Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Eberswalde: Modellvorhaben "Eisenbahnstraße – gemeinsam zu mehr Lebensqualität"

Leitprojekte "Kooperation konkret"

Stadt / Stadtteil: Eberswalde (ca. 41 500 Einwohner)

Bundesland: Brandenburg

Quartier / Quartierstyp: Eisenbahnstraße - innerstädtische Hauptverkehrsstraße

Projektträger: Stadt Eberswalde

Kooperationspartner: Wirtschafts-Interessen-Ring Eberswalde (WIR) e.V. / Ernst Basler + Partner GmbH

Ausgangslage

Die Eisenbahnstraße im brandenburgischen Eberswalde (ca. 39.000 Einwohner) ist die zentrale Verbindungsachse zwischen Bahnhof und Innenstadt. Nach der erfolgreichen Neuordnung und Sanierung der Eberswalder Innenstadt kommt der Aufwertung und Neupositionierung der gründerzeitlich geprägten Eisenbahnstraße für die Stadtentwicklung eine hohe Bedeutung zu. Trotz des bestehenden Sanierungsbedarfs eines Teils des Gebäudebestands, insbesondere einzelner Stadtbild prägender Gebäude und trotz der hohen Verkehrsbelastung ist die Eisenbahnstraße nach wie vor ein wichtiger Wohn- und Einkaufsstandort. Ein Beleg für ihre Bedeutung sind die ca. 150 Unternehmen und Einrichtungen des Einzelhandels, von Dienstleistung, Handwerk, Gewerbe, Gastronomie und Gemeinbedarf. Die Bedeutung des Standorts hat aber in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Dieser Bedeutungsverlust ist u.a. an Fortzügen von Bewohnern und einem ca. 20 %igen Leerstand bei den Wohnungen ablesbar.

Ziele

Eberswalde verfolgt das Ziel der Stabilisierung der Eisenbahnstraße als Wohn- und Wirtschaftsstandort im Zusammenspiel öffentlicher und privater Aktivitäten. Bei der Stabilisierung als Wohnstandort stehen der Erhalt der sozialen Durchmischung, die Verhinderung einer Verdrängung sozial schwacher Haushalte und die Schaffung eines attraktiven Wohnungsangebotes für junge Familien und ältere Bürger im Mittelpunkt.

Ziele der Stärkung als Wirtschaftsstandort sind u.a. die Aufwertung des Stadtraumes, die Nachnutzung von Brachflächen, die Schaffung eines attraktiven Einzelhandels- und Dienstleistungsmixes sowie die Belebung des Straßenraumes durch Aktionen. Aufwertungsmaßnahmen und gezieltes Marketing streben eine Neupositionierung der Eisenbahnstraße mit eigenem Profil und neuem Image an. Im Miteinander öffentlicher und privater Aktivitäten soll erprobt werden, wie durch den Einsatz unterschiedlicher Förderprogramme und zusammen mit Eigentümern und Nutzern die erarbeiteten Zielvorstellungen umgesetzt werden können. Ein erarbeitetes Integriertes Handlungskonzept stellt die Basis der Umsetzung dar.

Beispielhaft bündeln!

Die Notwendigkeit der Bündelung von Fachprogrammen ist bei der Aufwertung von Hauptverkehrsstraßen besonders offensichtlich: U.a. verkehrliche, städtebauliche, wohnungswirtschaftliche und wirtschaftsfördernde Maßnahmen müssen ineinander greifen. An der Eisenbahnstraße ist das beispielhaft gelungen:

  • Drei Bauabschnitte der Umgestaltung des Straßenraums der Bundesstraße konnten bereits 2005 abgeschlossen werden, ein vierter Bauabschnitt wird 2014 fertig gestellt. Mittel des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes und der Städtebauförderung – u.a. für Gehwege und Parktaschen – kamen abgestimmt zum Einsatz.
  • Mit dem Einsatz von Städtebauförderungsmitteln (Programme städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen, Stadtumbau Ost) konnten Gebäude gesichert und saniert und die Hauptverkehrsstraße und die Erschließungsstraßen aufgewertet werden. Einige Gebäudeeigentümer wurden mit Wohnungsbauförderungsmitteln bei ihrer Aufwertungsinvestition unterstützt. Kleinere Kooperationsprojekte wurden mit Hilfe eines Aktionsfonds gefördert.
  • Mit Fördermitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) wurden attraktive Aufenthaltsräume und Verbindungswege am parallel zur Eisenbahnstraße verlaufenden Finowkanal geschaffen und kleine und mittlere Unternehmen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit befördert.
  • Besonders anschaulich gelang Bündelung bei der Revitalisierung einer Brauereibrache zum Einzelhandels- und Gastronomiestandort: Bestandsgebäude wurden mit Städtebauförderung aufgewertet, nicht nachnutzungsfähige Gebäude damit rückgebaut, und der Betreiber der Brauereigaststätte erhielt KMU-Förderung aus EFRE.

