Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Nachhaltige Weiterentwicklung von Gewerbegebieten

Projektsteckbrief

  • Status Abgeschlossen
  • Laufzeit Dezember 2014 – Dezember 2019
  • Programm ExWoSt

Zu den wichtigsten Aufgaben der Stadtentwicklungspolitik gehört die Sicherung und Weiterentwicklung von Gewerbestandorten, denn die wirtschaftliche Entwicklung ist grundlegend für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Auch jenseits ihrer ökonomischen Funktion haben Gewerbegebiete große Potenziale für städtebauliche und ökologische Entwicklungen der Kommunen. Allerdings stellen gerade ältere Bestandsgebiete mit ihren spezifischen Problemen die Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund widmete sich das ExWoSt-Forschungsfeld der nachhaltigen Weiterentwicklung von Gewerbegebieten.

Projektlaufzeit: Dezember 2014 – Dezember 2019

Ausgangslage

Viele Jahre konzentrierte sich die Ansiedlungspolitik der Kommunen auf die Erschließung neuer Gewerbestandorte. Diese locken mit günstiger Erschließung, komfortablen Grundstücksgrößen und -zuschnitten sowie mit großer Gestaltungsfreiheit auch viele Betriebe aus bestehenden, innerstädtischen Gewerbegebieten an. Gerade im verarbeitenden Gewerbe ist eine Tendenz zur Randverlagerung festzustellen. Eine stetig zunehmende Flächeninanspruchnahme an den Siedlungsrändern durch Industrie und Gewerbe ist die Folge. In vielen Ballungsräumen stoßen weitere Flächenausweisungen inzwischen auf umweltrechtliche Grenzen und gesellschaftliche Widerstände. Mit steigender Sensibilisierung für Umweltbelange, Klimawandel und Nachhaltigkeit in der Planung rücken seit einigen Jahren die Potenziale bestehender Industrie- und Gewerbegebiete verstärkt ins Blickfeld der Stadtplanung.

Die vorangegangene ExWoSt-Vorstudie "Nachhaltige Entwicklung von Gewerbegebieten im Bestand" hatte die Themenrelevanz und die Sinnhaftigkeit eines ExWoSt-Forschungsfeldes bestätigt sowie Problemstellungen und Entwicklungspotenziale bestehender Gewerbegebiete analysiert. An diese Erkenntnisse knüpfte das Forschungsfeld Gewerbe-ExWoSt an, indem es mit neun städtebaulichen Modellvorhaben Problemlösungsansätze erprobte. Die Vorstudie hatte Forschungs- und Entwicklungsbedarf vor allem für Gewerbegebiete identifiziert, die wesentlich in den 1960er bis 1980er Jahren ausgeprägt wurden. Diese sind nunmehr am Ende ihres ersten Entwicklungszyklus angelangt und weisen mittlerweile vielfältige Defizite auf. Solche Gebiete standen bisher nicht im Fokus der Stadtentwicklungspolitik und zählen eher zu den "vergessenen" Stadträumen, die sich im "Schatten" stadtplanerischer Steuerung und Intervention entwickelt haben.

Die Ausgangslage in diesen Gebieten ist durch komplexe Probleme und heterogene Akteurskonstellationen gekennzeichnet. Dazu gehören Nutzungskonflikte, Engpässe in der Flächenverfügbarkeit wie auch Leerstände bzw. Mindernutzungen, Umweltbelastungen, Modernisierungsrückstände bei Gebäuden und Anlagen, Mängel in der Freiraumgestaltung und Grünausstattung, Defizite in der Verkehrserschließung. Häufig sind solche Areale isoliert und nicht in das Stadtgefüge integriert. In manchen Gewerbegebieten kumulieren Funktionsschwächen und gestalterische Defizite in einem Maß, dass sich Gebäudeleerstände oder gar Brachflächen manifestieren. Solche Probleme führen oftmals dazu, dass die Bestandsgebiete ihre Funktion und Rolle im kommunalen und regionalen Zusammenspiel der Gewerbestandorte nicht mehr angemessen erfüllen können.

Zugleich bringen bestehende Gewerbegebiete Potentiale für eine nachhaltige Stadtentwicklung mit sich. So sind etwa Möglichkeiten für kompakte Stadtstrukturen, energetische Optimierung, Klimaanpassung, Ressourcen- und Flächeneffizienz sowie Mobilitätsverbesserungen, städtebauliche Integration und sozialen Zusammenhalt zumeist nicht ausgeschöpft. Nicht zuletzt ist die Öffnung abseitiger oder geschlossener Gewerbegebiete für die Stadtgesellschaft und damit eine stadtbaukulturelle Reintegration dieser Stadträume von Belang.

Informationen zur ExWoSt-Vorstudie "Nachhaltige Entwicklung von Gewerbegebieten im Bestand":

>> weitere Informationen


Ziel

Die wirtschaftlich zukunftsfähige, sozial- und umweltverträgliche Entwicklung der Gewerbegebiete hat entscheidende Bedeutung für die nachhaltige Stadtentwicklung und ist somit ein stadtentwicklungspolitisches Kernanliegen des Bundes. Im Vordergrund des Forschungsfeldes stand die Frage, wie die städtebauliche Erneuerung von Gewerbegebieten über die Verbesserung stadträumlicher Bedingungen hinaus zugleich zu Umwelt- und Klimaverträglichkeit beitragen kann.

Die funktionale, energetische und gestalterische Qualifizierung bestehender Gewerbegebiete ist als Bestandteil einer integrierten und nachhaltigen Stadtentwicklung zu verstehen. Um dem entsprechenden Erkenntnis- und Entwicklungsbedarf entsprechen zu können, führte der Bund dieses ExWoSt-Forschungsfeld mit städtebaulichen Modellvorhaben durch. Der Zweck von Modellvorhaben bestand darin, städtebauliche und verfahrensbezogene Ansätze zu entwickeln und zu erproben. Auf dieser Grundlage waren praxisgestützte Erkenntnisse zu städtebaulichen, instrumentellen und prozessbezogenen Maßnahmen einer nachhaltigen Qualifizierung bestehender Gewerbegebiete zu gewinnen.

Auftragnehmer des Forschungsprojekts war agl | Hartz - Saad - Wendl | Landschafts-, Stadt- und Raumplanung, Saarbrücken in Kooperation mit BPW Stadtplanung, Bremen.

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