Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Rosenheim: Stadtoasen

Jugendliche im Stadtquartier – Modellvorhaben

Mit temporären Aktionen in der historischen Altstadt wurden Freiräume für Jugendliche erschlossen. Jugendliche erkundeten die Innenstadt und bespielten mit selbst entwickelten Möbeln "Stadtoasen". Als Hilfestellung zur Errichtung zukünftiger "Stadtoasen" wurde ein Leitfaden erstellt. Die Ergebnisse der Beteiligung sollen in der langfristigen Stadtteilentwicklung einer Sensibilisierung für die Bedürfnisse Jugendlicher dienen.

Angaben zu Projekt und Ort
StadtRosenheim (60.000 Einwohner), Bayern
OrtAltstadt-Ost
ProjektebeneQuartier
TrägerQuartiersmanagement Altstadt-Ost
Kooperationspartner/
Akteure
Urbanes Wohnen e.G., Stadt Rosenheim
Zielgruppe(n)Schülerinnen und Schüler der Hauptschule vor Ort
Methodentemporäre Aneignung
BezugspunkteAltstadt, Stadtsanierung, Mobiliar entwickeln, Soziale Stadt, Landesgartenschau

Konzept

In der Rosenheimer Altstadt-Ost gibt es für Jugendliche zu wenig Freiräume. Vorhandene Angebote können den Bedarf an Aufenthaltsmöglichkeiten für Jugendliche in diesem Gebiet nicht abdecken. Doch in der Öffentlichkeit und Politik ist das Bewusstsein für diese Defizite noch nicht sehr ausgeprägt. Im Rahmen der Sanierung der Altstadt-Ost und der Vorbereitungen der Landesgartenschau 2010 sollte durch das Modellvorhaben "Stadtoasen" in der dicht bebauten Altstadt das Freiflächenangebot ergänzt werden. Um sichtbare Zeichen im Stadtraum zu setzen und einen innovativen Beitrag zur Freiraumentwicklung zu leisten, sollten auf Rest- und vorübergehend ungenutzten Flächen temporäre Aktionsflächen von und für Jugendliche geschaffen werden.

2010 wurde das Projekt weiterentwickelt und der inhaltliche Schwerpunkt auf der möglichst selbständigen Durchführung von Stadtoasen durch die Jugendlichen selbst und dem experimentellen Einsatz des Stadtmobiliars in unterschiedlichen Zusammenhängen und räumlichen Situationen gesetzt. Die Jugendlichen sollten dabei unterstützt werden, neue Handlungsmöglichkeiten für die Verbesserung ihrer Lebenswelt zu erproben und angeregt werden, Dinge auch jenseits langer Planungsprozesse und trotz fehlender Ressourcen selbst in die Hand zu nehmen.

Langfristiges Ziel des Modellvorhabens war es, eine neue Art der Freiflächenbewirtschaftung und -nutzung zu implementieren. Durch die temporäre öffentliche Bespielung der Oasen und die sichtbaren Ergebnisse sollten auch andere Jugendliche zur Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt und zur Mitwirkung motiviert werden.

Umsetzung und Ergebnisse

Mit Schulklassen einer Grund- und Hauptschule wurden im Vorfeld des Modellvorhabens Nutzungsszenarien für Spiel und Aufenthalt im öffentlichen Raum erarbeitet sowie verschiedene Stadtmöbel, raumbildende Elemente sowie grafische Elemente entwickelt und in einem Workshop vor Ort realisiert. Um die Elemente vor Ort zu erproben, wurden mögliche Standorte für die "Stadtoasen" identifiziert, hinsichtlich der Aufenthaltsqualitäten für Jugendliche untersucht und den Wünschen entsprechend mit Mobiliar besetzt. Auf der Grundlage dieser Erfahrungen wurde im Herbst 2009 das Mobiliar aus der ersten Nutzung evaluiert und weiterentwickelt. Im Rahmen einer "Winteroase" auf dem Salzstadel wurden die Möbel öffentlich präsentiert. Die Jugendlichen hatten so die Möglichkeit, den öffentlichen Raum als Treffpunkt und Aufenthaltsort temporär ihren Wünschen entsprechend zu gestalten.

