Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Assoziiertes Modellvorhaben Arbeitsgemeinschaft Siedlungsentwicklung des Großraumes München

Innovative Projekte zur Regionalentwicklung - Nachhaltige Siedlungsstruktur

Die Gemeinde Haar im assoziierten Modellvorhaben des Großraumes München verfolgte eine Strategie, die berücksichtigt, dass die Standortqualitäten langfristig nur zu erhalten sind, wenn auch die besonderen Standortqualitäten erhalten und entwickelt werden, die wesentlich durch Wohnumfeld und Freiraum geprägt sind.

Das Forschungsfeld hat 2003 zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft Siedlungsentwicklung im Großraum München geführt und zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Thema "Fläche" beigetragen. Als assoziiertes Modellvorhaben ohne finanzielle Zuschüsse musste ein anderes Vorgehen und ein anderes Arbeitstempo gewählt werden als bei den bezuschussten Modellvorhaben. Daher kann kein "Abschlussbericht" im klassischen Sinne präsentiert, sondern lediglich darstellt werden, was bis Mitte 2007 erreicht wurde und was noch in Angriff zu nehmen ist.

Als wichtigste Arbeitsergebnisse, die auch in anderen Räumen Lösungsansätze bieten könnten, können genannt werden:

  • Aufbau eines Flächenmonitorings in allen Mitgliedskommunen der Arbeitsgemeinschaft. Zum Basisjahr 2004 wurde von dem gemeinsam finanzierten Auftragnehmer Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München ohne aufwändige GIS-Lösung eine Exceltabellen gestützte Grundlage geschaffen, um die Flächenentwicklung jährlich mit festgelegten Indikatoren zu verfolgen. Dabei wird kein Benchmarking durchgeführt, wohl aber allen lokalen Entscheidungsträgern eindeutig vor Augen geführt, wie sich die Flächenbilanzen entwickeln. Es wird versucht, auf Grundlage dieses Ansatzes ein Flächenmonitoring für die ganze Region München einzuführen.
  • Die von der Arbeitsgemeinschaft Siedlungsentwicklung festgelegten Grundsätze für Nachhaltige Siedlungsentwicklung haben Berücksichtigung in der Bauleitplanung mehrerer Mitgliedskommunen gefunden. Damit konnten regionalplanerisch günstigere Siedlungsentwicklungen erreicht und Fehlallokationen beispielsweise von Einzelhandelsgroßprojekten verhindert werden.
  • Die Arbeitsgemeinschaft hat das durch starke interkommunale Konkurrenzen gekennzeichnete Problemthema "Einzelhandel" vertieft aufgegriffen. Neben der Diskussion der Ergebnisse eines vom Regionalen Planungsverband München beauftragten Regionalen Einzelhandelskonzepts und ihrer Anwendbarkeit wurde die vom Freistaat Bayern initiierte Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramms Bayern (LEP) genutzt, um sich zum Thema "Einzelhandel" gemeinsam zu äußern.

So fand auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft ein Treffen mit den Spitzenvertretern der zuständigen Bayerischen Ministerien für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie sowie des Inneren (Oberste Baubehörde) statt. Dabei stellten die in der Arbeitsgemeinschaft vertretenen Bürgermeister gemeinsam mit der Münchner Stadtbaurätin die ihrer Meinung nach erforderlichen Weichenstellungen für im LEP zu verankernde Regelungen dar, die zu einer raumverträglichen Versorgungsstruktur führen. Nur das geschlossene Auftreten der Arbeitsgemeinschaft hat diesen Gedankenaustausch mit den Ministerien ermöglicht.

Anderer Modellvorhaben des MORO-Forschungsfeldes konnten interessante, wenn auch nicht immer übertragbare Lösungsansätze aufzeigen. Insbesondere die Aktivitäten des Verbands Region Stuttgart waren wegen der ähnlichen Grundproblematik lehrreich: Eine Vielzahl von Kommunen in der Region muss für Themenbereiche wie überörtliches Flächenmanagement, Innenentwicklung und Ursachen der Verkehrszunahme sensibilisiert werden. Dies kann nur durch sachgerechte Informationen und Diskussionen vor Ort erreicht werden.

