Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Die digitale Stadt gestalten: Eine Handreichung für Kommunen

Ergebnisse

Fallstudien

Für die Fallstudienanalyse wurden die Städte Aachen, Arnsberg, Mannheim und Ravensburg ausgewählt. Die vier Städte zeichnen sich durch umfangreiche Erfahrungen sowohl im Strategieprozess als auch bei der Durchführung digitaler Projekte aus.
Grundlegendes Kriterium für die Auswahl der Städte war das Vorliegen einer Digitalstrategie, die sich eng an den übergeordneten Stadtentwicklungszielen der Kommune orientiert. Der Erstellungsprozess, die inhaltlichen Schwerpunkte und der Umfang des Strategiepapiers wurden ebenfalls berücksichtigt. Berücksichtigt werden zudem Kommunen unterschiedlicher Größenklassen.

Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse zur digitalen Transformation in den vier Kommunen Aachen, Arnsberg, Mannheim und Ravensburg kurz vorgestellt.

Aachen

Die Digitalstrategie „Aachen digitalisiert!“ zeichnet sich durch eine ganzheitliche Auffassung digitaler Transformationsprozesse aus. Schwerpunkte der Strategie bilden die Themen Bildung, Daten, Mobilität, Digitalwirtschaft, Infrastruktur und eGovernment. Eine Besonderheit Aachens stellt die starke Vernetzung zwischen den ansässigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen und der Stadt Aachen dar. Die transdisziplinäre Kooperation führt zu einem stetigen Austausch und gemeinsamen Aktivitäten.

Die Digitalstrategie soll das Ziel der Stadt Aachen unterstützen, ein führender Standort der digitalen Entwicklung in Deutschland zu werden, um damit weiterhin für Unternehmen und Fachkräfte attraktiv zu bleiben. Die Digitalstrategie greift darüber hinaus auch Ziele, Ideen und Visionen aus anderen kommunalen Strategiepapieren auf und entwickelt diese hinsichtlich ihrer digitalen Potenziale weiter. Im Rahmen des Strategieprozesses wurde eine Roadmap entwickelt, die kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen und Projekte der Stadt priorisiert und verbindlich terminiert.

Aachen verfügt über eine Vielzahl innovativer Digitalisierungsprojekte, die zum Beispiel im Quartier Aachen-Nord umgesetzt werden. Hier betreibt der Verein „digitalHUB Aachen e.V.“ in einer ehemaligen Coworking Räume zur Vernetzung von Start Ups mit der lokalen Wirtschaft – die „digitalCHURCH“. Der gesamte Stadtteil wird als „Quartier 4.0“ entwickelt und durch Mittel der EU und des Bundes gefördert.

Der Blockchain-Verein „govchain-nrw.de“ arbeitet am Austausch und der Verifizierung von Daten. Die Blockchain-Technologie umfasst dabei vier mögliche Nutzungsbereiche für die kommunale Verwaltung. Dazu zählen die Validierung von Schankgenehmigungen, die Validierung sowie der Versand von Dokumenten zwischen den Behörden und die laufende Wegstreckenoptimierung von Müllfahrzeugen.

Arnsberg

Das Arnsberger Grünbuch zur digitalen Stadt war 2015 eine der ersten kommunalen Digitalstrategien in Deutschland. Hierdurch ergibt sich die besondere Möglichkeit, nicht nur die Hintergründe zum Erstellungsprozess, sondern auch mehrjährige Erfahrungen mit der Umsetzung der Strategie untersuchen zu können.

Arnsberg strebt mit der Digitalstrategie die Erreichung von Zielen an, die auch Bereiche der integrierten Stadtentwicklung tangieren – darunter Aspekte des demografischen Wandels, des Standortwettbewerbs und der Nachhaltigkeit. Im Vordergrund steht dabei die Frage nach dem konkreten Nutzen der Digitalisierung in Hinblick auf die Bewältigung lokaler Herausforderungen.

Die REGIONALE 2025, deren Mitausrichter Arnsberg ist, findet unter dem Slogan „digital – nachhaltig – authentisch“ statt. Mit den drei Handlungsfeldern „Raum“, „Gesellschaft“ und „Wirtschaft und Arbeit“ legt sie einen besonderen Fokus auf die Herausforderungen der Digitalisierung für ländliche Regionen.