Im Rahmen des Forschungszeitraums 2010 wurden sechs Stadtoasen in der Rosenheimer Innenstadt sowie einem Programmgebiet der Sozialen Stadt in Rosenheim umgesetzt. Die Jugendlichen, die sich für die Stadtoasen engagierten, verliehen diesen stets einen "Event-Charakter". Ein reines "Chillen" war von ihnen nicht erwünscht. So wurden mehrere Open-Air-Kinoabende mit Tanz und Musik sowie Bewirtung für Jugendliche aber auch für alle anderen Interessierten geboten.

Die Jugendlichen konnten sich um die Mittel eines Jugendfonds bewerben, um ihre Ideen für die jeweilige Stadtoase vorzufinanzieren. Diejenigen Stadtoasen, die von engagierten Jugendlichen selbst angestoßen wurden, haben inzwischen teilweise einen Selbstläufer-Effekt entwickelt.

Einige der Stadtoasen waren an das Praxisseminar Wirtschaft einer 11. Klasse angekoppelt, was sich als sehr geeignetes Format der Aktivierung und Beteiligung erwiesen hat. Folgejahrgänge sollen zukünftig in ähnlicher Weise eingebunden werden.

Interessant sind die Wirkungen der Stadtoasen auf Quartiersebene. Da die Jugendlichen ein Angebot für alle Generationen schufen, erfuhren sie viel Zuspruch und Sympathie seitens der Anwohner und Passanten. Die Unterstützung der Erwachsenen geht inzwischen so weit, dass für die Anschaffung eines alten Feuerwehrtransporters als "Kino-Mobil" ein Privatkredit an die Jugendlichen gegeben wurde.

Seitens der Stadt ist eine Fortführung der Stadtoasen mit reduziertem Mitteleinsatz geplant. Sie sollen weiterhin an das Quartiersmanagement angebunden werden, da die Betreuung nicht innerhalb der Rosenheimer Verwaltung geleistet werden kann. Um den Projektstart zu erleichtern und langfristig Fördermöglichkeiten zu haben, soll versucht werden, einen Projektfonds auf Kreditbasis einzurichten: Projekte, die Einnahmen erzielen, können somit den Förderbetrag zurück zahlen. Die Stadtverwaltung hat inzwischen die Stadtoasen auch als geeignetes Instrument zur Beteiligung Erwachsener anerkannt. Für kommende Stadtentwicklungsprojekte, beispielsweise die Erschließung aufgegebener Bahnflächen, sollen sie zukünftig zum Einsatz kommen. Weiterhin beabsichtigt die Stadt Rosenheim die Einführung eines Ämterlotsen als zentralen Ansprechpartner für Jugend- und Selbsthilfeprojekte einzurichten.

Erkenntnisse für das Forschungsfeld

Das Modellvorhaben konnte wichtige Hinweise zur temporären Aneignung und Inszenierung öffentlicher Räume durch Jugendliche geben. Der prinzipielle Ansatz des Projektes, den Jugendlichen eine vergleichsweise einfache Basisausstattung, überschaubare Mittel und, wenn gewünscht, fachliches Know-How zur Verfügung zu stellen, hat auf lokaler Ebene viel angestoßen und kann als gut übertragbare Methode gesehen werden, um jugendliche, aber auch erwachsene Selbsthilfeprojekte zu unterstützen. Der durch das Projekt auf Verwaltungsebene angestoßene Denkprozess zeigt, dass zuweilen erst das praktische Erproben eines Ansatzes Zweifler überzeugt. Das Projekt hat die Planungskultur vor Ort verändert, so dass nun eine größere Offenheit besteht, Ideen zunächst temporär zu erproben, um Jugendlichen, aber auch erwachsene Bürger somit stärker an der Entwicklung ihrer Stadt teilhaben zu lassen.

Weitere Informationen

Projekt Stadtoasen

Zugehörige Projekte

Jugendliche im Stadtquartier

Status: Abgeschlossen Laufzeit: Mai 2009–Oktober 2016

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