Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Regionalentwicklung und Hochwasserschutz in Flussgebieten

Ergebnisse


1. Auswertung der Raumordnungspläne auf regionaler und Länderebene

Analyse von Raumordnungsplänen: Flusshochwasser

Im Fokus des MORO stand zunächst die Auswertung von Raumordnungsplänen im Einzugsgebiet der Elbe als zweitgrößter Fluss Deutschlands. Mit Blick auf einen möglichen Bundesraumordnungsplan Hochwasser (BRPH, § 17 Abs. 2 ROG) und dessen potenzielle Regelungsbereiche weitete das Projektteam die Analysearbeiten auf weitere Flusseinzugsgebiete aus. Dazu wertete es die Raumordnungspläne auf Landesebene sowie ausgewählte Regionalpläne in den deutschen Teilen der Flussgebietseinheiten Oder, Donau, Rhein/Maas, Weser und Ems aus.

Festzustellen ist, dass die MKRO-Handlungsschwerpunkte zum Flusshochwasser überwiegend in den textlichen Festlegungen der untersuchten Landesraumordnungspläne behandelt werden. Die Hälfte der Landesraumordnungspläne trifft zudem kartografische Aussagen zu einzelnen Handlungsschwerpunkten; etwa ein Drittel weist Vorrang-/Vorbehaltsgebiete aus. Deutliche Unterschiede gibt es beim Regelungsumfang: Die Inhalte der fünf MKRO-Handlungsschwerpunkte greifen die meisten Landesraumordnungspläne auf, wenn auch teilweise zusammenfassend in einem oder wenigen Zielen/Grundsätzen. Ausnahmen sind hier zum Beispiel das Saarland und Bayern. Teils setzen die Landesraumordnungspläne ausschließlich Grundsätze (Thüringen, Bayern) oder Ziele (Saarland) ein; die meisten Landesraumordnungspläne kombinieren Ziele und Grundsätze. Eine ergänzende und ausführlichere inhaltliche Auseinandersetzung erfolgt zumeist in den Begründungsteilen der Pläne. Einige (neuere) Raumordnungspläne widmen sich vertieft und ausführlich dem Thema Hochwasservorsorge und den damit verbundenen relevanten Aspekten, beispielsweise die Landesraumordnungspläne aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Ein Regelungsfokus der Landesebene liegt auf dem MKRO-Handlungsschwerpunkt I "Sicherung vorhandener Überschwemmungsbereiche als Retentionsraum". Hierzu treffen alle Landesraumordnungspläne Aussagen; viele legen weitreichende textliche sowie teilweise räumliche Inhalte fest und verbinden diese mit Aufträgen an die Regionalplanung. Jedoch erfolgt nur in wenigen Plänen eine Differenzierung der Schutzziele in Bezug auf die Gefährdung oder auch die Empfindlichkeit der Schutzgüter gegenüber Binnenhochwasser.

Hochwasservorsorge wird in der Regel als eigenes Themenfeld bearbeitet, zudem oftmals in den Kontext von Freiraumschutz (Beispiel Berlin-Brandenburg), Natur- und Landschafts- sowie Gewässerschutz (Beispiel Rheinland-Pfalz) eingebettet. Allerdings erschließt sich das vielfach erst/nur in den Begründungen. Die Öffnung von Vorrang- oder Vorbehaltsgebieten zur Hochwasservorsorge für weitere Nutzungen und Zwischennutzungen, die Rücknahme nicht realisierter Bauflächen in Überschwemmungsbereichen oder die Überlagerung von Vorrängen kommen vereinzelt zur Sprache. Den Klimawandel thematisieren erst die neueren Pläne, ohne dass sich hieraus ein konkreter Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels ableiten lässt. Wenige Pläne behandeln ausführlicher die grenz- und sektorenübergreifende Koordination der Aufgaben zur Hochwasservorsorge.

Die Auswertung der Raumordnungspläne auf Landesebene bekräftigt, wie wichtig der Hochwasserschutz auf der übergeordneten Planungsebene ist. Der vorbeugende Hochwasserschutz hat Eingang in die Pläne und Programme gefunden und ist somit ein wichtiger Aspekt bei der zukünftigen Entwicklung der Länder. Dies gilt insbesondere für die "neue Generation" der Landesraumordnungspläne, die nach den großen Hochwasserkatastrophen in den 2000er-Jahren aufgelegt oder fortgeschrieben wurden, wie zum Beispiel die Landesentwicklungspläne von Nordrhein-Westfalen oder Hessen (Entwurf). Jedoch bieten alle Pläne – mehr oder weniger – Ansatzpunkte für eine Nachsteuerung hinsichtlich der Ziele und Grundsätze; der Hochwasserschutz in der Raumordnung muss gerade mit Blick auf den Klimawandel und potenzielle Hochwasserereignisse noch stärker auf die planerische Agenda gesetzt werden.

