Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Hannover: Jugend bewegt Stadt. Ringlinie 100/200

Jugendfonds "Jugend bewegt Stadt" – Modellstadt

Die Stadt Hannover nahm ein stadträumliches Konzept zur Qualifizierung der Begleiträume der Busringlinie 100/200 zum Anlass, um rund um die Bushaltestellen Projekte über den Jugendfonds zu generieren. Die Ringlinie wird von vielen jungen Menschen regelmäßig genutzt und verbindet zahlreiche Stadtteile miteinander. Alle realisierten Mikroprojekte wurden öffentlichkeitswirksam an einem Ringlinientag auf Plätzen und zentralen Freiflächen von den Jugendlichen präsentiert.

Angaben zu Projekt und Ort
StadtHannover (519.200 Einwohner), Niedersachsen
Träger

Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Jugend und Familie

KooperationspartnerFachbereiche Planung und Stadtentwicklung, Bildung und Qualifizierung, Umwelt und Stadtgrün, Sport und Eventmanagement sowie Bibliothek und Schule; Verkehrsbetrieb üstra
Zielgruppe(n)Offener Aufruf über Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, den Stadtjugendring, Stadtsportbund sowie weiterführende Schulen

Kontext und Ziele

Jugendliche sind in der Landeshauptstadt Hannover eine wichtige Zielgruppe der Stadtentwicklung. Aus diesem Grund ließ der Fachbereich Jugend und Familie in Zusammenarbeit mit weiteren Fachbereichen und Partnern die Konzeptstudie zu Handlungsstrategien und Modellvorhaben Linie 100/200 "Das Plus entwickeln! Jugendliche und das Netz urbaner öffentlicher Räume in Hannover" erstellen. Die Busringlinie führt um den Innenstadtbereich herum, verbindet mehrere Stadtteile und ergänzt das sternförmige U-Bahnnetz. Besonders für Jugendliche ist diese Linie eine wichtige Infrastruktur, da an ihr auch wichtige Einrichtungen wie Schulen, Jugendtreffs und Sportstätten liegen.

Mit der Konzeptstudie sollten die Voraussetzungen geschaffen werden, unterschiedliche Bewegungsarten von Jugendlichen mit ihren räumlich verteilten Handlungsorten miteinander zu verknüpfen. Mit dem Beteiligungsinstrument Jugendfonds knüpfte die Stadt an dieses Rahmen- und Handlungskonzept an. Es sollte erprobt werden, ob die Gestaltung von Mikroprojekten durch Jugendliche eine Möglichkeit ist, um Jugendliche aktiv an Stadtentwicklungsprozessen zu beteiligen. Ein weiteres Ziel war die Entwicklung und Überprüfung fachübergreifender Formen der Zusammenarbeit, die bei einer erfolgreichen Anwendung für ein nachhaltiges Verwaltungshandeln etabliert werden sollten.

Umsetzung und Ergebnisse

Über einen ansprechenden Flyer, der u. a. an Schulen, Vereinen, Jugendeinrichtungen ausgelegt war, wurden Jugendliche dazu aufgefordert, Ideen für Sport und Bewegung in Räumen entlang der Ringlinien100/200 zu entwickeln. Zusätzlich wurde über Pressemitteilungen, das Fahrgastfernsehen der Verkehrsbetriebe üstra sowie über Internetplattformen für ein Engagement Jugendlicher geworben. Die Stadtverwaltung richtete eine Kontaktstelle ein, bei der sich Jugendliche mit Projektideen oder Fragen zum Jugendfonds melden konnten.

Insgesamt 18 Projektideen reichten Jugendliche auf den Projektaufruf ein, einige in Zusammenhang mit einer Jugendeinrichtung oder einem Verein. Eine Jury aus den jugendpolitischen Sprechern der Ratsfraktionen, einem Vertreter der Verkehrsbetriebe und Vertretern der Verwaltung bewertete, kommentierte und wählte die Projektideen aus. Für die weitere Umsetzung des Jugendfonds nutzte die Kommune das Netzwerk für das Gesamtkonzept "Jugendliche und das Netz öffentlicher Räume" mit den Fachbereichen Planung und Stadtentwicklung, Bildung und Qualifizierung, Umwelt und Stadtgrün, Sport und Eventmanagement sowie Bibliothek und Schule.

Alle Projekte erhielten am "Ringlinientag" die Gelegenheit, ihre Projekte bei einem Jugendevent einem interessierten Publikum zu präsentieren. Der Verkehrsbetrieb üstra stellte als Projektpartner für die Besucher des Ringlinientages kostenfrei Sonderbusse bereit, die die einzelnen Projektstandorte an der Ringlinie anfuhren. Durch diese Aktion wurden die Projekte öffentlichkeits- und pressewirksam bekannt gemacht und die jugendlichen Akteure erhielten gleichzeitig eine besondere Anerkennung ihres Engagements.