Mannheim

Die Mannheimer Digitalstrategie steht in engem Zusammenhang zum „Leitbild Mannheim 2030“. Beide Dokumente wurden in einem parallelen Prozess erarbeitet und vom Stadtrat gemeinsam verabschiedet. Die Digitalstrategie bezieht sich explizit auf die Smart City Charta des Bundes und wird von einem umfangreichen Maßnahmenkatalog flankiert. Einige dieser Projekte weisen einen direkten Bezug zur räumlichen Stadtentwicklung auf. Dazu gehören beispielsweise die Bereiche „Smart Urban Mobility“ und „intelligente Parkraumbewirtschaftung“. Auch beim geplanten „Smart City Cockpit“, welches die verschiedenen Datenströme der Kommune bündeln und aufbereiten soll, ist mit räumlichen Wirkungen zu rechnen, etwa durch eine geänderte Verkehrslenkung.

Nachhaltigkeit im Sinne der „Sustainable Development Goals“ (SDG) bildet das zentrale Ziel der Mannheimer Stadtentwicklung und findet sich als grundlegendes Orientierungsmerkmal sowohl im Leitbild als auch in der Digitalstrategie wieder. Digitalisierung wird in diesem Sinne als eine Strategie zur ressourcenschonenden Zielerreichung angesehen.

Die Ausrichtung der Bundesgartenschau 2023 bietet einen besonderen Rahmen für Digitalisierungsvorhaben in Mannheim. Die Veranstaltung soll von verschiedenen digitalen Services begleitet werden: Geplant sind unter anderem ein zaunloses Gelände mit digitaler Zugangskontrolle, Augmented Reality-Führungen per Avatar, digital verfügbare Informationen zu Parks und Gärten sowie Spiel- und Bewegungsgeräte, die um digitale Angebote erweitert werden. Der dazu benötigte infrastrukturelle Ausbau kommt der Kommune im Anschluss auch für weitere Maßnahmen zugute. So ist für Besucherinnen und Besucher zukünftig eine digitale Lenkung zu touristisch relevanten Zielen vorgesehen.

Unter dem Label „Blue City Mannheim“ werden ehemalige Militärflächen zu einer „Ingenieursmeile“ umgewandelt und für eine Nutzung in den Bereichen Energie und Mobilität hergerichtet. Dazu gehören unter anderem ein „Masterplan Ladeinfrastruktur“ für die Versorgung der Stadt mit Stationen für E-Fahrzeuge und ein „Green Logistic Park“. In „living labs“ und „showrooms“ werden innovative Mobilitäts- und Quartierskonzepte präsentiert und getestet.

Ravensburg

Die Ravensburger Digitalstrategie „digital@rv“ ist eng mit dem Leitbild „Ravensburg 2030“ verknüpft. Sie leitet Herausforderungen, Zielkategorien und Handlungsfelder direkt aus dem Leitbild ab und vermeidet somit Zielkonflikte und Doppelungen von Projekten und Maßnahmen. Ziel war es, die Themen und Projekte aus dem Leitbild um digitale Aspekte zu erweitern oder deren Umsetzung digital zu unterstützen. Die Ravensburger Strategie hat sich zum Ziel gesetzt, die Voraussetzungen für eine nachhaltig digitale Stadt zu schaffen.

Im Rahmen einer intensiven Bürgerbeteiligung mit analogen und digitalen Methoden wurden mögliche Projekte sondiert. Zudem wurden in der Strategie drei digitale Kernziele definiert – „miteinander“, „zukunftsweisend“ und „nachhaltig“ – an denen sich alle Maßnahmen orientieren sollen.

Die Digitalstrategie benennt verschiedene Projekte und Vorhaben, die auch räumliche Effekte aufweisen. Dazu gehören unter anderem ein digitaler Stadtrundgang und ein digitales Stadtmodell zur Evaluierung städtebaulicher Projekte. Durch die Einführung des virtuellen Bauamtes sollen Partizipationsformate mit digitalen Planungswerkzeugen unterstützt und erweitert werden.

Handreichungen

Viele Kommunen haben Unterstützungsbedarf, die Leitlinien der Smart City Charta in konkretes Handeln zu integrieren und umzusetzen. Verwaltung und Politik in verschiedenen Kommunen sehen sich dabei häufig ähnlichen Fragen und Herausforderungen gegenüber. Die Handreichung dient daher als praxisnahe Orientierung. Sie spannt den Bogen zwischen dem normativen Rahmen der Smart City Charta und konkretem kommunalen Handeln.