Einen länderübergreifenden Blick auf die Flusseinzugsgebiete, der sich in abgestimmten raumordnerischen Festlegungen widerspiegelt, gibt es aber bislang noch nicht. Eine systematische "Bearbeitung" des Themas über die beiden großen Akteure Wasserwirtschaft – vor allem über die Instrumente des Hochwasserrisikomanagements – und Raumordnung ist bis dato nicht zu erkennen. Auf eine stärkere Verknüpfung sollte in Zukunft hingewirkt werden, um potenzielle Schäden durch Hochwasser zu minimieren oder gar auszuschließen.

Vergleichbar zur Landesebene finden sich in den ausgewerteten Regionalplänen eine große Vielfalt sowie deutliche Unterschiede beim Regelungsumfang der textlichen und räumlichen Festlegungen zum vorbeugenden Hochwasserschutz in Flussgebieten. Gründe liegen unter anderem in den landesspezifischen rechtlichen Vorgaben, den unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den betreffenden Flusseinzugsgebieten oder dem Inkrafttreten der Pläne. Der Großteil der analysierten Pläne (mit 32 Planwerken mehr als ein Drittel) ist zwischen 2010 und 2015 in Kraft getreten. Dennoch wird ein enormes Anpassungspotenzial der Planinhalte in Bezug auf die Hochwasservorsorge gesehen, zumal zahlreiche Pläne vor 2002 in Kraft traten.

Ein Regelungsschwerpunkt auf regionaler Ebene liegt, wie auch auf Landesebene, auf dem Handlungsschwerpunkt "Sicherung vorhandener Überschwemmungsbereiche als Retentionsraum". Von den über die MKRO-Handlungsschwerpunkte hinausgehenden Handlungsoptionen "Siedlungsrückzug" und "Lastenausgleich" wird nur ersterer aufgegriffen – und das auch nur in drei von 90 ausgewerteten Regionalplänen.

Neben der Anzahl behandelter Handlungsschwerpunkte in den Plänen lassen sich auch Aussagen über "innovative" oder weitreichende Plansätze treffen. Von 90 ausgewerteten Plänen enthalten 30 mindestens einen Plansatz, der als "innovativ" oder weitreichend betrachtet werden kann. Einige Regionen sind damit deutlich über den in der Planungspraxis üblichen Regelungsumfang hinausgegangen. Sie übernehmen eine Vorbildfunktion für einen zukunftsfähigen Umgang mit der Hochwasservorsorge in der Raumordnung. Gerade die Analyse innovativer und weitreichender Plansätze war im Projekt ein wichtiger Ausgangspunkt, um Handlungsempfehlungen für das Handbuch zu formulieren.

Aus der Plananalyse der tschechischen Regionalpläne geht hervor, dass diese der Sicherung vorhandener Überschwemmungsgebiete als Retentionsraum eine hohe Bedeutung zumessen. Die Risikovorsorge in potenziellen Überflutungsbereichen sowie der Siedlungsrückzug hingegen finden weniger Beachtung, was auch für die deutsche Regionalplanung zutrifft. Zwei Drittel der tschechischen Pläne treffen Aussagen zur Verbesserung des Wasserrückhalts, nennen jedoch kaum konkrete Maßnahmen. Um die Rückgewinnung von Überschwemmungsbereichen als Retentionsraum geht es in mehr als der Hälfte der untersuchten Pläne (fünf von neun Plänen). Weniger als die Hälfte der Pläne (vier von neun Plänen) sichern jedoch potenzielle Standorte für Hochwasserschutzmaßnahmen, in Deutschland geschieht dies in der Hälfte der Pläne.

