Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Neue Arbeitsformen durch die Nutzung digitaler Infrastruktur (Coworking)

Zwischenergebnisse

Im Rahmen des Leistungsbausteins 2 erfolgte eine bundesweite Erfassung aller Coworking-Spaces. Die Erfassung basiert auf verschiedenen Recherchepfaden:

  • Auswertung von Publikationen zu Coworking-Spaces und weiteren Flexible Workspaces
  • Auswertung der Standorte größerer Anbieter von Coworking-Spaces (WeWork, Regus etc.)
  • Auswertung von zwei bundesweiten Datenbanken, in denen Coworking-Spaces gelistet sind (coworkingguide.de, coworking-spaces.info )
  • Automatisierte Suchmaschinen-Anfrage im Internet

Zum Stand 25.08.2021 konnte das Projektteam bundesweit 1.057 Coworking-Spaces ermitteln. Die recherchierten Coworking-Spaces wurden anhand verschiedener Merkmale beschrieben und in einer Datenbank gespeichert.

Anhand der Merkmale wurden verschiedene Auswertungen z. B. zur Häufigkeit und der räumlichen Verteilung der Coworking-Spaces durchgeführt. Mit Hilfe der Geocodierung der recherchierten Adressdaten ließen sich verschiedene Verknüpfungen zu gängigen Raumkategorien (z. B. Groß-, Mittel, Kleinstadt) und -typisierungen des BBSR und des BMVI durchführen.Ziel war es, die räumliche Verbreitung von Coworking-Spaces darzustellen und verschiedene Verteilungsmuster aufzuzeigen.

Bei den folgenden Ergebnissen handelt es sich um einen Zwischenstand, da die Internetrecherche noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Dadurch ergeben sich bei der Auswertung im Projektverlauf noch Veränderungen.

Bundesweite Ergebnisse zu Coworking-Space-Typen und -Betreibern

Die nachfolgende Grafik zeigt die Verteilung der recherchierten Typen „Coworking-Space“ und „Hybrid Space“. Beide Typen sind aufgrund ihrer Nutzungskonzepte grundsätzlich geeignet, Coworking, also die Kollaboration zwischen den Nutzerinnen und Nutzern, zu befördern.

Eine saubere definitorische Trennung zwischen den Typen hat sich in der Recherchepraxis als schwierig erwiesen. Für die Unterscheidung der beiden Typen wurde daher ein pragmatischer Ansatz gewählt: Coworking-Spaces bieten ausschließlich flexible Arbeitsplätze und temporär anmietbare Büros an; Hybrid Spaces bieten neben den flexiblen Arbeitsplätzen und Büros auch dauerhaft anmietbare Büros für Unternehmen und Selbstständige an.

Im Ergebnis zeigt sich, dass Hybrid Spaces häufiger zu finden sind als „reine“ Coworking-Spaces. Es zeigt sich auch, dass zahlreiche Anbieter gar keine Trennung zwischen Coworking-Space und Hybrid Space vornehmen – hierzu wird auf den Internetseiten der Betreiber demnach keine Aussage getroffen.

Die Tatsache, dass mehr Hybrid Spaces als reine Coworking-Spaces zu finden sind (s. o.), deutet darauf hin, dass vermehrt eine Nachfrage nach festen Büroflächen in Kombination mit flexiblen Arbeitsplätzen nachgefragt werden. Das Ergebnis bestätigt damit andere Untersuchungen, die in dem Hybridmodell das dominierende Nutzungskonzept sehen.

Coworking-Spaces sind nach wir vor ein Nutzungskonzept, das vor allem in Großstädten angeboten wird. Deutlich seltener finden sich Coworking-Spaces in Mittelstädten und größeren Kleinstädten. Lediglich drei Prozent der Coworking-Spaces liegen in Landgemeinden.

Dieser Befund entspricht den Erwartungen, weil die Nachfrage nach Coworking vor allem in den Großstädten erfolgt. Zum einen durch die Freelancer und Selbstständigen, aber in jüngerer Zeit auch vermehrt durch die Angestellten, die regelmäßig Coworking-Spaces nutzen.

