Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Umsetzung der Territorialen Agenda der Europäischen Union: Modelllösungen zur Einbeziehung der Wirtschaft

Ergebnisse

In der Phase der Kontaktaufnahme mit potentiellen Modellregionen fanden über einen Zeitraum von 6 Monaten intensive Gespräche mit möglichen Akteuren aus Wirtschaft und Verwaltung statt, um Ansätze und Einstiege für durchzuführende Workshops zu identifizieren. Dabei wurde deutlich, dass die Thematik "Kooperation Wirtschaft und Verwaltung" hochaktuell ist und die angesprochenen Regionen entweder Erfahrungswerte oder Interesse zeigten. Hingegen zeigten sich bei der Operationalisierung des Modellvorhabens in konstruktive Workshops immer wiederkehrende Handlungsbarrieren, die zusammenfassend die folgenden Kennzeichen aufwiesen:

  • Insgesamt waren die genauen Inhalte der "Territorialen Agenda" sowie der "Charta Wirtschaft und Raum" wenig präsent, sogar die Existenz dieser Dokumente war für einige Akteure eine Neuinformation.
  • Daraus folgte, dass der erkennbare Mehrwert des Ansatzes auf Basis der "Charta Wirtschaft und Raum" im Vergleich zu bisherigen Kooperationsmodellen für die Akteure schwer erkennbar war. Aus diesem Grund bestand Skepsis, ob sich genügend Schlüsselteilnehmer für einen echten Dialog zusammenstellen lassen.
  • Ebenso folgte daraus, dass das Thema "neue Kooperationsmodelle" sowie die Inhalte der Charta und der Territorialen Agenda als sehr abstrakt wahrgenommen wurden und konkrete Beispiele meist vom Auftraggeber angeregt werden mussten, um Zusammenhänge klarer zu machen.

Die beschriebene Skepsis kann nicht mit Desinteresse gleichgesetzt werden, da die angesprochenen Regionen sich ausnahmslos für die Thematik interessierten und auch zum Teil selbst konkrete Kooperationsschritte eingeleitet hatten, ohne sich des Bezugs zur Territorialen Agenda oder Charta bewusst zu sein.

Mit Ausnahme des Landkreises Starnberg war es vor diesem Hintergrund nicht möglich, die kontaktierten Regionen für eine Teilnahme an dem Projekt zu gewinnen. Das erste Ergebnis des Projektes war demnach, dass bereits bei der Einbindung regionaler Akteure in einen territorialen Dialog ein erheblicher Kommunikationsbedarf besteht. Die Initiierung eines territorialen Dialogs erfordert intensive Vorarbeiten und eine enge Betreuung.

Entgegen der ursprünglichen Konzeption entschied man sich im Laufe des Projektes daher, nur mit einer Partnerregion - der Region Starnberg - zusammenzuarbeiten, um hier einen vertieften territorialen Dialog einzuleiten.

Die Umstellung des Konzepts auf die Zusammenarbeit mit nur einer Partnerregion hatte den Vorteil, dass in der Partnerregion im Vergleich zum ursprünglichen Konzept eine vertiefte Beschäftigung der lokalen Akteure mit der Thematik erreicht werden konnte.

Im Landkreis Starnberg wurden im Rahmen von zwei Workshops am 28.04. und 07.10.2009 die Vorschläge zur modellhaften Erprobung des in der "Charta Wirtschaft und Raum" enthaltenen Aufrufs zum Territorialen Dialog mit Vertretern von Verwaltung und Unternehmen diskutiert. Von Seiten der öffentlichen Hand waren sowohl Vertreter von Kommunen, vom Landkreis als auch vom regionalen Planungsverband und der Regierung von Oberbayern beteiligt.

Im Verlauf des Projektes zeigte sich, dass sowohl die Vertreter der Unternehmen als auch jene der Verwaltung das Thema "Kommunikation" als entscheidend für eine Verbesserung der Kooperation von Unternehmen und Regionen erachteten. Es wurde festgestellt, dass vielerorts die gegenseitige Erreichbarkeit nur eingeschränkt möglich ist und in etlichen Regionen ein Informationsaustausch zwischen Verwaltung und Unternehmen häufig nur aufgrund des persönlichen Engagements einzelner Akteure stattfindet. Dagegen fehlt es oft an festen Strukturen, innerhalb derer die Bereitstellung und die Vermittlung von Informationen stattfinden könnte.

Von Seiten der Unternehmen wurde insbesondere der Wunsch geäußert, dass die Verwaltungen mehr verlässliche Informationen über die Regionen bereitstellen sollten. So sollte vor allem frühzeitig über geplante Maßnahmen informiert werden, die Einfluss auf die räumliche Entwicklung der Regionen haben. Dies wurde als eine wichtige Vorraussetzung dafür erachtet, langfristige Investitionsentscheidungen zu treffen und so die Grundlage für ein dauerhaftes Engagement innerhalb einer Region zu schaffen.

Umgekehrt wurde von Seiten der Verwaltung ebenfalls angeregt, dass Unternehmen die Regionen ebenfalls frühzeitig über ihrerseits anstehende Investitionsentscheidungen und Planungen unterrichten sollten, die Auswirkungen auf das Gebiet dieser Region haben könnten.

Hierauf aufbauend wurden Vorschläge für eine Erprobung neuer Kommunikationsplattformen ausgearbeitet. Angeregt wurde ein Forschungsvorhaben zur Ermittlung von Best-Practice-Kriterien für die organisatorische Bereitstellung und Vermittlung von Informationen. Hierbei sollte insbesondere die Funktionsweise und Organisation von One-Stop-Agencies (bzw. "einheitliche Ansprechpartner" im Sinne der EU-Dienstleistungsrichtlinie) berücksichtigt werden.

Ferner wurde das Modell einer kooperativen Erarbeitung von regionalen Images und Leitbildern durch Unternehmen und Regionen vorgeschlagen. Das regionale Leitbild sollte sich dabei aus dem territorialen Kapital der jeweiligen Region ableiten, um so die im Vergleich der Regionen bestehenden Stärken einer Region weiter zu schärfen und nach außen darzustellen. Bestandteil dieses Modells ist außerdem die gemeinsame Analyse von Schwächen sowie die Entwicklung von Zielen, die die Schwächen einer Region mildern bzw. überwinden.

Darüber hinaus wurde der Vorschlag unterbreitet, eine engere Kooperation von Unternehmen und Verwaltungen im Rahmen eines konkreten Projektes praktisch zu erproben, wofür sich eine modellhafte Erprobung der Kooperationen beim Ausbau und Betrieb von Einrichtungen der sozialen Infrastruktur (Kitas, Schulen, Altenbetreuungseinrichtungen etc.) anbietet. Gleichzeitig wurde angeregt, im Rahmen eines Forschungsprojektes Best-Practice-Kriterien für die Durchführung derartiger Kooperationsprojekte darzustellen.

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