Insgesamt lässt sich also sowohl auf deutscher als auch auf tschechischer Seite noch keine inhaltlich umfassende und flächendeckende Durchdringung der regionalplanerischen Regelungsinhalte gemäß den MKRO-Handlungsschwerpunkten im Handlungsfeld "Vorbeugender Hochwasserschutz in Flussgebieten" feststellen. Einige Regionen sind mit innovativen und weitreichenden Plansätzen deutlich über den in der Planungspraxis üblichen Regelungsumfang hinausgegangen. Sie übernehmen damit eine Vorbildfunktion für einen zukunftsfähigen Umgang mit der Hochwasservorsorge im Bereich der Raumordnung.

Analyse von Raumordnungsplänen: Küstenschutz

Die Auswertung der drei Landesraumordnungspläne von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit Regelungen zum Küstenschutz zeigt, dass die Handlungsschwerpunkte der MKRO unterschiedlich stark Eingang in die Planwerke gefunden haben. Ein Augenmerk legen sie auf den maritimen Rohstoffabbau von Klei und Sand und in diesem Kontext auf die Sicherung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten. Ebenso messen die Pläne der ergänzenden Risikominimierung in sturmflutgeschützten Küstengebieten hohe Bedeutung zu. Die anderen Handlungsschwerpunkte werden nicht immer explizit über Aussagen in den Zielen, Grundsätzen und Begründungen thematisiert. Hier wäre ein stärkerer Regelungsumfang möglich. Im Vergleich der Küstengebiete ist der LEP Schleswig-Holstein eine Besonderheit. Die raumordnerischen Belange werden nicht nur in diesem Dokument "geregelt", sondern sind vorrangig Gegenstand des "Generalplans Küstenschutz: Integriertes Küstenschutzmanagement in Schleswig-Holstein". Auch in Niedersachsen gibt es mit dem "Raumordnungskonzept für das niedersächsische Küstenmeer (ROKK)" eine weitere Grundlage mit raumordnerischen Hinweisen für den niedersächsischen Teil des Küstenmeeres.

Der Regelungsschwerpunkt der Regionalebene in Bezug auf den Küstenschutz liegt auf dem Handlungsschwerpunkt "Ergänzende Risikominimierung in sturmflutgeschützten Küstengebieten". Planinhalte zu diesem Handlungsschwerpunkt legen zehn der 15 untersuchten Pläne fest. Ein weiterer bedeutender Handlungsschwerpunkt ist die "Freihaltung von Bereichen vor und hinter Küstenschutzanlagen von konkurrierenden Nutzungen". Diesen thematisieren neun Pläne. Generell werden deutlich mehr textliche als zeichnerische Festlegungen getroffen.

Im Vergleich der 15 untersuchten Regionalpläne weisen die Planwerke aus Mecklenburg-Vorpommern quantitativ die meisten Festlegungen zu den unterschiedlichen Handlungsschwerpunkten auf. Die Regionen in Schleswig-Holstein legen hingegen kaum Grundsätze oder Ziele zu den Handlungsschwerpunkten fest, mit Ausnahme des Handlungsschwerpunkts "Ergänzende Risikominimierung in sturmflutgeschützten Küstengebieten".

Ähnlich wie beim Handlungsfeld "Vorbeugender Hochwasserschutz in Flussgebieten" lässt sich auch beim Handlungsfeld "Küstenschutz" noch keine inhaltlich umfassende und flächendeckende Durchdringung der regionalplanerischen Regelungsinhalte in Bezug auf die Handlungsschwerpunkte der MKRO feststellen. Jedoch finden sich auch hier in einzelnen Regionen in den Regionalplänen weitreichende Ansätze im Sinne der MKRO-Handlungsschwerpunkte, die zukünftig auch die anderen Regionen aufgreifen können.

2. Experteninterviews

Die Akteursbefragungen fanden zu unterschiedlichen Projektzeitpunkten und mit verschiedenen Schwerpunkten statt. Die Befragung im August/September 2015 zielte darauf ab, im Kontext der Wirkungsanalyse zu den bis dato vorgenommenen Gesetzesänderungen seit 2005, der Einführung des Nationalen Hochwasserschutzprogramms durch das BMUB sowie zum Hochwasserrisikomanagement und dem vorbeugenden Hochwasserschutz, Einschätzungen von relevanten Akteuren zu erlangen. Zu diesem Zeitpunkt erstreckte sich das Interesse auf das Einzugsgebiet der Elbe, so dass hier vornehmlich Akteure aus dem deutschen Teil des Elbeinzugsgebiets befragt wurden. Mit der Auswahl der Interviewpartner aus Wissenschaft und Planungspraxis unterschiedlicher Ebenen (Bundes-, Landes-, regionale Ebene) berücksichtigte das Projektteam verschiedene Perspektiven und Sichtweisen.

