Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Kleingärten im Wandel – Innovationen für verdichtete Räume

Ergebnisse

Kleingärten sind in Deutschland sehr unterschiedlich verbreitet: Die Mehrzahl der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner in der Bundesrepublik ist unter dem Dach des BDG e. V. und seinen 19 Landesverbänden organisiert. 910.000 Pächterinnen und Pächter in rund 14.000 Vereinen bewirtschaften 44.000 Hektar Kleingartenflächen in fast 16.000 Anlagen. Die einzelnen Bundesländer sind sehr unterschiedlich mit Kleingärten ausgestattet. Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen den westdeutschen und den ostdeutschen Flächenländern: Mehr als der Hälfte aller Kleingärten liegen in den ostdeutschen Ländern – und damit mehr als eine halbe Million –, bei einem Einwohneranteil von nur 15 %. Von den insgesamt 960.000 Kleingärten werden aktuell rund 95 % bewirtschaftet.

Das Kleingartenwesen entwickelt sich im Wechsel von Beständigkeit und Wandel: Das Kleingartenwesen hat nach wie vor einen festen Platz im Grün- und Freiraumsystem der Städte und erfüllt wichtige soziale, ökologische und städtebauliche Funktionen. Die gesellschaftlichen Veränderungen wirken sich zunehmend auch auf das Kleingartenwesen aus. Die bestehenden Disparitäten zwischen schrumpfenden und wachsenden Regionen, der demografische Wandel und die Notwendigkeit, Klimaschutz und nachhaltiges, ökologisches Denken und Handeln auf allen Ebenen zu verstärken sowie insgesamt die grüne Infrastruktur zu sichern und auszubauen, gehören dabei zu den wesentlichen Einflussfaktoren, die teils als Katalysatoren für Veränderungen wirken.

Es gibt eine sehr differenzierte Nachfrageentwicklung: In großen und wachsenden Städten ist eine erhöhte Nachfrage nach Kleingärten festzustellen, die das dort vorhandene Angebot oft übersteigt. In vielen Städten außerhalb großer Ballungszentren – vorrangig in den westdeutschen Ländern, aber auch in den Großstädten der ostdeutschen Länder mit ihrem teils erheblichen Kleingartenangebot – vollzieht sich die Bestands- und Nachfrageentwicklung des Kleingartenwesens relativ ausgewogen. Immer problematischer wird dagegen die Situation in den strukturschwachen und schrumpfenden, meist ländlichen Regionen vor allem in Ostdeutschland, wo die geringere Nachfrage aufgrund der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung den schon vorhandenen strukturellen Leerstand von Kleingärten weiter ansteigen lässt. Bundesweit sind es nach Angaben der Landesverbände des BDG derzeit rund 65.000 Gärten.

Kleingartenbestand ist leicht verringert: Verglichen mit vorliegenden Ergebnissen aus dem Jahr 2011 hat sich der Bestand nach Angaben der Landesverbände des BDG e. V. bundesweit um rund 25.000 Kleingärten verringert, davon 75 % wegen mangelnder Nachfrage und anschließender Auflösung der Anlagen, insbesondere in den ostdeutschen Flächenländern. Das zeigt sich auch, wenn Bestandsveränderungen in Relation zur aktuellen Nachfrage dargestellt werden: Den höchsten Anteil an Kommunen (65 %), deren Bestände sich verringerten, gibt es dort, wo die Nachfrage gering und der Leerstand hoch ist. Ist die Nachfrage hoch und sind Engpässe vorhanden, dann sind Bestandsreduzierungen zwar seltener, aber umso schmerzhafter. Nach Angaben der Landesverbände wurden insgesamt rund 6.500 Kleingärten infolge von Flächenumwidmungen für Wohnungsneubau und Infrastrukturmaßnahmen aufgegeben. Dabei entwickeln sich starke Nutzungskonkurrenzen für einzelne Flächen, besonders durch den Wohnungsbau, dessen nachfolgende soziale und verkehrliche Infrastruktur, aber auch durch notwendiges Gewerbe. Die Flächensuche stellt viele Kommunen inzwischen vor Probleme und verstärkt – wenn auf Kleingartenflächen zurückgegriffen wird – einen ohnehin vorhandenen Mangel an Kleingärten.