Die Handreichung unterstützt Kommunen dabei, eigene Ziele zu definieren, geeignete Organisationsstrukturen und Strategieprozesse zu entwickeln und passgenaue Digitalprojekte auf den Weg zu bringen. Ferner hilft sie Kommunen, mögliche Risiken und negative Wirkungen, die im Zusammenhang mit der Smart City entstehen können, zu erfassen und zu umgehen.

Aufbau der Handreichungen: 1. Kompass mit Informationen zum Einstieg; 2. Umsetzungshilfen mit Hilfestellungen zur Erstellung einer Strategie und zur Umsetzung digitaler Projekte; 3. Wissensspeicher mit Glossar, Praxisbeispiele Aufbau der Handreichungen Aufbau der Handreichungen

Die Handreichung adressiert verschiedene Akteure in der kommunalen Verwaltung und Politik. Sie gliedert sich in drei Teile: einen Kompass für die Initiierenden von Smart-City-Vorhaben, Umsetzungshilfen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kommunalverwaltung und einen Wissensspeicher mit Erläuterungen zu den wichtigsten Begrifflichkeiten und Konzepten der Smart City.

Teil 1 | Kompass

Der Kompass richtet sich an Initiierende auf allen Ebenen, die in ihrer Kommune das Thema Smart City einbringen und vorantreiben möchten. Er erläutert kompakt die zentralen Aspekte einer Smart City und zeigt auf, welche Vorleistungen hilfreich sind, um das Themenfeld in der Kommunalverwaltung initiieren und gestalten zu können. Dazu gehören beispielsweise ein integrativer und querschnittsorientierter Smart-City-Ansatz, der Aufbau breiter Akteursnetzwerke in der Kommune oder neue Rollen und Positionen in der Verwaltungsstruktur. Zudem informiert der Kompass über die wichtigsten regulatorischen Rahmenbedingungen und reflektiert auch kritische Stimmen zum Konzept der Smart City.

Teil 2 | Umsetzungshilfen

Die Umsetzungshilfen richten sich an die ausführenden Stellen einer Verwaltung und begleitende Büros. Dazu gehören alle Verwaltungsmitarbeiter und -mitarbeiterinnen, die in ihrer täglichen Arbeit mit Aufgaben und Projekten aus dem Bereich der Smart City betraut sind. Die Umsetzungshilfen umfassen praktische Anwendungstipps und zeigen einen idealtypischen Smart-City-Prozess in neun Arbeitsschritten auf. Diese Arbeitsschritte gliedern sich dabei in zwei Zyklen, die nacheinander oder parallel durchgeführt werden können. Der erste Zyklus beschreibt die Arbeitsschritte hin zu der Entwicklung einer kommunalen Smart-City-Strategie, während der zweite die notwendigen Schritte zur Umsetzung digitaler Projekte aufzeigt. Die Smart-City-Strategie bildet dabei eine Schnittstelle, die bestehende Stadtentwicklungsziele der Kommune mit digitalen Projekten verknüpft.

Teil 3 | Wissensspeicher

Der Wissensspeicher dient dazu, die kommunalen Anstrengungen zur Smart City fachlich und konzeptionell zu untermauern. Er erläutert wichtige Begrifflichkeiten und Konzepte und stellt Beispiele aus der Praxis vor.

Darstellung der neun Arbeitsschritte zur Strategieentwicklung und Projektumsetzung Arbeitsschritte Ablauf der Arbeitsschritte in den Handreichungen

Feedback-Verfahren

Die erste Version der Handreichung wurde im Herbst 2020 fertiggestellt und durchläuft in den kommenden Monaten ein mehrstufiges Feedback-Verfahren in den Kommunen. In den Planungswerkstätten testen die teilnehmenden Kommunen Lüneburg, Wilhelmshaven, Fuchstal und Angermünde den Aufbau, die Ansprache sowie das Niveau und die Verständlichkeit der Inhalte.

Die Handreichung kann als Poster heruntergeladen werden:
Download (PDF, 2 MB, Datei ist barrierefrei/ barrierearm)

Expertisen

Eine interne Expertise mit dem Titel „Digitale Tools für die kollaborative Entwicklung von Smart City Strategien“ ist bereits 2020 erschienen. Die Expertise soll eine digitale Durchführung der Planwerkstätten unterstützen. Urban Catalyst hat sie angefertigt:

Digitale Tools für die kollaborative Entwicklung von Smart City Strategien

Informationen zu weiteren Expertisen folgen nach deren Fertigstellung.

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