Vertiefende Untersuchung zu Coworking-Betreibern

Im Rahmen der bundesweiten Recherche der Coworking-Spaces ermittelte das Projektteam auch den Betreibertyp und unterschied sie wie folgt:

  • großer Coworking-Betreiber (Betrieb von vier Standorten und mehr)
  • kleiner Coworking-Betreiber (Betrieb von bis zu drei Standorten)
  • anderes Gewerbe und Coworking (z. B. Hotel/Café und Coworking, Kreativwirtschaft und Coworking)
  • Genossenschaft/Verein/selbstorganisiert
  • öffentlicher Betrieb (z. B. durch eine kommunale Tochtergesellschaft)

Die nachfolgende Grafik zeigt die Häufigkeit der Betreibertypen. Es zeigt sich, dass große Coworking-Betreiber bzw. -Ketten inzwischen die meisten Coworking-Spaces unterhalten.

Relativ häufig kommt auch die Kombination von einem Coworking-Space mit einem anderen Gewerbe vor. Dabei zeichnen sich zwei Muster ab: Zum einen bieten Gewerbetreibende (z. B. aus der Kreativwirtschaft) Coworking-Spaces als „zweites Standbein“ an – der Coworking-Space dient also als zusätzliche Einnahmequelle. Zum anderen bieten z. B. Hotels oder Cafés zusätzlich Coworking-Flächen an, um eine höhere Frequenz für die eigentliche Immobiliennutzung zu erzeugen (Stichwort „Workation“). Auf kleinere Coworking-Betreiber, die bis zu drei Standorte unterhalten, verteilen sich neun Prozent der Coworking-Spaces. Im öffentlichen Betrieb liegen vier Prozent und als Genossenschaft bzw. Verein und selbstorgansiert sind drei Prozent der Coworking-Spaces.

Hinsichtlich der Betriebstypen lassen sich weitere interessante Auswertungen durchführen. So zeigt sich, dass die großen und kleinen Coworking-Betreiber deutlich häufiger Hybrid Spaces unterhalten. Es ist anzunehmen, dass Hybrid Spaces eine breitere Zielgruppe ansprechen, da das Nutzungskonzept auch die dauerhafte Anmietung von Büroflächen durch ein Unternehmen erlaubt. Daher überrascht es nicht, dass die vermutlich eher renditeorientiert agierenden Coworking-Betreiber verstärkt dieses Nutzungskonzept umsetzen. Die Genossenschaften, Vereine und selbstorganisierten Spaces, aber auch die öffentlichen Betreiber unterhalten hingegen häufiger „reine“ Coworking-Spaces.

Ein weiterer interessanter Zusammenhang lässt sich zwischen der Stadtgröße und dem Betreibertyp feststellen. Große und kleine Coworking-Betreiber halten ihre Angebote vor allem in Groß- und Mittelstädten und viel seltener in Kleinstädten und Landgemeinden vor. Auch hier liegt der Grund vermutlich in der potenziell größeren Zielgruppe bzw. der höheren Nachfrage in den Groß- und Mittelstädten. Öffentlich betriebene Coworking-Spaces und solche, die durch Genossenschaften und Vereine organisiert werden, finden sich zwar auch vor allem in Groß- und Mittelstädten. Hier steigt allerdings der Anteil der Coworking-Spaces, die in Kleinstädten und Landgemeinden liegen.

Mutmaßlich ist dies darauf zurückzuführen, dass Coworking-Spaces in den kleinstädtischen und ländlichen Kommunen durch öffentliche Betreiber als Instrument der Wirtschaftsförderung eingesetzt werden. Zum anderen ist denkbar, dass hier die Coworking-Spaces aus weniger kommerziell orientierten Motiven gegründet werden. Das würde den relativ gesehen höheren Anteil der Genossenschaften, Vereine und selbstorganisierten Coworking-Spaces erklären.

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