Interesse am Gärtnern in großen Städten wächst: Dass das Interesse an Gärten und am Gärtnern wächst, belegen nun auch die Ergebnisse der aktuellen Kleingartenbefragungen: In mehr als jeder zweiten beteiligten Kommune ist das Interesse in der Bevölkerung gewachsen, unter den Großstädten nochmals geringfügig häufiger. Das manifestiert sich in einer wachsenden Zahl an Garten- und Umweltinitiativen, aber auch einer größeren Nachfrage nach Kleingärten in der Stadt. Insgesamt spiegelt sich darin auch ein zunehmendes Bedürfnis wider, sich mehr für den Natur- und Umweltschutz zu engagieren und Grün- und Freiflächen gerade in den Ballungszentren als Orte der Erholung und Entspannung zu nutzen, zu sichern und attraktiver zu machen.

Das Kleingartenwesen verjüngt sich: Der Generationenwechsel wird spürbarer. Das Durchschnittsalter der Mitglieder in den befragten Vereinen und Verbänden liegt bei 56 Jahren und hat sich in den letzten Jahren verringert. Wesentlicher Grund dafür ist die stärkere Nachfrage von jungen Haushalten, meist Familien mit Kindern, die zudem internationaler werden. In den Großstädten sind die Vereinsmitglieder häufiger jünger als in den kleineren Städten.

Das Kleingartenwesen wird öffentlicher: Dies betrifft die Zugänglichkeit der Anlagen, die nach Angaben der Stadtverbände mehrheitlich ganz oder teilweise öffentlich zugänglich sind. Dazu gehört aber auch ein zunehmend vielfältiges öffentliches Angebot auf den gemeinschaftlichen Flächen der Anlagen für die Nachbarschaften der angrenzenden Wohnquartiere. Darüber hinaus wandelt sich auch die Öffentlichkeitsarbeit der Vereine und Stadtverbände. Nicht zuletzt digitale Medien ermöglichen eine bessere Kommunikation sowie weitreichendere Präsentationen der Angebote und Informationen. Auch die Teilnahme an Wettbewerben auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene trägt zu einer verbesserten öffentlichen Wahrnehmung des Kleingartenwesens in den Städten bei.

Die Rolle von Kleingartenanlagen als Bestandteil der grünen Infrastruktur der Städte wächst: In verstärktem Maß arbeiten kommunale Verwaltungen und Kleingärtnerorganisationen erfolgreich daran, Kleingartenanlagen noch besser in das Grün- und Freiflächennetz der Städte zu integrieren. Im Mittelpunkt stehen Anlagen, die in das öffentliche Wegenetz eingebunden sind oder werden sollen. Gerade auch in großen Städten entstehen Kleingartenparks als Teil der grünen Infrastruktur. Vor allem in dicht bebauten, oft durch Lärm und schlechte Luft belasteten und mit zu wenig qualifizierten Grün- und Freiräumen ausgestatteten Wohnquartieren trägt das Kleingartenwesen zu mehr Umweltgerechtigkeit bei.

Beispiele für öffentliche Zugänglichkeit und Nutzbarkeit in Kleingartenanlagen:

Hannover: Schaffung einer Grünverbindung Fuchswinkel

Dortmund: Alle Anlagen sind einladend und öffentlich zugänglich

Münster: Spielbereiche in Kleingartenanlagen als Ergänzung zum Spielflächenleitplan

Dresden: Kleingartenpark Hansastraße – als Zusammenschluss vieler Vereine

Ökologisches Gärtnern erhält mehr Gewicht: Die Kleingartenanlagen tragen zur Artenvielfalt bei und leisten vor allem in hochverdichteten städtischen Räumen einen wichtigen stadtklimatischen Beitrag. Nicht nur für viele junge Neupächter hat ökologisches Gärtnern daher einen hohen Stellenwert, auch die Vorstände der Kleingärtnerorganisationen fördern das Natur- und Umweltbewusstsein ihrer Mitglieder durch Gartenfachberatung, zusätzliche Informationen zum Natur-, Umwelt- und Bodenschutz sowie durch das Anlegen von ökologischen Musterkleingärten.