Die zweite Befragung im Frühjahr 2017 fand vor dem Hintergrund der Auftragserweiterung und der Einbeziehung weiterer Flusseinzugsgebiete (Rhein, Donau, Weser, Ems) statt. Hier ging es darum, die länderübergreifende Abstimmung im Kontext der Hochwasservorsorge und des vorbeugenden Hochwasserschutzes zu erkunden. Ziel war es, insbesondere mit Blick auf einen möglichen Bundesraumordnungsplan Hochwasser Regelungsinhalte für einen entsprechenden Plan zu erkunden.

Beide Befragungen trugen wesentlich dazu bei, das Problemverständnis zu grundlegenden und aktuellen Themen der Hochwasservorsorge aufzuarbeiten und in den einzelnen Themenfeldern die Diskussion zwischen Vertretern der Raumplanung und der Wasserwirtschaft zu befördern. Der mögliche Beitrag der Raumordnung und der Raumentwicklung zur Hochwasservorsorge sowie die Anschlussfähigkeit der Hochwasserrisikomanagementplanung konnte herausgestellt und eine Abgrenzung der Kompetenzen zur Wasserwirtschaft mit Blick auf komplementäre Handlungsstrategien aufgezeigt werden.

Alle Befragten betonten, dass mit der Einführung und Umsetzung des Hochwasserrisikomanagements im Kompetenzbereich der Wasserwirtschaft wesentliche Fortschritte hin zu einer systematischen, fachübergreifenden und ebenenübergreifenden Hochwasservorsorge erzielt wurden. Gleichwohl wurde deutlich, dass Optimierungsbedarf hinsichtlich einer länderübergreifenden und auf das Flusseinzugsgebiet bezogenen Betrachtung in der Raumordnung besteht. Zudem muss es in Zukunft darum gehen, die Anschlussfähigkeit unterschiedlicher konzeptioneller Handlungsstrategien und Maßnahmen von Wasserwirtschaft, Raumordnung und Regionalentwicklung unter Berücksichtigung der Mehrebenensteuerung in der Hochwasservorsorge zu verbessern. Die Meinungen der Interviewten zu einem möglichen Bundesraumordnungsplan Hochwasserschutz (BRPH) lagen sehr weit auseinander. Einige sahen in einem BRPH klare Vorteile, andere hinterfragten den Nutzen eines derartigen Planvorhabens grundsätzlich.

Insgesamt befragte das Projektteam 55 Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft.

3. Expertisen

Die drei Expertisen "Risikokommunikation", "Siedlungsrückzug" und "Lastenausgleich" stellte das Projektteam 2016 als Entwürfe in Beispielregionen zur Diskussion. Das Thema Siedlungsrückzug wurde am 27. September 2016 in zwei Planspielen in der Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge für Standorte in den Städten Meißen und Pirna bearbeitet. Die Themen Risikokommunikation und Lastenausgleich diskutierte das Projektteam mit den Regionen Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg und Leipzig-Westsachsen auf einem Workshop am 20. Oktober 2016. Im Anschluss an die beiden Veranstaltungen wurden alle Expertisen nochmals überarbeitet. Sie sind Grundlage für die Empfehlungen zu den Handlungsschwerpunkten im Handbuch.

Bei den Planspielen mit den Städten Meißen und Pirna erprobte das Projektteam Optionen des Siedlungsrückzugs mit Experten und kommunalen Vertretern. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Variante proaktiver Siedlungsrückzug – unabhängig von einem Schadensereignis in der Vorsorgephase des Risikokreislaufs – grundsätzlich umsetzbar ist. Voraussetzung dafür ist, dass eine Förderfähigkeit im Rahmen des Stadtumbaus unter bestimmten Voraussetzungen gegeben ist. Die unmittelbare Verknüpfung an den Stadtumbau macht deutlich, dass sich die räumliche Dimension derartiger Rückzugsoptionen in der Regel unterhalb der Darstellungsschwelle in Regionalplänen bewegt und auf der Umsetzungsebene daher der Stadtentwicklung und Bauleitplanung zuzurechnen ist. Dennoch kommt auch der Regionalplanung eine wichtige Funktion bei der Etablierung von Siedlungsrückzug als Handlungsalternative zu. Voraussetzung für die Zulässigkeit raumordnerischer Festlegungen ist die überörtliche Wirksamkeit des Siedlungsrückzugs.

