstanden, 2- bis 3-geschossig, die Wohnfläche reicht von 120-220 qm. Durch Baulinien und -grenzen ist ein rechteckiger Grundhaustyp festgelegt. Erweiterungsmöglichkeiten bestehen über den Anbau eines Seitenflügels und ein Staffelgeschoss. Für die Fassaden- und Fenstergestaltung gab es keine Festlegungen. Die Innenraumaufteilung wurde individuell mit dem Architekten geplant.


Für den nördlichen Bereich lag die Planung eines Architektenbüros für 10 Reihenhäuser gruppiert um einen begrünten Stadtplatz vor. Realisiert wurden 2,5-geschossige Häuser mit Pultdach und 120 qm Wohnfläche.


Entlang der Möckernsche Straße entstanden 3-4-geschossige Reihenhäuser mit Flachdach und ca. 140 qm Wohnfläche.

Kurzcharakteristik des Projektes "Stallbaumstraße"
Anzahl der Wohneinheiten23-30
Grundstücksgröße150-490 qm
Grundstückskosten155 Euro / qm
Wohnfläche120-220 qm

Trägerkostellation

Die Stadt Leipzig verfolgt ein strategisches Gesamtkonzept zur Eigentumsbildung in Leipzig, das zunächst auf die Sanierung von Gründerzeithäusern ausgerichtet war. Sie ist Initiator und tragende Kraft dieses Selbstnutzer-Programms. Für die Ausweitung der Aktivitäten im Neubau wurde im Stadtplanungsamt ein eigenes Sachgebiet "Stadthäuser" eingerichtet. Mit der Durchführung des Programms ist die Immothek beauftragt. Sie ist zentraler Koordinator, Moderator und Berater. Architekten, Ingenieure und Baufinanzierer werden von Stadt und Immothek aktiv in den Prozess eingebunden und unterstützen diesen durch freiwillige Vorleistungen in der Anfangsphase eines Projektes. In der späteren Umsetzung übernehmen sie die Rolle als Vertragspartner von Bauherren.

Forschungsansatz

Als wesentliche Forschungsansätze wurden im Projekt verfolgt:

  • Strategie zur Steigerung der Attraktivität der Kernstadt gegenüber dem Umland
  • Standortwahl für städtische Wohnprojekte im Einfamilienhausbereich
  • Planungsrechtliche Rahmenbedingungen
  • Kommunikationsstrategien zur Vermittlung von Qualitäten urbaner Wohnformen; Gruppenmoderation

Projektträger war das Dezernat Stadtentwicklung und Bau der Stadt Leipzig. Die Projektforschung wurde von der immothek Immobilien-Marketing-Service GmbH durchgeführt.

Zugehörige Projekte

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