Beispiele für Beiträge zu Naturschutz, Artenvielfalt, Klimaschutz und für naturnahe Bewirtschaftung:

Frankfurt am Main: Mustergarten der Ernst-May-Stiftung

Münster: Gemeinschaftsflächen ökologisch genutzt

Dresden: Natur- und Umweltbildung in der Kleingartenanlage Flora I

Regensburg: Lebensraum für Eidechsen in Kleingartenanlagen

Imagewandel des Kleingartenwesens ist spürbar: Das gestiegene Interesse und die größere Offenheit des Kleingartenwesens in großen Städten führen nicht nur zu einer höheren Nachfrage nach Kleingärten, sondern verbessert auch das Image. Das zeigt sich zum einen medial. Das Kleingärtnern wird wie das Gärtnern insgesamt attraktiver und gehört zunehmend zum Mainstream, was zahlreiche TV-Beiträge und Berichte der Printmedien verdeutlichen. Der Imagewandel ergibt sich zugleich aus der intensiven Arbeit der Kleingärtnerorganisationen, ihrer stärkeren Öffnung und der früchtetragenden Nachwuchsarbeit insbesondere in den Städten.

Konzepte zur Kleingartenentwicklung sind inzwischen erprobte Instrumente: Immer mehr kommunale Verwaltungen haben solche Konzepte erarbeitet oder planen sie. In den befragten Kommunen trifft dies insgesamt auf 63 % zu, bei den Großstädten auf knapp 70 %. Dort haben sie sich zu einem wichtigen Planungsinstrument entwickelt, das das Grün- und Freiflächensystem weiter qualifiziert, Nutzungs- und Flächenkonkurrenzen minimiert und langfristig mehr Planungssicherheit zum künftigen Bedarf an Kleingärten und die dafür nötigen Flächen schafft. Kleingärtnerorganisationen sind daran beteiligt und bringen sich oft über bestehende Kleingartenbeiräte ein.

Der Druck auf Kleingartenflächen in den großen Städten steigt: Für den dringend benötigten Wohnungsbau und dessen Folgeeinrichtungen sind immer weniger kommunale Flächen in den großen Städten verfügbar. Dass es dennoch bislang zu keinen nennenswerten Bestandsreduzierungen bei Kleingärten aufgrund von Flächenumwidmungen gekommen ist, ist ein wichtiges Resultat des guten Zusammenwirkens von Kleingärtnerorganisationen und kommunalen Verwaltungen. Eine entscheidende Grundlage für den weitgehenden Erhalt der Kleingärtenbestände ist die konsequente Einhaltung des Bundeskleingartengesetzes. In Großstädten mit hohem Nutzungsdruck, immer weniger öffentlichen Flächen und wachsenden Flächenkonkurrenzen lassen sich Kleingartenanlagen nur auf dieser Basis auch langfristig sichern.

Es gibt innovative Ansätze in den großen Städten: Eine große Herausforderung für das Kleingartenwesen in wachsenden Kommunen mit Nachfragespitzen und Engpässen besteht darin, weitere Angebote zu generieren. Insbesondere in den Großstädten werden gemeinsam von Kleingärtnerorganisationen und Kommunen interessante Ansätze entwickelt und innovative Lösungen erprobt, um der wachsenden Nachfrage nach Kleingärten besser gerecht zu werden:

Beispiele für innovative Ansätze in großen Städten:

Neuanlage von Kleingärten bzw. Erweiterungen bestehender Anlagen:

75 % der Kommunen, die neue Kleingärten realisierten, gehen alternative Wege und setzen neue Konzepte um: An erster Stelle stehen kleinere Parzellen mit im Schnitt 150 bis 300 , eine verstärkte ökologische Orientierung und naturnahe Bewirtschaftung. Immer öfter werden auch bei größeren Wohnungsneubauvorhaben, wo es möglich ist, wohnnahe Kleingärten geschaffen. Inzwischen gibt es auch Beispiele, so in Hamburg und Freiburg, wo durch Lärmschutzmaßnahmen, etwa die Deckelung von Autobahnen oder Bundesstraßen, neue Flächen entstehen, die Potenzial für Kleingärten bieten.

Teilung von Gärten und Nachverdichtungen im Bestand:

Gärten zu teilen, wird von Stadt- und Regionalverbänden und kommunalen Verwaltungen durchaus als Möglichkeit angesehen, weitere Kleingärten zu schaffen und Engpässe zu beseitigen. Hierbei ist zwischen Teilungen meist sehr großer Gärten und dem systematischen Nachverdichten, wie in Hamburg, zu unterscheiden. Im ersten Fall lassen sich Engpässe in einzelnen Kleingartenanlagen reduzieren, im Falle Hamburgs liegt eine gesamtstädtische Strategie zugrunde, trotz Wachstumsdrucks und Flächenbedarfs für unterschiedliche Nutzungen die Zahl der Kleingärten zu erhalten.

Zuordnung von Grabeland oder anderer Gartenformen in Kleingartenbestände:

Grabeland oder andere Gärten in Kleingartenstrukturen einzubeziehen, kann aufgrund des gesetzlichen Rahmens für Kleingärten beitragen, Bestände zu sichern, vor allem beim Grabeland, das prinzipiell zur temporären Nutzung angelegt ist. Kommunen und Kleingärtnerorganisationen bemühen sich außerdem, Flächen zur gärtnerischen Nutzung anzubieten, die sich durch schwierige Rahmenbedingungen nur begrenzt als Kleingärten eignen, so beispielsweise Hochwasserbereiche.

Gemeinschaftsnutzungen von Parzellen:

Der demografische Wandel macht vor allem in den Großstädten auch vor dem Kleingartenwesen nicht halt. Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte steigt und auch in den Kleingartenvereinen und -anlagen bleiben teils Alleinlebende zurück. Auch das immer knapper werdende Zeitbudget zahlreicher junger Familien reicht oft nicht aus, einen Kleingarten komplett zu bewirtschaften. Damit steigt der Bedarf an kleineren Gartenflächen und liegt eine gemeinschaftliche Nutzung einzelner Parzellen nahe. Außerdem werden Parzellen oder auch Gemeinschaftsflächen Interessengruppen, darunter Kitas, Schulen und Senioreneinrichtungen zur Nutzung angeboten. Werden vor allem auf den Gemeinschaftsflächen zudem Beetgärten oder einzelne Hochbeete geschaffen, können ebenfalls mehr Nutzer gärtnern. In den Fallstudien gibt es zahlreiche Beispiel dafür.

Angebote außerhalb des Kleingartenwesens:

Aus städtischer Sicht tragen alle Garteninitiativen jenseits des organisierten Kleingartenwesens ggf. ebenfalls dazu bei, den Nachfragedruck auf Kleingärten zu verringern und das steigende Interesse am Gärtnern zu befriedigen. In dieser Hinsicht sind insbesondere die Großstädte in den letzten Jahren regelrecht aufgeblüht, Urban Gardening in seinen unterschiedlichen Ausprägungen ist nahezu in jeder Großstadt an zahlreichen Standorten zuhause. Es liegt auf der Hand, dass auch die Kleingärtner gerade in den Großstädten zunehmen mit diesen Initiativen zusammenarbeiten. Auch Wohnungsunternehmen können Garteninteressen bedienen, wenn sie Mietergärten anbieten, die jedoch nicht an einzelne Wohnungen gekoppelt sein sollten.

