Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Baukultur für das Quartier
Prozesskultur durch Konzeptvergabe

Konzept

Das Untersuchungskonzept gliederte sich methodisch in fünf Teilschritte. Anhand von Interviews und durch die Untersuchung von Fallbeispielen wurden Erkenntnisse gewonnen, die innerhalb der Fachtagung in München vorgestellt und qualifiziert wurden.

Teil 1: Grundlagenermittlung Mithilfe von Literatur und Veranstaltungen zum Thema, Web-Recherche sowie persönlicher Befragung von Akteurinnen und Akteuren via Telefon und E-Mail wurden 30 realisierte Projekte der letzten 10 Jahre recherchiert. Die Auswahl von 30 Projekten soll die Breite der methodischen und regionalen Vielfalt möglichst komplett repräsentieren. Die bei den 30 Projekten angewandten Qualitätskriterien wurden anhand ihres mehr oder weniger erfolgreichen Einsatzes bewertet; daraus wurde eine Liste von empfehlenswerten Qualitätskriterien mit Rahmenbedingungen und Anwendbarkeit erstellt.

Teil 2: Fallbeispiele Anhand der Clusterung der recherchierten Verfahren wurde eine Auswahl von 10 prototypischen Fallbeispielen getroffen, die alle auch einem vergleichenden Ablaufdiagramm dargestellt wurden. Eine wesentliche Analyseebene war der Erfolg der Verfahren hinsichtlich der baukulturellen Qualität der daraus entstandenen Gebäude, Ensembles und Stadtteile.

Teil 3: Expertinnen- und Experteninterviews Auf Basis der 30 Beispielprojekte, des Kategorienschemas sowie der detaillierteren Analyse der 10 Fallbeispiele wurden 6 tiefergehende Interviews geführt, um zu einer globalen Bewertung des Werkzeugs Konzeptvergabe sowie der realisierten Fallbeispiele und insbesondere ihrer Auswirkung auf die baukulturelle Qualität zu gelangen. Interviewpartnerinnen und –partner waren Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Städte, die Konzeptverfahren eingesetzt haben und dabei in verschiedenen Rollen involviert waren. Durch diese Interviews sollten auch die verschiedenen Perspektiven der jeweiligen Rollen auf die Konzeptverfahren im Allgemeinen untersucht werden.

Teil 4: Veranstaltung und Ausstellung Bei der Veranstaltung mit etwa 100 Fachteilnehmerinnen und Fachteilnehmern wurden die Verfahren aus Sicht der Akteurinnen und Akteure vorgestellt. Es ging sowohl darum, über das Instrument Konzeptverfahren zu informieren, als auch darum, die verschiedenen Vorgangsweisen und ihre Vor- und Nachteile zur Diskussion zu stellen. Die Diskussionsbeiträge waren Grundlage für die abschließende Analyse und Darstellung. Für die im Rahmen der Fachveranstaltung gezeigte Ausstellung wurden die zehn ausgewählten Fallbeispiele auf Basis des bis dahin erarbeiteten Materials aus der Perspektive der Kommunen und Initiativen dargestellt und bewertet. Die Ausstellung kann von interessierten Städte und Institutionen angefordert werden.

Teil 5: Auswertung, Ergebnisdarstellung Die Auswertung und Ergebnisdarstellung folgte einer Perspektive der Nutzbarkeit für die Zielgruppe, also für Akteurinnen und Akteure aus den Kommunen. Dementsprechend wurden die Fallbeispiele im Best-Practice-Format nach einem praxisorientierten Kategorienschema gegliedert dargestellt, sodass die jeweiligen Rahmenbedingungen und ihre potenzielle Übertragbarkeit unmittelbar ersichtlich sind. Ebenso wurde großer Wert auf die Darstellung von nötigen und hilfreichen Rahmenbedingungen für den Erfolg der Verfahren, also für ihre positive Auswirkung auf die baukulturelle Qualität im breiten Sinne, gelegt. Die Bewertung ihres baukulturellen Effekts war zentraler Teil der Darstellung. Die Auswertung war schließlich Basis für die Ableitung von Handlungsempfehlungen für die kommunale Praxis und von Vorschlägen für die Weiterentwicklung des Modells Konzeptvergabe in verschiedene Richtungen.


