Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Pilotphase Kleinstadtakademie (2019-2022)

Ausgangslage und Ziel

Deutschland ist mit über 2.100 Kleinstädten ein Land der Kleinstädte. In der Pilotphase der Kleinstadtakademie, welches Teil der Initiative Kleinstädte in Deutschland ist, werden einerseits innovative Vorhaben gefördert, die zu einer zukunftsfähigen Entwicklung von Kleinstädten in Deutschland beitragen. Andererseits soll die Verstetigung der Kleinstadtakademie ab 2023 vorbereitet werden. Die Kleinstadtakademie setzt dabei auf die Verbindung von lokalen und dezentralen sowie digitalen und mobilen Beratungs- und Vernetzungsangeboten zum Thema Stadtentwicklung mit einem besonderen Fokus auf die Bedarfe und Wünsche von Kleinstädten. Sie folgt dem Motto „von Kleinstädten, mit Kleinstädten, für Kleinstädte".

Ausgangslage

Kleinstädte in der Aufmerksamkeitslücke?
Lange wurden die Kleinstädte von Politik und Wissenschaft wenig wahrgenommen. Dies hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Mit verschiedenen Forschungsvorhaben und Förderprogrammen haben sich das BMI und BBSR verstärkt der Stadtentwicklung kleinerer Städte und Gemeinden zugewendet. Darauf aufbauend erfolgt mit der Pilotphase der Kleinstadtakademie eine vertiefende Forschung zur Unterstützung der zukünftigen Stadtentwicklung dieses besonderen Stadttyps.

Kleinstädte in Transformation
Wie andere Siedlungstypen stellen die gesamtgesellschaftlichen Transformationen auch die Kleinstädte vor neue Herausforderungen: Insbesondere der demografische Wandel, aber auch die Veränderung des globalen Klimas, Migration, Digitalisierung und der damit verbundene Strukturwandel für Einzelhandel und Gewerbe erfordern im kleinstädtischen Kontext weitreichende Anpassungen in der Stadtentwicklungspolitik. Vielerorts ergeben sich dabei lokale Potenziale zum Beispiel im Bereich der Wirtschaftsentwicklung (Hidden Champions), des Wohnens durch ein meist niedrigeres Mietniveau als in Großstädten oder der direkteren Partizipation an Stadtentwicklung vor Ort. Die lokalen Situationen sind unterschiedlich: Während Kleinstädte jenseits der Agglomerationsräume vor der Aufgabe stehen, Infrastrukturen aufrechtzuerhalten und den demografischen Wandel positiv zu gestalten, zeigt sich in Kleinstädten nahe der Großstädte oft der umgekehrte Trend. Angesichts starker Zuwanderung müssen sie auf den steigenden Bedarf nach Wohnraum sowie technischer und sozialer Infrastruktur reagieren.

Kleinstädte im Fokus – die Kleinstadtakademie
Die Kleinstadtakademie knüpft an die Bedarfe vor Ort an: als Entwicklung und Verstetigung von Unterstützungsleistungen zur Stabilisierung, Qualifizierung und Weiterentwicklung von Kleinstädten. Das Vorhaben reagiert damit auf die stetig wachsende Aufmerksamkeit in Politik, Wissenschaft und Verwaltung zu Herausforderungen sowie zur Bedeutung von Kleinstädten einerseits und den dringenden Bedarf an praxisnaher Forschung für und von Kleinstädten andererseits.

Kleinstädte in Forschung und Planungspraxis
Annahmen und Lösungskonzepte für Großstädte sind nicht einfach auf Kleinstädte übertragbar. Vor allem spielt die Beteiligung der Bevölkerung an der Stadtentwicklung auf Grund personeller und finanzieller Restriktionen eine große Rolle. Im Sinne einer "Kooperativen Kleinstadtentwicklung" kann die Stadtgesellschaft in hohem Maße zudem ihre Vorstellung von Lebensqualität und Stadt- wie Ortsteilgestaltung mitgestalten, mittragen und verwirklichen.

Kleinstädte und deren Akteure sollen in der Pilotphase der Kleinstadtakademie Raum gewinnen für neue Ideen und experimentelle Methoden und innovative, von Kleinstädten durchgeführte Formate,
abseits der üblichen Auftragsforschung. Dabei wird dem Grundgedanken gefolgt, dass urbane Transformation eine Kultur des Testens und Reflektierens vor dem Hintergrund lokaler Eigenlogiken voraussetzt.

Ziel 

Die Akademie bündelt vielfältige Angebote des Wissenstransfers, der Vernetzung und des Erfahrungsaustausches für Kleinstädte. Ein Leitgedanke hierfür ist: "Stadtentwicklung von Kleinstädten, mit Kleinstädten, für Kleinstädte".

Die Pilotphase Kleinstadtakademie verfolgt die Schwerpunktziele:

  1. Vernetzung und Austausch zwischen den Kommunen bewirken und fördern
  2. Instrumente, Methoden und Strategien für die Stadtentwicklung von Kleinstädten entwickeln
  3. Kleinstadtakademie institutionalisieren und einen neuen Typus der Kleinstadtforschung etablieren

Übergreifendes Ziel ist es, Handlungsempfehlungen zur Verstetigung der Kleinstadtakademie für Bundespolitik und -verwaltung zu formulieren.

Dazu sollen einerseits die Kleinstadtverbünde in Modellvorhaben möglichst viele Lösungs- und Handlungsansätze für eine zukunftsfeste Kleinstadtentwicklung erarbeiten. Andererseits sollen in der Pilotphase Arbeitsfelder, Methoden und Instrumente für die Institutionalisierung der Kleinstadtakademie ab 2023 abgeleitet werden.

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