Vereine und Verbände engagieren sich für sozialen Zusammenhalt und mehr Natur- und Umweltbildung: Das Kleingartenwesen hat eine wichtige soziale Funktion, die in hochverdichteten und sozial immer heterogener werdenden Städten und Wohnquartieren besonders bedeutsam ist. Das gemeinsame gärtnerische Interesse verbindet in vielen Kleingartenanlagen Menschen unterschiedlicher sozialer Milieus, ethnischer Herkunft und Generationen, trägt durch die Vereinsstrukturen zu einem stärkeren Miteinander bei und erfüllt so auch eine wichtige Integrationsfunktion. Hervorzuheben ist, das umfangreiche Angebot zur Natur- und Umweltbildung, das oft in Kooperation mit benachbarten Bildungseinrichtungen insbesondere Kitas und Schulen erfolgt.

Beispiele für sozialen Zusammenhalt und Angebote der Kleingärtnervereine:

Dortmund: Zusammenarbeit mit Kitas

Jena: Kooperationen mit Bildungsträgern

Regensburg: Neues Vereins- und Verbandshaus in der Naturgartenanlage

Hannover: Gemeinschaftlicher Abenteuer- und Natur-Garten

Kleingärtnerorganisationen und ihre Vorstände sind vielfach herausgefordert: Die Organisation des Kleingartenwesens basiert auf dem Ehrenamt. Die Vorstände investieren viel freie Zeit und persönliches Engagement in diese Tätigkeit. Angesichts vieler neuer Aufgaben, die sich aus den beschriebenen Entwicklungen in den großen Städten, aber auch aus der Bewältigung des strukturellen Leerstands ergeben, ist die Arbeit umfangreicher und anspruchsvoller geworden. Viele Vorstände sind schon langjährig aktiv und der Generationenwechsel setzt sich auch bei der Neubesetzung der Vorstandsfunktionen fort. Während es in den großen Städten eher gelingt, dafür geeigneten Nachwuchs zu gewinnen, ist dies in Vereinen mit Nachfragerückgang deutlich schwerer.

Künftige Handlungsschwerpunkte für das Kleingartenwesen in verdichteten Räumen

Das Kleingartenwesen der Zukunft ist vor allem in großen Städten zuhause. Dort ist es konsequent als spezifischer und gleichwertiger Teil einer wohnortnahen und quartiersbezogenen städtischen grünen Infrastruktur anerkannt und meist entsprechend gesichert. Kleingärten werden in großen Städten zum positiven Standortfaktor. Sie stehen für wohnortnah nutzbare und erfahrbare grüne Inseln, für funktionierende Gemeinschaften im organisierten Kleingartenwesen, für bürgerschaftliches Engagement bei der Pflege und Werterhaltung von öffentlichen Grün- und Freiräumen und dafür, dass es auch in Großstädten möglich ist, individuelle gärtnerische Interessen umzusetzen. Angesichts dieser Herausforderungen lassen sich aus den Untersuchungsergebnissen thesenhaft die folgenden Handlungsschwerpunkte für die künftige Entwicklung des Kleingartenwesens in großen Städten ableiten:

  • Das Kleingartenwesen in wachsenden Großstädten zukunftsfähig zu machen, muss strategisch vorbereitet und im Konsens zwischen Kleingärtnerorganisationen, Verwaltung und Politik entwickelt werden. Konzepte zur Kleingartenentwicklung sind dafür ein geeignetes Instrument, wenn sie bindend sind, Konsequenzen zur Umsetzung und Finanzierung formulieren und alle Beteiligten am Ende etwas davon haben. Wird ein solches Konzept nicht erstellt, sollten dennoch Zielgrößen für den dauerhaften Kleingartenbestand verbindlich vereinbart werden. Der Gesamtstrategie müssen geeignete Maßnahmen für einzelne Standorte, die vor allem der Gemeinschaft zugutekommen, und die Suche nach Flächenreserven folgen.

