Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Umsetzung und Evaluierung von energetisch differenzierten Mietspiegeln in Modellkommunen

Konzept

Das Forschungsprojekt verfolgt einen fallstudienbasierten Ansatz mit einem zweigerichteten Erkenntnisinteresse. Zum einen soll die Praxis der Mietspiegelerstellung im Rahmen einer Forschungsbegleitung evaluiert werden. Die Forschungsbegleitung nimmt dafür die Rolle eines teilnehmenden Beobachters ein, der die Entscheidungsfindungsprozesse sowie die Datenerhebung, -auswertung und -interpretation in der kommunalen Praxis untersucht. Zum anderen soll durch das Einbringen von wissenschaftlicher Expertise ein vertikaler Erkenntnistransfer des methodischen Stands der Wissenschaft in die kommunale Praxis ermöglicht werden.

Im ersten Schritt des Projektes werden geeignete Fallstudien ausgewählt. Die Auswahl der Fallstudiengemeinden (Modellkommunen) erfolgt unter der Prämisse einer breiten Abdeckung unterschiedlicher örtlicher Wohnungsmarktlagen und methodischer Zugänge. Damit sollen die Identifikation spezifischer Probleme und die Übertragbarkeit von Lösungsansätzen erleichtert werden. Die Auswahl der Modellkommunen erfolgt differenziert nach unterschiedlichen

  • Marktsituationen am örtlichen Mietwohnungsmarkt,
  • Modellansätzen der Mietspiegelerstellung,
  • bisherigen Konzeptionen zur Erfassung der energetischen Qualität,
  • personellen und finanziellen Ressourcenausstattungen, die zur Mietspiegelerstellung eingesetzt werden können.

Insgesamt ist die Aufnahme von vier bis acht Modellkommunen in die Untersuchung geplant.

Im zweiten Schritt wird die Mietspiegelerstellung in den Modellkommunen Prozess begleitend untersucht. Das Erkenntnisinteresse des Projektes wird entlang folgender Forschungsleitfragen fokussiert:

  • Energetische Beurteilung: Wird die energetische Qualität hinreichend genau gemessen? Welche Verzerrungen können aus der Wahl eines bestimmten Messverfahrens erwachsen? Welche Messverfahren sind unter Praktikabilitätsgesichtspunkten geeignet? Welche Abwägung zwischen Genauigkeit und Praktikabilität wird im Einzelfall vorgenommen und warum?
  • Erhebungsmethodik: Welche methodischen Möglichkeiten zur Erhebung des energetischen Zustandes gibt es, und welche Effizienz (Nutzen – Aufwand) weisen diese auf? Welche personellen und finanziellen Ressourcen werden dafür benötigt? Lassen sich Vorteile aus Lerneffekten oder Skaleneffekten erkennen?
  • Modellierung und Interpretation: Welche Modellansätze werden zur Analyse des Preiseinflusses der energetischen Qualität gewählt? Wie wird der Preiseinfluss im Mietspiegel ausgewiesen?
  • Akteure: Wie positionieren sich verschiedene Akteure bei der Entscheidung über die gewählte Methodik? Wie können sie zur verstärkten Mitarbeit gewonnen werden? Welche fachlichen Qualifikationen sind für die Erstellung energetisch differenzierter Mietspiegel erforderlich? Welche Lerneffekte ergeben sich aus der Beteiligung am Forschungsprojekt?
  • Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt: Welche Effekte hat eine energetische Differenzierung in Mietspiegeln auf die lokale Mietentwicklung und auf die Investitionsbereitschaft im Gebäudebestand? Welche sozialen Folgen werden erwartet, und wie wird damit umgegangen? Wie wird der energetisch differenzierte Mietspiegel an die Betroffenen kommuniziert und gerechtfertigt?

Je nach Ausgangslage werden methodische Weiterentwicklungsmöglichkeiten erarbeitet und geeignete Vorgehensweisen im Konsens der beteiligten Interessengruppen weiterentwickelt. Im weiteren Projektfortschritt werden die Erfahrungen in einem Workshop unter den Modellkommunen ausgetauscht.

Ablauf
Projektbeginn: Oktober 2011
Die Auswahl und Gewinnung der Modellkommunen ist für das vierte Quartal 2011 geplant. Die Begleitforschung erfolgt in Abstimmung mit den Modellkommunen im ersten Quartal 2012 bis zum ersten Quartal 2013. Der Projektabschluss ist für Juni 2013 geplant.

Diese Seite