In der Mehrzahl entwickelten die Jugendlichen mobile oder temporäre Ausstattungen, die flexibel einsetzbar sind. Beispielsweise baute eine Gruppe junger BMXer mobile Sprungelemente, so genannte "Funboxen" für den Einsatz auf Stadtplätzen und Freiflächen. Ein 20-jähriges Mitglied der Gruppe brachte sein fachliches Know-how aus dem Industriedesign-Studium ein, so dass im Ergebnis eine robuste, optisch ansprechende Stahl-Holzkonstruktion entstanden ist. Auseinander genommen passen die Funboxen in einen Kleintransporter und können überall dort aufgebaut werden, wo ein rollfähiger Belag und ausreichend Platz für die Anlaufstrecke und den Sprungbereich vorhanden sind. Die meisten Arbeiten, wie Bohrungen, Zuschnitt und Feinarbeiten an Holz und Stahl, haben die Jugendlichen in der Werkstatt eines Jugendzentrums selber durchgeführt. Nur für die Schweißarbeiten und die Rundbiegung der Stahlstreben wurde eine Fachfirma benötigt, die die Arbeiten sponserte und dafür eine Werbetafel anbringen durfte.

Eine andere Gruppe Jugendlicher einer Integrierten Gesamtschule entwickelte und baute einen eigenen Unterstand, der als "Chillort" zum Treffen, Ausruhen und Musikhören genutzt werden sollte. Als kostengünstige Lösung besteht der Unterstand aus genormten Gerüstbauteilen und LKW-Planen. Der Standort, auf dem die Jugendlichen den Unterstand errichten konnten, steht nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung, da an dieser Stelle eine Kindertagesstätte entstehen soll. Wenn dies soweit ist, will die Stadt gemeinsam mit den Jugendlichen nach einem neuen geeigneten Standort suchen. Mit der gewählten Gerüstbauweise ist der Umzug kein Problem.

Eine stationäre Lösung, die die Nutzungsmöglichkeit für ein vorhandenes Sportfeld erweitert, konnten Jugendliche mit dem Projekt "Beleuchtung für einen Bolzplatz" erreichen. Um die Benutzung auch in den Abendstunden und den dunklen Wintermonaten zu ermöglichen, wurde ein Bolzplatz am Rand ihres Quartiers mit einer Beleuchtung ausgestattet. Beim Ringlinientag wurde ein mobiles generatorbetriebenes Flutlicht getestet. Aufgrund des großen Erfolges des Testlaufs erklärte sich sich die Stadt bereit, eine feste Lichtanlage zu installieren. Wegen der Folgekosten für Wartung, Leuchtmittel und Strom stellten die Jugendlichen mit dem Projektpaten einen Antrag beim Quartiersfonds des Stadtteils zur Kostenübernahme, der bewilligt wurde. Die Nachbarschaft und die Jugendlichen profitieren gleichermaßen von dem beleuchteten Bolzplatz. An dem neuen Treff können Jugendliche auch in den Abendstunden ungestört sportlich aktiv sein. Gleichzeitig konnten Konflikte in der engen Nachbarschaft entschärft werden, da sich die Sportnutzung von der Mitte zum Rand des Kiezes verlagert hat.

Mit der kreativen Entwicklung von Ideen zur Benutzung und Aneignung von öffentlichen Räumen setzten Jugendliche in Hannover wichtige Impulse für die Stadtgestaltung und die Stadtentwicklung. Einige Projekte wurden in einer weiteren Stufe auch zu festen Angeboten. Außerdem erhielten die Projekte mit der städtischen Initiative Freiraum 2011 einen Rahmen, um ihre Aktivitäten und Angebote weiter bekannt zu machen. Darüber hinaus plante die Stadt zum Abschluss des Modellprojektes, jährlich einen festen Verfügungsfonds für die Beteiligung Jugendlicher an der Stadtentwicklung einzurichten.

Erkenntnisse für das Forschungsfeld

Die Umsetzung in der Modellstadt Hannover hat beispielhaft gezeigt, wie das Instrument Jugendfonds in ein stadträumliches Handlungskonzept eingebunden werden kann. Durch konkrete Projekte und lokale Kooperationen wurde ein stadträumliches Rahmenkonzept mit Leben gefüllt. Mit einem attraktiv gestalteten Projektaufruf, der u. a. auch über das Fahrgastfernsehen verbreitet wurde, konnten viele Jugendliche erreicht werden. Die zeitlich kompakte Realisierung der Mikroprojekte von der Projektausschreibung bis zur Projektumsetzung und die Präsentation der Ergebnisse im Rahmen des Ringlinientages auf öffentlichen Plätzen verdeutlichten den beteiligten Jugendlichen, dass ihre Ideen ankommen und unmittelbar umgesetzt werden. Die Bereitschaft der Beteiligten in der Verwaltung zur Kooperation und Unterstützung führte dazu, dass Frustrationen durch lange Verwaltungswege, lange Zeitabläufe und unklare Beteiligungsverfahren durchbrochen und schnelle Erfolge ermöglicht worden sind.

Kontakt

Landeshauptstadt Hannover
Fachbereich Jugend und Familie
Bernd Jacobs
Tel.: +49 511 168454-00
Bernd.Jacobs@Hannover-Stadt.de

Zugehörige Projekte

Jugendliche im Stadtquartier

Status: Abgeschlossen Laufzeit: Mai 2009 – Oktober 2016

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