  • Kommunale Planungen und Strategien für lokale Grüne-Infrastruktur-Netze müssen die Kleingartenanlagen noch stärker miteinbeziehen. Das setzt nicht nur öffentliche Zugänglichkeit und Durchlässigkeit voraus, sondern vor allem die Bereitschaft, das öffentliche Grün mit anderen zu teilen. Insbesondere Maßnahmen für mehr Offenheit und Durchlässigkeit in den Kleingartenanlagen sowie zur Profilierung ihres spezifischen Charakters zeigen Wirkung, müssen aber auch konsequent eingefordert und umgesetzt werden. So kann es gelingen, die Bedeutung der Kleingärten für große und dichter werdende Städte noch deutlicher zu machen und zugleich die öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung zu erreichen, die für Bestandssicherung und Perspektiven des Kleingartenwesens notwendig sind.

  • Kleingartenanlagen gehören in die Städte. Kleingärten müssen als kleinteilige grüne Inseln auch unter dem Primat der Innenentwicklung künftig in innenstadtnahen Wohnquartieren erhalten bleiben. Selbst bei hohem Wachstumsdruck und Ansprüchen auf diese begehrten Flächen sollte eine periphere Verlagerung eher die Ausnahme sein. Werden dennoch Wohnungsbauvorhaben auf Kleingartenflächen umgesetzt, sollten Teilbereiche der bisherigen Kleingartenanlagen möglichst erhalten bleiben und darüber hinaus nachverdichtet werden. Bei neuen Quartiersentwicklungen mit mehrgeschossigem und meist hochverdichtetem Wohnungsbau müssen Kleingärten als grüne und soziale Infrastruktur von vornherein in Freiraumkonzepten und -planungen mitgedacht werden.

  • Bestehende Kleingartenanlagen in wachsenden Kommunen müssen künftig effektiver als bisher genutzt werden. Kleingärtnerorganisationen haben dafür bereits gute Ansätze entwickelt: Parzellen teilen, gemeinschaftlich nutzen und Flächen für feste Gruppen und alternative Gartenkonzepte anbieten. Wenn allerdings erhebliche Engpässe aufzufangen sind oder es Ersatzmaßnahmen bei gleichzeitig fehlenden Reserveflächen braucht, müssen geeignete Anlagen mittel- und langfristig nachverdichtet werden. Diese sehr aufwändigen Umstrukturierungsprozesse können die Kleingärtnerorganisationen nicht allein bewältigen. Das geht nur mit der Kommune als Eigentümer, die über die erforderliche Planungskompetenz und Umsetzungskraft verfügt. Näher zusammenzurücken, setzt Verständnis bei den Kleingärtnern und einen offenen Umgang mit ihnen voraus.

  • Besteht die Chance, neue Kleingartenanlagen zu entwickeln, dann sollten auch weiterhin neue Wege beschritten werden. Dabei geben die jeweils aktuellen Herausforderungen an das Kleingartenwesen die Richtung für Konzepte und Gestaltungen vor. Derzeit liegen die Akzente auf sparsamem Flächenverbrauch, Ressourcenschonung, Multicodierung, Naturorientierung, mehr Individualität und Vielfalt, aber auch auf einer Renaissance des Einfachen. Bevorzugt werden aktuell eher kleine Anlagen im Umfeld städtischer Wohnbebauung. An diesen Eckpunkten sollte auch künftig festgehalten werden.