Lastenausgleich ist ein vieldiskutiertes Thema in der Hochwasservorsorge, vor allem bei Maßnahmen des technischen Hochwasserschutzes. Dabei geht es um eine möglichst gerechte Verteilung von Lasten. Insgesamt lassen sich zwei grundlegende Perspektiven voneinander unterscheiden:

  • Der Unterlieger trägt die Last des erhöhten Hochwasserrisikos durch Verbesserung des (technischen) Hochwasserschutzes im Oberlauf, hier insbesondere eine Ertüchtigung der Deiche auf HQ100 (ein Hochwasserabfluss, der statistisch einmal in 100 Jahren erreicht wird), womit Retentionsraumverluste bei gleichzeitig entstehenden Siedlungsflächenentwicklungspotenzialen verbunden sind (Oberlieger gleicht Last aus).
  • Der Oberlieger trägt die Last der verminderten ökonomischen Entwicklungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch Deichrückverlegungen oder Polderplanungen (der Unterlieger gleicht Last aus).

Die Expertise stellte das Prinzip des Lastenausgleichs zwischen Risikobetroffenen und Risikoverursachern (Profiteuren) in den Vordergrund. Das Thema wurde für die Beispielregionen Leipzig-Westsachsen und Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg länderübergreifend betrachtet. Darauf aufbauend wurden mögliche Strategien aufgezeigt, wie ein Lastenausgleich zwischen Regionen ausgestaltet werden könnte, aber auch, wo offene Fragen und Ansatzpunkte für weiteren Forschungs- und Erprobungsbedarf bestehen. In den Diskussionen im MORO wurde deutlich, dass ein Lastenausgleich vor allem dann sinnvoll sein könnte, wenn in einer Oberlieger-Kommune keine Entwicklungsmöglichkeiten außerhalb des überschwemmungsgefährdeten Bereichs möglich sind und sie daher auf eine Verbesserung des Hochwasserschutzes angewiesen ist.

Mit der Expertise "Risikokommunikation in der Raumplanung" wurden die Aufgaben und Anforderungen der Risikokommunikation an die Regionalplanung in der Hochwasservorsorge skizziert. Diese wurden im Kontext des Risikokreislaufs und den daraus folgenden Aufgaben der Regionalplanung systematisiert (Erstellen von Risikoprofilen für die Hochwasservorsorge und Aufzeigen von Handlungserfordernissen und -optionen). Risikokommunikation ist dabei keine Nebensache, sondern vielmehr Kernaufgabe erfolgreicher Risikovorsorge. Zahlreiche in der Expertise vorgestellte Beispiele zu Ansätzen der Risikokommunikation aus dem angelsächsischen und europäischen Raum stellen ein Angebot dar, entsprechende Vorbilder auch für die eigene Arbeit in der Regionalplanung zu nutzen. Über einen Workshop zur Risikokommunikation mit den Beispielregionen Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg und Leipzig-Westsachen wurde die Systematisierung der Kommunikationsaufgaben getestet und validiert. Darüber hinaus verdeutlichte das Fallbeispiel Goitzsche (Hochwasservorsorge im Kontext der Braunkohletagebausanierung), dass die Kommunikationsaufgaben häufig sehr komplexer Art sind und es spezifischer, auf den Einzelfall zugeschnittener Formate der Kommunikation und Zusammenarbeit bedarf.

4. Handbuch mit Empfehlungen zur Ausgestaltung der Hochwasservorsorge in der Raumordnung

Das Projektteam aktualisierte das im Vorfeld der Gestalterkonferenz als internes Dokument erstellte "Handbuch zur Ausgestaltung der Hochwasservorsorge in der Raumordnung" und entwickelte es weiter. Es umreißt das Thema vorbeugender Hochwasserschutz und enthält viele Hinweise und Tipps für die Planungspraxis. Die Adressaten des Handbuchs sind in erster Linie die Akteure der Landes- und Regionalplanung, zudem kommunale Akteure, die die Ziele und Grundsätze aus den regionalen Raumordnungsplänen in der Bauleitplanung berücksichtigen müssen. Die Akteure der Wasserwirtschaft und anderer Fachplanungen können sich ein Bild über die aktuellen Überlegungen zur Hochwasservorsorge in der Raumordnung verschaffen. Zudem soll das Interesse einer breiteren Fachöffentlichkeit sowie von Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik geweckt werden. Das Handbuch kann somit als Informationsquelle für alle an Planungsprozessen der Raumordnung beteiligten Akteure, aber auch für betroffene Bürgerinnen und Bürger dienen.

