Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Forschungsprojekt Regionale Lebensverhältnisse – Messkonzept zur Bewertung ungleicher Lebensverhältnisse in den Teilräumen Deutschlands

Projektsteckbrief

  • Status Abgeschlossen
  • Laufzeit Januar 2019–Januar 2020
  • Programm MORO

Um ungleiche Lebensverhältnisse in den Teilräumen Deutschlands zu identifizieren, braucht es ein transparentes Messkonzept, das das raumordnerische Leitbild zugrunde legt und multiple regionale Ungleichheiten berücksichtigt. Das Modellvorhaben entwickelte ein solches Messkonzept auf Basis objektiver Indikatoren unter Erfassung subjektiver Einschätzungen und Eindrücken in drei ausgewählten Modellregionen.

Projektlaufzeit: Januar 2019 - Januar 2020

Ausgangslage

Wenn in Deutschland über die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Teilräumen diskutiert wird, wird oft Bezug auf Artikel 72, Abs. 2 des Grundgesetzes (GG) genommen. Dieser regelt jedoch nur die fallbezogene Gesetzgebungskompetenz in der konkurrierenden Gesetzgebung zwischen Bund und Ländern, wenn der Gesetzgeber „die Wahrung der Rechts- oder Wirtschaftseinheit im gesamtstaatlichen Interesse“ gefährdet sieht. Für die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse bietet das Bundesraumordnungsgesetz (ROG) in §1, Abs. 2 direkte Bezüge für die Raumordnung in Bund und Ländern, da es die Leitvorstellung formuliert „einer nachhaltigen Raumentwicklung, die die sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche an den Raum mit seinen ökologischen Funktionen in Einklang bringt und zu einer dauerhaften, großräumig ausgewogenen Ordnung mit gleichwertigen Lebensverhältnissen in den Teilräumen führt“.

Daneben gibt es weitere Gesetze, die raumwirksam sind wie Artikel 106 GG, der den Finanzausgleich zwischen den Ländern im Falle einer ungleichgewichtigen Entwicklung bestimmt.

Diese Leitvorstellung ist normativ so offen, dass sehr unterschiedliche Vorstellungen und Konzepte darüber bestehen, was unter gleichwertigen Lebensverhältnissen zu verstehen ist und wie darauf aufbauend eine Messung operationalisiert werden kann. Als gesetzt gelten entsprechend des ROG die Dimensionen Soziales, Wirtschaft und Ökologie. Im Raumordnungsbericht 2011 wurden diese Dimensionen um Indikatoren der Grundversorgung entsprechend der staatlichen Daseinsvorsorge und weiteren Indikatoren u.a. zu den Lebenslagen, zum Wohlstand ergänzt (BBSR 2011). Eine wohlbegründete Herleitung der Dimensionen und Indikatoren sowie eine Abgrenzung der Teilräume, die unterschiedliche Lebensverhältnisse widerspiegeln, steht jedoch noch aus.

Ziel

Ziel des Modellvorhabens war es, diese Lücke zu schließen und ein Messkonzept zur Bewertung ungleicher Lebensverhältnisse in den Teilräumen Deutschlands zu entwickeln. Die wissenschaftliche Fundierung des Konzeptes umfasste hierbei insbesondere

  • Die Bestimmung der zentralen Dimensionen ungleichwertiger Lebensverhältnisse auf Grundlage des raumordnerischen Leitbilds unter Rückgriff auf neuere Erkenntnisse der Daseinsvorsorge-, Gerechtigkeits-, Teilhabe- und Glücksforschung. So galt es, auch die Diskussion um Mindeststandards zu führen und Schwellenwerte (bzw. tipping points) für die Indikatoren zu identifizieren.
  • Die Auswahl und Definition von Indikatoren, welche eine flächendeckende und vergleichbare Betrachtung (ex-post und ex-ante) der Dimensionen ermöglicht. Es waren sowohl Ursachen- und Wirkungsindikatoren zu ermitteln als auch die geeigneten räumlichen Ebenen für die Dimensionen bzw. Indikatoren zu bestimmen.
  • Bis zum finalen Algorithmen- und Darstellungskonzept wurde das Messkonzept durch die Erhebung von subjektiven Einschätzungen und Wahrnehmungen in drei Fallstudienregionen begleitet und dort erprobt.

Die zentralen Forschungsfragen hinter diesem Konzept lauteten:

  • Welche räumliche Ebene(n) sollte gewählt werden, um ein Indikatoren- und Algorithmenkonzept „gleichwertige Lebensverhältnisse“ zu entwickeln?
  • Welche Dimensionen/Kernbereiche sind zentral für die Beschreibung gleichwertiger Lebensverhältnisse?
  • Welche Indikatoren beschreiben (un)gleichwertige Lebensverhältnisse maßgebend?
  • Welche Ursachen- und welche Wirkungsindikatoren beschreiben gleichwertige Lebensverhältnisse?
  • Gibt es für die Ursachen- und Wirkungsindikatoren politisch oder wissenschaftlich definierte Schwellenwerte und/oder an welchen Zielgrößen macht sich Gleichwertigkeit fest?
  • Wie sollte das Indikatoren- und Algorithmenkonzept „gleichwertige Lebensverhältnisse“ gestaltet werden?
  • Wie werden die Lebensverhältnisse in den Regionen von Bevölkerung und regionalen Akteuren bewertet? Stimmen diese Bewertungen mit den gemessenen Verhältnissen überein? Korreliert dies mit dem Kumulieren von Problemlagen?

Auftragnehmer waren das Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen (IAT) und das ZEFIR – Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung am Institut der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum.

Auftragnehmer

  • Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen
    Dr. Stefan Gärtner

    Ansprechpartnerin:
    Elke Dahlbeck

    Telefon: 0209-1707-331
    E-Mail: dahlbeck@iat.eu

  • ZEFIR – Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung - Institut der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum
    Prof. Dr. Jörg-Peter Schräpler
    Dr. David H. Gehne

    Ansprechpartner:
    Dr. Marc Neu

    Telefon: 0234-3229042
    E-Mail: marc.neu@rub.de

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