  • Kleingartenanlagen müssen in großen und hoch verdichteten Städten mit einem hohen Druck auf den öffentlichen Freiraum zunehmend mehr sein als vorrangig individuell nutzbare Gartenflächen. Die Gemeinschaftsbereiche als öffentlich zugängliche Grünflächen zu entwickeln und auch anderen Zielgruppen in vielfältiger Weise zur Nutzung anzubieten, muss noch mehr Schule machen. Empfehlenswert sind einladende Eingangsbereiche, keine oder wenig Zäune, die Einbindung in übergeordnete Wegenetze, Spiel- und Aufenthaltsbereiche, auch Gastronomie, Schaukästen, Lehrpfade und insgesamt mehr öffentliche Angebote. Diese Entwicklungen sind vielfach in Gang gekommen, Kommunen und Kleingärtnerorganisationen müssen sie jedoch noch stärker verfolgen. Dafür braucht es gegenseitiges Verständnis und Unterstützung auch konzeptionell, vor allem aber hinsichtlich der Verantwortung für Unterhalt und Pflege der Gemeinschaftsflächen. Die Entwicklung von Kleingartenparks kann dafür als Modell stehen.

  • Der eingeschlagene Weg, Kleingartenanlagen und Kleingärten ökologisch zu bewirtschaften, muss konsequent weiter beschritten werden, um die Effekte für die Natur und die Lebensqualität in den Städten tatsächlich zu sichern. Darauf muss die Arbeit in den Vereinen und die Fachberatung, die diese Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten bereits stark vorangebracht hat, weiterhin ausgerichtet sein oder noch verstärkt werden. In Kleingartenanlagen, die langfristig Bestand haben oder neu entstehen, sollten geeignete Flächen und Maßnahmen als Ausgleichspotenziale herangezogen und entsprechend entwickelt werden.

  • Das Kleingartenwesen muss auch künftig offen sein für alle Interessierten, keine Gruppe darf ausgeschlossen werden. Neuen Gartenpächtern ist zu vermitteln, dass kleingärtnerische Interessen und Nutzungen im Mittelpunkt stehen müssen. Kleingärten müssen bezahlbar bleiben, was weniger die laufenden Kosten als die zu zahlenden Ablösesummen für Gärten und Lauben in wachsenden Kommunen und nachgefragten Anlagen betrifft. Dafür müssen Ausstattungen und individuelle Investitionen vor allem in und an den Lauben im Rahmen bleiben. Darüber hinaus ist es hilfreich, wenn Kommunen oder Kleingärtnerorganisationen Förderungen für Haushalte mit geringeren Einkommen ermöglichen.

  • Die intensiven Kooperationen und der lebendige Austausch zwischen Kleingärtnervereinen und ihren vielfältigen Nachbarschaften müssen in großen und hoch verdichteten Städten auch künftig zum Alltag gehören. Die Ressourcen, die die Kleingärten unter anderem für Naturerfahrung, das Spielen im Freien, Umweltbildung, Kenntnisse über Pflanzen, Wissen zur gesunden Ernährung und Verarbeitung heimischer Gartenprodukte darstellen, müssen noch stärker mit anderen Stadtbewohnern geteilt werden, die keine Gärten gepachtet haben. Das dafür erforderliche Ehrenamt in den Vereinen muss ebenso wie das bürgerschaftliche Engagement für Teile des öffentlichen Grüns verstärkt öffentlich wertgeschätzt und unterstützt werden.

  • Angesichts der neuen Herausforderungen müssen sich die Kleingärtnerorganisationen vor allem auf kommunaler Ebene stärker professionalisieren, da das auf Ehrenamt beruhende Kleingartenwesen vielfach an seine Grenzen stößt. Auch innerhalb der Kommunen müssen Politik und Verwaltungsressorts, die mit dem Kleingartenwesen befasst sind, Konsens über die lokale Bedeutung, Entwicklungsoptionen und die gemeinsame Verantwortung erreichen. In dem Zusammenhang ist auch die Verantwortung für die zahlreichen Aufgaben, die vor allem im öffentlichen Interesse liegen, zu klären und gegebenenfalls neu zu ordnen. Die Auswirkungen des Wachstumsdrucks in Großstädten auf das Kleingartenwesen müssen verstärkt mit guten Beispielen kommuniziert werden, zum Beispiel in Wettbewerben.

Zugehörige Forschungsprojekte

Kleingärten im Wandel – Innovationen für verdichtete Räume

Status: Abgeschlossen Laufzeit: Juli 2017–Mai 2019

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