Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Soziale Stadt- und Ortsentwicklung in ländlichen Räumen

Projektsteckbrief

  • Status Laufend
  • Start Januar 2019
  • Programm ExWoSt

Viele verbinden soziale Benachteiligung nur mit Großstädten und größeren Mittelstädten. Im ländlichen Raum dominierten die öffentliche Diskussion bislang der ökonomische Strukturwandel und die schrumpfende Bevölkerung. Aber auch im ländlichen Raum gibt es soziale Benachteiligung. Die oberen und unteren Einkommensgruppen nehmen zu, was auf eine wachsende Polarisierung hindeutet. Das Projektteam untersucht die aktuelle Situation sozial und wirtschaftlich benachteiligter Bevölkerungsgruppen in ländlichen Räumen in Bezug auf Relevanz, räumliche Verteilung sowie typischen Problem- und Bedarfslagen. Außerdem werden Treiber der zukünftigen Entwicklung abgeleitet und Unterschiede zu städtischen Ballungsräumen aufgezeigt. Ergebnis sind Empfehlungen zur Weiterentwicklung der stadtentwicklungspolitischen Instrumentarien.

Projektstart: Januar 2019

Ausgangslage

Die wirtschaftlichen und politischen Restrukturierungsprozesse stellen seit Mitte der 1980er-Jahre (nicht nur) die Bevölkerung Deutschlands vor große Herausforderungen. Steigende Qualifizierungsanforderungen auf dem Arbeitsmarkt, die Ausweitung des Niedriglohnsektors und eine bislang unzureichend gelingende Integration verstärken die Spaltungstendenzen der Gesellschaft in Bezug auf Einkommen, Arbeitsmarktzugang und Beschäftigung, Konsummuster und Lebensstile. Diese Entwicklungen finden auch ihren räumlichen Niederschlag in der Entstehung von benachteiligten Quartieren mit hoher Konzentration von Bewohnern in prekären Lebensverhältnissen. Demografische, wirtschaftliche und soziale Erosionserscheinungen führen vor allem in vielen ländlichen Kleinstädten zu Funktions- und schleichenden Bedeutungsverlusten. Die Armutsquote im ländlichen Raum liegt mit 16,6 Prozent leicht höher als in städtischen Regionen (14,9 Prozent).

Gerade heute kämpfen kleinere und mittlere Städte und Gemeinden in dünn besiedelten, ländlichen Räumen mit rückläufigen Geburtenraten, zunehmenden Wanderungsverlusten vor allem junger Menschen und in der Folge steigenden Anteilen der älteren Bevölkerung. Fehlende Ausbildungs- und Arbeitsplätze einerseits aber auch fehlende Fachkräfte in den langfristig schrumpfenden kleineren Städten und Gemeinden andererseits schwächen die lokale wirtschaftliche Basis dieser Gebiete. Angesichts schrumpfender Handlungsmöglichkeiten wird es für diese Kommunen immer schwieriger, eine dauerhafte und bedarfsgerechte Daseinsvorsorge sicherzustellen. Andererseits führt gegenwärtig die Verfügbarkeit preiswerten Wohnraums in Städten der ländlichen Regionen partiell zu einem Zuzug von Bevölkerungsgruppen mit geringem Einkommen (z. B. geflüchteter Menschen oder Armutszuwanderung). Die Strukturschwäche kann zu einem selbstverstärkenden Effekt führen.

Kleinere Mittelstädte, Kleinstädte und ländliche Gemeinden sind aber nicht grundsätzlich benachteiligt, sondern es gibt eine große Bandbreite unterschiedlicher Typen. Diese reicht von weitgehend stabilen Kleinstädten mit hohen Potenzialen über Kleinstädte mit Handlungsbedarf aber gleichzeitig auch nennenswerten Chancen bis hin zu solchen Städten und Gemeinden, deren Schrumpfungsprozess sich zukünftig kaum aufhalten lässt.

In der öffentlichen Diskussion um das Lebensumfeld und die Lebensbedingungen von sozial und wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerungsgruppen stehen häufig Großstädte und größere Mittelstädte im Fokus. Über soziale und wirtschaftliche Benachteiligung in kleineren Mittelstädten, Kleinstädten oder ländlichen Gemeinden ist in Bezug auf unterschiedliche Bedarfe auf staatliche Unterstützung und/oder finanzielle Förderung weniger bekannt. Bislang gibt es auch noch keine systematische Erfassung von segregierten Wohnbereichen im ländlichen Raum und deren Entwicklungsdynamiken.

Ziel

Die Studie „Soziale Stadt- und Ortsentwicklung in ländlichen Räumen“ analysiert daher die Lebensbedingungen von sozial und wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerungsgruppen sowie deren räumlichen Niederschlag in unterschiedlichen ländlichen Räumen. Im Ergebnis werden für Landgemeinden, Kleinstädte und kleinere Mittelstädte in ländlichen Räumen Erkenntnisse über Bedarfe und Strategien erwartet, die sich einerseits aus den prognostizierten demografischen, wirtschaftlichen und technischen Trends, aber auch aus politischen Vorgaben wie zum Beispiel der Integration ergeben. Bei der Untersuchung stehen wohnungs- und stadtentwicklungspolitische Aspekte im Fokus. Im Ergebnis werden Empfehlungen zur Weiterentwicklung der stadtentwicklungspolitischen Instrumentarien gewonnen.

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