Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt Methodische Weiterentwicklungen der Erreichbarkeitsanalysen des BBSR

Konzept

Ziel des Projekts waren konzeptionell-methodische und inhaltlich-strategische Empfehlungen für die zukünftige Erreichbarkeitsmodellierung im BBSR. Hierbei war die Entwicklung umsetzbarer Handlungsempfehlungen von besonderer Relevanz.

Das Konzept für das Forschungsvorhaben basierte auf einem Methoden-Mix: Zur Anwendung kamen vielfältige Recherchen, Datenanalysen sowie quantitative und qualitative empirische Untersuchungen.

Die grundsätzlichen Forschungsfragen sind nachfolgend mit den sich daraus ergebenden Aufgaben aufgeführt.

Wie gestaltet sich der aktuelle Forschungsstand zur Methodik der Erreichbarkeitsanalyse und -modellierung? Wie werden die Methoden in der Planungspraxis umgesetzt?
Diese Frage erforderte eine umfassende, systematische Analyse der in Wissenschaft und Praxis verbreiteten Erreichbarkeitskonzepte und -modelle. Umfassend meint hier eine breit angelegte Literatur- und Dokumentenanalyse, welche sich insbesondere auch mit dem internationalen Stand der Forschung beschäftigt. Die Quellen wurden entlang eines einheitlichen Analyserasters mit Blick auf den Informationsbedarf des BBSR systematisch aufgearbeitet. Ziel dieses ersten Bausteins war die Schaffung eines Rahmens, in dem die konzeptionelle, methodische und technische Weiterentwicklung der BBSR-Erreichbarkeitsanalysen möglich wäre.

Inwiefern kann das BBSR-Erreichbarkeitsmodell für den Straßenverkehr hinsichtlich seiner Netzgrundlagen ergänzt und modifiziert werden?
Hierzu wurde eine Analyse der verschiedenen, verfügbaren digitalen Verkehrsnetze durchgeführt. Ziel der Analyse war es, fundierte Aussagen zu treffen, ob, und wenn ja, wie das für die BBSR-Erreichbarkeitsanalysen benutzte digitale Straßennetz modifiziert oder sogar ausgetauscht werden könnte. Die Frage der geeigneten digitalen Netzdatenbasis erforderte eine Analyse und Bewertung anderer Netzdatenquellen zur Ergänzung oder zum Ersatz der bislang benutzten Straßennetzdatenbasis.

Wie lassen sich die Straßennetzwiderstände in GIS-basierten Erreichbarkeitsmodellen so differenzieren, dass sich die modellierten Reisezeiten stärker dem tatsächlichen Niveau annähern?
Hierzu wurden mögliche Methoden zur Generierung und Codierung realistischer Netzwiderstände auf den einzelnen Segmenten von Straßennetzen analysiert. Ziel der Analyse war es, fundierte Aussagen zu treffen, ob, und wenn ja, wie die Art der bisher angewendeten Netzwiderstände des BBSR-Modells modifiziert oder ergänzt werden könnte.

Zu klären war hier auch, was unter tatsächlichem Niveau der Reisezeiten zu verstehen ist, da diese aufgrund variierender Belastungen im Tages-, Wochen- und ggf. auch Jahresverlauf sehr unterschiedlich sein können. Es wurden Wege identifiziert, die diesen unterschiedlichen Niveaus der Reisezeiten zu verschiedenen Zeiten gerecht werden können. Die Frage realistischer Netzwiderstände erforderte eine Analyse der verschiedenen Schätzverfahren und Datenquellen (einschl. Big Data) unter Aspekten der grundsätzlichen Eignung, des Aufwands und der monetären Kosten.