Die Vereinbarungen zwischen den Kommunen im Modellvorhaben des Lebens- und Wirtschaftsraumes Rendsburg waren Vorbild: Je Wohneinheit, die auf einer sog. Entwicklungsfläche im Rahmen der gemeinsamen Flächenentwicklung und -abstimmung errichtet wird, werden einmalig 2.500 Euro an einen gemeinsamen Strukturfonds entrichtet. Dieses Beispiel zeigt, dass bestehende Gesprächs- und Kooperationsstrukturen noch deutlich ausgebaut werden müssen, um die Egoismen der bisher auf Planungshoheit pochenden Kommunen in der Region zu überwinden.

Insgesamt war die Aufnahme in die MORO-Familie für die "Arbeitsgemeinschaft Siedlungsentwicklung des Großraums München" eine wertvolle Unterstützung. Der dadurch erreichte Status hatte vor allem folgende positive Effekte:

  • Durch die Teilnahme an den Werkstätten und Fachtagungen wurden bundesweite best practices bekannt, die den Erfahrungshorizont beträchtlich erweitert und fruchtbare Diskussionen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft angeregt haben.
  • Der Status "Assoziiertes Modellvorhaben" hat die Arbeitsgemeinschaft intern wie extern gestärkt: Alle beteiligten Bürgermeister konnten ihre Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft gegenüber den Stadt- und Gemeinderäten durch den Verweis auf die renommierten Modellvorhaben leichter rechtfertigen. Ferner konnte bei Veröffentlichungen das Interesse der Pressevertreter und Leser gesteigert werden.
  • Durch die Präsentation der Arbeitsgemeinschaft in den MORO-Informationen 1/2 war es möglich, den regionalen Akteuren auch der weiteren Umlandkommunen eine repräsentative Veröffentlichung zum Thema "Nachhaltige Siedlungsflächenentwicklung" zur Verfügung zu stellen und Interesse für die Fragestellung zu wecken.

Am 25. Juli 2006 vereinbarte die Arbeitsgemeinschaft Siedlungsentwicklung im Großraum München, ihre Arbeit über das offizielle Ende des MORO-Forschungsfeldes hinaus fortzuführen. Es bestand Konsens, dass es weiterhin viele überörtliche, flächenrelevante Fragestellungen bei der Siedlungsentwicklung gibt, die ein gemeinsames Forum brauchen, um sie auf freiwilliger Basis zu bearbeiten. Neben dem Wunsch, auf Bundesebene den MORO-Erfahrungsaustausch "aus der Praxis für die Praxis" fortzusetzen, wurden als künftig zu bearbeitende Themen im Großraum München vereinbart:

  • Regionale Bevölkerungsprognose und Konsequenzen für die Flächenpolitik in Kernstadt und Umland
  • Vorstellung der Ergebnisse des 2006 abgeschlossenen ExWoSt-Forschungsfeldes "Fläche im Kreis" mit Prüfung der Übertragbarkeit
  • Diskussion gemeinsamer Konsequenzen aus dem Flächenmonitoring und Vorstellung weiterer best practices zum Flächenmanagement aus dem Großraum München
  • Vorstellung der Ergebnisse des MORO "Nachhaltiges regionales Siedlungsflächenmanagement" der Region Stuttgart mit Prüfung der Übertragbarkeit
  • Beratung der Bürgermeister und Bauamtsleiter durch die Technische Universität München und den Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München hinsichtlich der Erfordernisse einer Nachhaltigen Siedlungsentwicklung und Standortqualitätenprüfung

Projektträger des Modellvorhabens war das Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München. Ansprechpartner im BBR war Klaus Einig.

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