Im Herbst 2017 wird das Handbuch in der Veröffentlichungsreihe "MORO Praxis" erscheinen und dann unter der Rubrik "Veröffentlichungen" zu finden sein.

5. Experten- und Syntheseworkshops

Der Expertenworkshop fand am 16. Februar 2016 in Dessau-Rosslau statt. Teilgenommen haben Vertreterinnen und Vertreter der Regional- und Landesplanung und der Wasserwirtschaft im deutschen Elbeeinzugsgebiet der Elbe sowie weitere externe Fachleute. Auf dem Syntheseworkshop am 11. Mai 2017 in Bonn diskutierten die Teilnehmenden vor allem über die Auswertungen und Befragungen zu den zentralen Handlungsfeldern des vorbeugenden Hochwasserschutzes und des Hochwasserrisikomanagements.

6. Gestalterkonferenz

Auf der Gestalterkonferenz am 28. Juni 2017 im BMVI in Berlin stellte das Projektteam den Entwurf des "Handbuchs zur Ausgestaltung der Hochwasservorsorge in der Raumordnung" vor und stellte ihn zur Diskussion. Die Teilnehmenden konnten auch im Nachgang noch Anregungen geben.

Staatssekretär Rainer Bomba (BMVI) begrüßte die rund 70 Teilnehmenden, die durch zahlreiche Beiträge und interessante Diskussionen die Veranstaltung bereicherten. Die Forschungsassistenz stellte zunächst die Ergebnisse des MORO sowie bewährte Konzepte, innovative Lösungen und neue Handlungsfelder in der Hochwasservorsorge vor. Anschließend wurde beleuchtet, welchen Beitrag Raumplanung und Wasserwirtschaft zum jeweils anderen "Ressort" leisten können. Am Nachmittag standen die Differenzierung von Hochwassergefahren/-risiken sowie die Koordination von Wasserwirtschaft und Raumordnung im Hochwasserrisikomanagement auf der Agenda. Abschließend stellte die Forschungsassistenz Überlegungen zum weiteren Forschungsbedarf und zu einem neuen Forschungsfeld im Bereich Hochwasservorsorge in der Raumordnung und Regionalentwicklung vor.

7. Konzeption eines neuen Modellvorhabens

Die Ergebnisse der MORO-Studie sind Grundlage zur Konzeption eines neuen Modellvorhabens, bei dem sich die Träger der Raumordnung wie auch die Akteure der Wasserwirtschaft und der Regionalentwicklung vertieft mit der Wirkung des Hochwasserrisikomanagements auf die Regionen und geeigneten integrativen Strategien zur Hochwasservorsorge befassen sollen. Es geht insbesondere darum, etablierte Ansätze in der Planungspraxis besser zu verankern und darüber hinausgehende innovative Strategien zu erarbeiten. Ziel ist, die Anschlussfähigkeit von Regionalplanung, Regionalentwicklung und vorbeugendem Hochwasserschutz in den Flusseinzugsgebieten zu verbessern.

Das neue Forschungsfeld soll im Sinne des MORO-Programms prozess-, aktions- und projektorientiert ausgestaltet werden. Dabei erfolgt die Generierung von Wissen im Zusammenspiel von wissenschaftlicher Expertise und praktischer Erprobung über Projekte in Modellregionen. Im Fokus stehen die Ausgestaltung der MKRO-Handlungsschwerpunkte zur Hochwasservorsorge und zum Küstenschutz, aber auch die zusätzlichen Handlungsschwerpunkte "Siedlungsrückzug" und "Lastenausgleich" und deren Umsetzung in der Planungspraxis. Zudem sollen der Austausch zwischen Raumordnung und Wasserwirtschaft befördert, die Wechselwirkungen zwischen Hochwasservorsorge und Regionalentwicklung untersucht und die Themen Risikogovernance und -kommunikation bearbeitet werden.

8. Endbericht

Die Forschungsassistenz hat die Ergebnisse des MORO "Regionalentwicklung und Hochwasserschutz in Flussgebieten" in einem unveröffentlichten Endbericht zusammengestellt. Dieser dient dazu, ein neues Forschungsfeld vorzubereiten und somit Modellvorhaben in ausgewählten Regionen durchzuführen.

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