Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt Baukultur für das Quartier
Prozesskultur durch Konzeptvergabe

Projektsteckbrief

Im Zuge des Drucks auf die Wohnungsmärkte haben sich beim Verkauf kommunaler Grundstücke in den letzten Jahren Alternativen zum Bieterverfahren entwickelt. Dabei wird die Liegenschaft nicht nach dem Höchstpreis vergeben, sondern nach dem Konzept, das die nachhaltigsten Ansätze zur Weiterentwicklung des Quartiers anbietet. Ziel des Forschungsprojekts war die qualitative Untersuchung von Konzeptverfahren in Bezug auf baukulturelle Aspekte und anhand von Best-Practice-Beispielen sowie die Erarbeitung von Empfehlungen.

Ausgangslage

Die Bauleitplanung reicht nicht aus, um städtebauliche, architektonische, nutzungsbezogene und soziale Qualitäten von Bauprojekten zu sichern. Ebenso wenig wird es regelmäßig möglich sein, diese dadurch zu erreichen, dass Kommunen selbst zu Projektentwicklerinnen werden. Beim Konzeptverfahren handelt es sich um eine Vorgangsweise, die zwischen diesen beiden Zugängen angesiedelt ist und die Lücke in der Qualitätssicherung stadtplanerischer Prozesse zu schließen hilft. Konzeptvergaben von Grundstücken werden deshalb deutschlandweit zunehmend häufiger eingesetzt und gewinnen an Aufmerksamkeit. Immer öfter werden Grundstücke nicht zum höchsten Preis vergeben, sondern an herausragende Projekte. Diese werden danach beurteilt, ob sie zur Qualität des zu entwickelnden Stadtteils beitragen – und in welcher Form, mit welchen Mitteln sie das tun. Dadurch lässt sich für die Zwecke der Stadtteilentwicklung die Innovationskraft und Kreativität von Projektentwicklerinnen und Projektentwicklern in Anspruch nehmen und ein kooperativerer Planungsprozess erreichen. Vorläufer der heutigen Konzeptverfahren waren Verfahrenstypen, wie sie etwa in Tübingen seit den 1990er-Jahren eingesetzt wurden.

Ziel

Anhand von Best-Practice-Beispielen in zehn Städten wurde das Spektrum der Konzeptverfahren untersucht: Welche Vorgangsweisen sind geeignet, baukulturelle Zielsetzungen zu erreichen? Welche Rahmenbedingungen waren erfolgreich? Wie können Städte verschiedener Größe mit dem Thema umgehen? Welche Varianten und Zugänge gibt es? Zusätzlich wurden im Projekt handlungsleitende Empfehlungen für Kommunen abgeleitet. Im Mittelpunkt des Interesses steht immer die Frage der baukulturellen Qualität im breiten Sinn, die durch die Konzeptvergabe gesteigert werden soll. Dabei geht es um den Vergleich verschiedener erfolgreicher Vorgangsweisen und deren Besonderheiten, Einsatzmöglichkeiten und Nutzen und um die längerfristige Anwendbarkeit des Konzeptverfahrens.

Die zehn Städte und elf Verfahren

  • Berlin, Blumengroßmarkt
  • Hamburg, Pestalozziquartier
  • München, Domagkpark
  • Frankfurt am Main, Niddastraße
  • Stuttgart, Olga-Areal
  • Hannover, Klagesmarkt
  • Münster, Herwarthstraße
  • Heilbronn, Neckarbogen
  • Tübingen, Alte Weberei und Bauen für Geflüchtete
  • Landau in der Pfalz, Am Ebenberg

Bebauung am Tübinger Lorettoplatz im Französischen Viertel, ein Areal, das mithilfe von Konzeptvergaben entwickelt wurde. Lorettoplatz im Französischen Viertel in Tübingen Quelle: Ramessos, Public Domain, vgl. commons.wikimedia.org/wiki/File:TuebingenFranzViertel2.jpg

Auftragnehmer war Robert Temel aus Wien.

Kontakt

  • Karin Hartmann
    Referat I 7 - Baukultur und städtebaulicher Denkmalschutz
    Telefon: +49 228 99401-1219
    E-Mail: karin.hartmann@bbr.bund.de

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