Forschungsfragen

Die leitende Forschungsfrage lautete, inwiefern durch Konzeptverfahren im Vergleich zu anderen Vergabeverfahren eine besonders hohe Qualität erreicht werden kann.
Qualität bedeutet in diesem Zusammenhang:

  • Räumlich-städtebauliche Qualität der Gebäude/des Ensembles
  • Gestalterische und funktionale Qualität der Freiflächen
  • Gestaltqualität der Gebäude, ihrer Fassaden, öffentlichen Räume und Freifläche
  • Funktionalität der Grundrisse
  • Schaffung von Möglichkeitsräumen
  • Beteiligung von Nutzergruppen, Einwohnerinnen und Einwohner, Stadtöffentlichkeit im Verfahren
  • Akzeptanz durch die Nutzerinnen und Nutzer und Nachbarschaft
  • Auswirkung auf Nachbarschaft und Quartier
  • Energetisches Konzept
  • Sonstige Aspekte

Weitere Forschungsfragen im Forschungsprojekt waren:

  1. Einordnung des Konzeptverfahrens als Instrument der Stadtentwicklung

    Welchen Stellenwert hat die Konzeptvergabe im Vergleich zu anderen Instrumenten der Vermarktung von öffentlichen Liegenschaften?

    Wie funktionieren Konzeptverfahren?

    Wie unterscheiden sich Konzeptverfahren mit und ohne eingebundenen Planungswettbewerb?

    Wie verhält sich das Konzeptverfahren zu vergleichbaren Instrumenten mit Auflagen (z.B. Investorenwettbewerb, Direktvergabe mit Auflagen)?

  2. Analyse Qualität der durchgeführten Konzeptverfahren

    Kann durch eine Konzeptverfahren eine besonders hohe städtebaulich-architektonische Qualität erreicht werden?

    An welcher Stelle im Verfahren und mit welcher Expertise ist dies möglich und sinnvoll?

    Wer entscheidet über die städtebaulich-architektonische Qualität?

    Welche Kriterien zur Beurteilung der städtebaulich-architektonischen und Gestaltqualität werden von den Kommunen gebildet?
    Welche Gewichtung haben diese Kriterien im Vergleich zu anderen Aspekten (z.B. Nutzungsmischung, Integrationsleistung, Energiekonzept, Anteil geförderter Wohnungen)?

  3. Analyse Qualität der realisierten Projekte

    Wie werden in Konzeptverfahren entstandene Projekte von Bürgerinnen und Bürgern im Quartier wahrgenommen?

    Durch wen werden die Projekte geplant und realisiert? Welcher Lebenszyklus wird erwartet?

    Welchen Einfluss haben Konzeptverfahren auf die Qualität der gestalteten Lebensräume in Quartier und benachbarten Räumen?

    Wie wirkt sich die Konzeptvergabe auf die Gestaltung realisierter kommunaler Auflagen aus (soweit vorhanden), die im Fall einer Bodenwertsteigerung auf den Träger übertragen werden können (z.B. Erschließung, Gestaltung öffentlicher Räume, Stadtmöblierung)?

    Welche Akteurinnen und Akteure werden durch Konzeptverfahren angesprochen?

    Welche Möglichkeiten bieten Konzeptverfahren für Integrationsleistungen?

  4. Empfehlungen

    Wie wird die mittel- und langfristige Entwicklungsperspektive der Konzeptvergabe eingeschätzt?

    Welche Empfehlungen können Städten und Gemeinden an die Hand gegeben werden, um mit Konzeptverfahren einen möglichst hohen Nutzen zu erreichen (in Bezug auf gestalterische Qualität, Partizipation, Entlastung und Mehrwert für das Quartier, Ansprache Bieterinnen und Bieter)?

    Für welche stadträumliche Situationen und Bauaufgaben eignen sich Konzeptverfahren?

    Wie können insbesondere in Klein- und Mittelstädten potenzielle Bieterinnen und Bieter erreicht werden?

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