Welche Ziele können und sollen zukünftig bei Erreichbarkeitsanalysen im MIV und ÖV sowie im Straßengüterverkehr berücksichtigt werden? Wie können dabei nachfrageseitige Aspekte, d.h. (Ziel-)Wünsche und Möglichkeiten von Nutzern, stärker als bisher berücksichtigt werden?
Diese Forschungsfragen erforderten eine Überprüfung der bislang für die Erreichbarkeitsanalysen des BBSR verwendeten Ziele und Zielcluster. Zu analysieren war, ob die bislang benutzten Ziele vollständig und relevant sind, welche Zielkategorien ggf. fehlen und ob Ziele stärker als bislang attributiert werden müssten, um aus der Raum-Zeit-Geographie abgeleitete Restriktionen wie Öffnungszeiten oder Kapazitäten in den Erreichbarkeitsanalysen berücksichtigen zu können.

Besondere Beachtung in der Analyse erfuhren die Zentralen Orte als Cluster relevanter Einzelziele. Die Überprüfung der Ziele orientierte sich insbesondere an empirischen Daten und Studien zum tatsächlichen Verkehrsverhalten unterschiedlicher Akteure mit unterschiedlichen Präferenzen.

Ist es aus Sicht der Bundesraumordnung sinnvoll, einheitliche Festsetzungen zu Mindeststandards für die Erreichbarkeit Zentraler Orte oder sonstiger Ziele zu treffen und wenn ja, welche Empfehlungen sind für eine Herangehensweise bei der Berechnung von regionalen Erreichbarkeitsniveaus zu geben?
Hierzu wurden Mindeststandards der Erreichbarkeit und deren Anwendung in der raumplanerischen Praxis aufgearbeitet. Thematisiert wurde sowohl der Nutzen als auch die Problematik einheitlicher Standards.

Wie könnte die Analyse von Reisezeiten und Erreichbarkeiten des Öffentlichen Verkehrs in das bestehende BBSR-Erreichbarkeitsmodell integriert werden?
Hier ging es darum, wie die Ermittlung von Reisezeiten des Öffentlichen Verkehrs, die bisher außerhalb des BBSR-Analyserahmens liegt, in das Erreichbarkeitsmodell integriert werden kann. Dazu wurden unterschiedliche Möglichkeiten erörtert, die auf eine fahrplanscharfe Analyse von ÖV-Reisezeiten abzielten. Diese sollte nicht nur einzelne Quelle-Ziel-Beziehungen berücksichtigen, sondern auf große, bundesweite Reisezeitmatrizen angewendet werden können.

Welche Bedeutung haben die Ergebnisse der Erreichbarkeitsanalysen bei der Analyse von raumstrukturellen und regionalökonomischen Wirkungszusammenhängen?
Für diese Forschungsfrage wurde die potenzielle Nutzbarkeit der mit dem BBSR-Erreichbarkeitsmodell berechenbaren Indikatoren als erklärenden Faktoren in Wirkungsanalysen aufgearbeitet. Durchgeführt wurde eine Literaturanalyse im Themenbereich Erreichbarkeit und regionale (Wirtschafts-)Entwicklung.

Expertenbeirat
Ein weiteres wichtiges Element der Methodik der Studie war die Hinzuziehung eines Expertenbeirats von Forschern und Praktikern aus den Bereichen Entwicklung, Anwendung und Nutzung von Erreichbarkeitsanalysen. Die Mitglieder des Beirats waren nach Beginn und zum Ende des Projekts eingebunden, reflektierten Arbeitsschritte, Zwischen- und vorläufige Endergebnisse und gaben Anregungen und Änderungsvorschläge. Mitglieder des Expertenbeirats dieses Projekts waren


• Peter Endemann (Regionalverband FrankfurtRheinMain),
Prof. Dr.-Ing. Karst T. Geurs (Universität Twente, Niederlande),
• Holger Gnest (Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz),
Dr. Sebastian Wilske (Regionalverband Mittlerer Oberrhein),
Prof. Dr.-Ing. Gebhard Wulfhorst (Technische Universität München).

Der fachliche Wissensaustausch erfolgte insbesondere durch zwei Beiratssitzungen in Form eintägiger Workshops. Neben den Beiratsmitgliedern nahmen Vertreter des BMVI, des BBSR und des Forschungsnehmers an den Workshops teil.

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