Beispielhaft kooperieren!

Voraussetzung für erfolgreiche Aufwertungsbemühungen an der Eisenbahnstraße sind funktionierende Formen der Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung und mit Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen sowie mit Bewohnern vor Ort.

  • Die Koordinierung der kommunalen Verwaltung erfolgt über das Baudezernat und das Stadtentwicklungsamt. In einer regelmäßig tagenden Koordinierungsrunde Eisenbahnstraße sind neben dem Stadtentwicklungsamt das Citymanagement und die so genannte Eisenbahnstraßenkoordination vertreten. Im Bedarfsfall werden weitere Verwaltungsstellen oder Experten hinzu gebeten. Das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft als für die Städtebauförderung zuständige Landesbehörde des Landes Brandenburg koordiniert mit seinen Kommunen u.a. Städtebauförderungs- und Infrastrukturförderung über „Integrierte Umsetzungspläne“, in denen Vorhaben über eine Laufzeit von drei Jahren abgestimmt werden.

  • Der Wirtschafts-Interessen-Ring Eberswalde (WIR) e.V. – als Zusammenschluss wichtiger Wirtschaftsakteure in der Stadt – hat sich der Aufwertung der Eisenbahnstraße verschrieben. Er hat sich 2011 der Stadt als Partner angeboten, der die Umsetzung einer Eisenbahnstraßenkoordination als Schnittstelle zu ansässigen Unternehmen und zu Bewohnern übernimmt. Nach ersten Überlegungen dieses in Eigenregie mit Fördermitteln aus dem ExWoSt-Vorhaben Leitprojekte "Kooperation konkret" zu übernehmen, wurde vom Verein über zwei Jahre ein mit Citymanagement erfahrenes Planungsbüro beauftragt, das von einem Büro aus in der Eisenbahnstraße vielfältige Aktivitäten entfaltet hat (z.B. Weihnachtsbeleuchtung, Feste, Baustellenmarketing als Teil der Öffentlichkeitsarbeit).

Schlussfolgerungen

Die Aufwertungsaktivitäten an der Eisenbahnstraße in Eberswalde erfolgen im Rahmen eines umfassenden Sanierungsverfahrens, das die gesamte Innenstadt und größere Areale um die Eisenbahnstraße umfasst. Diese räumliche Kulisse stellt eine wichtige Voraussetzung für ein integriertes Vorgehen dar und vereinfacht die Bündelung von Fachprogrammen. Das im Land Brandenburg praktizierte Instrument der „Integrierten Umsetzungspläne“ hilft bei Bündelungserfolgen von Städtebau- und Infrastrukturförderung, die Koordination von z.B. Bildungs- oder Arbeitsmarktaktivitäten erreicht das leider nicht.

In mittelgroßen Städten wie Eberswalde sind regelmäßig tagende Steuerungsrunden von wichtigen Verwaltungsakteuren mit Vor-Ort-Koordinatoren Erfolg versprechende Prozessstrukturen. Der Versuch, durch Übergabe der Verantwortung von Managementleistungen an einen Verein Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen stärker in die Verantwortung zu ziehen, ist an der Eisenbahnstraße bislang nur begrenzt gelungen. Als Erfolg kann aber die auch für die nächsten Jahre angestrebte Mitfinanzierung der Weihnachtsbeleuchtung und eines "Höfe-Fest" durch lokale Unternehmen gewertet werden.

Ansprechpartnerin
Stadt Eberswalde
Baudezernat, Baudezernentin Frau Anne Fellner
Breite Straße 41 – 44
16225 Eberswalde
Telefon: 03334 / 64 523
E-Mail: a.fellner@eberswalde.de

Nähere Informationen unter: www.eisenbahnstrasse-eberswalde.de

Zugehörige Projekte

Leitprojekte "Kooperation konkret"

Status: Abgeschlossen Laufzeit: März 2011 – September 2014

Diese Seite