Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Osnabrück: Impuls zur Quartiersentwicklung

Kostengünstiger qualitätsbewusster Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern in prosperierenden Regionen

Projektbeschreibung

Die Stadt Osnabrück verfolgt gesamtstädtisch das Ziel einer flächensparenden Siedlungsentwicklung durch Bestandsentwicklung und Flächenrecycling sowie die Attraktivitätssteigerung der Stadt als Wohnstandort.


Mit dem Projekt "Rosengärten" möchte die Stadt Osnabrück zur Stabilisierung des Quartiers beitragen. Es soll ein kostengünstiges Angebot für die Bildung von Wohneigentum geschaffen werden, das auf die Ansprüche der Bevölkerungsgruppen im Stadtteil eingeht. Das Modellvorhaben zielt auf eine Eigentumsbildung für junge Familien insbesondere aus dem Quartier. Familien mit Migrationshintergrund sollen integriert werden. Insgesamt wird eine gemischte stabile Sozialstruktur angestrebt.


Das Modellvorhaben soll für die Aufwertung des gesamten Quartiers Impulsfunktion übernehmen durch

  • eine funktionale Neuordnung durch Änderung der Nutzung im Blockinnenbereich,
  • die soziale Integration von Migranten in einer stabilen gemischten Nachbarschaft und
  • die sensible städtebauliche Einbindung des Neubaubereichs in die vorhandene Baustruktur.

Im Dezember 2003 schrieb der Sanierungsträger einen kombinierten Architekten- und Investorenwettbewerb für das Gebiet des Modellvorhabens aus. Die schwierigen Rahmenbedingungen des Quartiers führten zu einer so geringen Beteiligung, dass ein Gutachterverfahren angeschlossen wurde


Das städtebauliche Konzept sieht eine Bebauung des Blockinnenbereichs mit freistehenden Einfamilienhäusern und mit Doppelhäusern vor, die sich an den Dimensionen und Proportionen der angrenzenden Strukturen orientieren und diese weiterentwickeln. Es wurden Haustypen entwickelt, die auf kleinen Grundstücken bei sparsamer Erschließung errichtet werden können. Auf ein einheitliches äußeres Erscheinungsbild wurde besonderer Wert gelegt. Die Herstellung eines grünen Umfeldes ist ein zentraler Bestandteil des städtebaulichen Konzeptes. Die "Grüne Fuge" sollte als Scharnierfunktion zwischen alter und neuer Bebauung vermitteln sowie innerhalb des Blockinnenbereichs als Sichtschutz dienen. Gleichzeitig sollte sie als Gemeinschaftsfläche von den neuen Bewohnern und der angestammten Nachbarschaft gemeinsam genutzt werden. Da von den Bauherren kein Gemeinschaftseigentum gewünscht wird, wurde die Fläche den Privatgrundstücken zugeordnet.


Die Häuser werden als freistehendes Einfamilienhaus und als Doppelhaus angeboten. Abweichend vom "klassischen" Doppelhaus mit schmaler Vorderfront wurde ein Gebäudetyp entwickelt, der eine Grundfläche von 6 m Tiefe und 12 m Breite aufweist. Durch giebelseitiges Zusammenfassen entsteht ein Doppelhaus, das zahlreiche Qualitäten eines freistehenden Einfamilienhauses aufweist wie breite Gärten mit großen Abstand zum Nachbarn. Fixpunkte bei der Grundrissgestaltung sind das Treppenhaus, die Installationsstränge und die Zuordnung der Fenster. Die statische Lastabtragung erfolgt über die Außenwände. Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten sind auf das Gebäudeinnere beschränkt, um durch eine einheitliche und klare Architektursprache eine hohe städtebauliche Qualität zu erzeugen.


Das Projekt war mit einem breiten Kommunikationsprozess auf verschiedenen Ebenen angelegt. Bei der Projektentwicklung sollten Stadt, Sanierungsträger, Bauträger und Planer eng zusammenarbeiten. Dieser enge Abstimmungsprozess sollte zur Sicherung von Qualität und Kosten beitragen. Im Kommunikations- und Koordinationsprozess wurden unterschiedliche Erwartungshaltungen deutlich. Organisationsstrukturen mit verbindlichen Aufgabenzuweisungen und Verantwortlichkeiten hätten zur Verminderung von Reibungsverlusten beitragen können.


Ebenso war ein intensiver Kommunikationsprozess mit den Interessenten für die Neubauten und der alteingesessenen Nachbarschaft der Blockrandbebauung vorgesehen. In Bezug auf individuelle Nutzerbedürfnisse und deren planerische Umsetzung sollten die Bauherren ein gebündeltes und intensives Beratungsangebot erhalten. Wegen der erheblichen Verzögerungen im Projekt konnte dieser Kommunikationsprozess während der Experimentierphase nur ansatzweise durchgeführt werden.

Kurzcharakteristik des Projekts "Rosengärten"
Anzahl der Wohneinheiten32
Grundstücksgrößeetwa 300 qm
Grundstückskosten179,50 Euro / qm
Wohnfläche110-144 qm


Trägerkonstellation

Die Stadt Osnabrück hat ein vitales Interesse an der Aufwertung und städtebaulichen Erneuerung des Quartiers "Rosenplatz" und gab daher den Anstoß zur Entwicklung des Baugebietes "Rosengärten". Mit der treuhänderischen Entwicklung des Geländes ist der Sanierungsträger beauftragt. Er ist in alle Planungsprozesse eingebunden und gewährleistet die Verzahnung der Planung mit den Quartiersbedürfnissen. Die Gebäude werden durch einen Bauträger errichtet. Der Architekt erbringt Beratungs- und Planungsleistungen und übernimmt zum Teil Aufgaben der Projektentwicklung. Komplexe Vertragsstrukturen sichern, dass vom städtebaulichen Entwurf bis zur Gebäuderealisierung ein durch-ängiges Konzept ermöglicht wird.

Forschungsansatz

In dem Modellvorhaben sollten folgende zentralen Forschungsansätze untersucht werden:

  • Aufwertung eines Stadtteils durch Nachverdichtung; Entwicklung attraktiver Wohnformen als Alternative zum Stadtumland; Entwicklung von Angeboten insbesondere für Bevölkerungsgruppen im Quartier
  • Entwicklung eines integrationsfähigen soziologischen Konzeptes; Schaffung von geeigneten Organisations- und Kommunikationsstrukturen
  • Erfassung von Wohnwünschen und -bedürfnissen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, insbesondere von Migranten
  • Entwicklung einer Akteurskonstellation, die die Kostenstrukturen für Bauland, Erschließung und den Bau günstig beeinflusst; Analyse der Akteurslogiken

Projektträger war der Fachbereich Städtebau der Stadt Osnabrück. Die Projektforschung wurde von der PPL Planungsgruppe Prof. Laage und dem Institut Raum & Energie durchgeführt.

Zugehörige Projekte

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