Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt Gemeinwohlorientierte Initiativen in der Quartiersentwicklung

Ergebnisse

Auswahl der 12 gemeinwohlorientierten Initiativen

Folgende Initiativen wurden anhand eines Auswahlrasters, das verschiedene Aspekte wie etwa den Quartiersbezug der Initiative, die Trägerschaft und aktiven Akteure, die inhaltliche Ausrichtung oder den Bezug zur Städtebauförderungen umfasst, ausgewählt und wurden im Rahmen der Studie analysiert:

Ab geht die Lucie!, Bremen
Initiiert von einigen Anwohnerinnen aus der Nachbarschaft gründete sich der KulturPflanzen e.V., der sich für die Belebung und Begrünung des bis dato wenig genutzten Lucie-Flechtmann-Platzes in Bremen einsetzt. Gemeinsam mit dem angrenzenden Pflegeheim, einer Kita und weiteren Bürgerinnen und Bürgern etablierte er 2013 einen öffentlichen Gemeinschaftsgarten auf dem Platz. Neben dem Gärtnern wurde der Platz für diverse Veranstaltungen genutzt. Zusammen mit der Stadt Bremen wurde 2015 ein Konzept zur Umgestaltung des Platzes zu einem „echten“ Garten erarbeitet. Im Sommer 2018 startete der Gemeinschaftsgarten daher nach einer Umbaupause in die nächste Phase.

www.ab-geht-die-lucie.blogspot.com

Café Tür an Tür, Augsburg
Der Tür an Tür – miteinander wohnen und leben e.V. mietete eine ehemalige Busgarage und baute diese mit viel Eigenleistung zu einem offenen Treffpunkt aus. Im hauptsächlich ehrenamtlich betriebenen Café Tür an Tür begegnen sich Mitarbeiter und Besucher des angrenzenden Zentrums für interkulturelle Beratung (zib.), Nachbarn, Geflüchtete und Angestellte benachbarter Firmen. Neben dem Cafébetrieb werden die Räumlichkeiten regelmäßig für kulturelle Veranstaltungen, private Feiern oder Treffen von weiteren Initiativen genutzt.

www.tuerantuer.de/cafe

Menschenskinder – Werkstatt für Familienkultur e.V., Darmstadt
Der Verein Menschenskinder e.V. betreibt in der Großwohnsiedlung Kranichstein eine inklusive Kindertagesstätte sowie eine Familienwerkstatt. In den Räumlichkeiten eines ehemaligen Tagungszentrums und auf einer angrenzenden Freifläche werden neben dem regulären Kita-Betrieb unterschiedliche Beratungs-, Unterstützungs- und Freizeitangebote für Familien und Kinder angeboten. Darüber hinaus stehen Begegnungsorte für Familien und Stadtteilbewohner zur Verfügung (z.B. Zweites Wohnzimmer, Café Menschenskinder). Den Umbau des ehemaligen Hallenbades zu einem Bewegungsraum, einer (Forscher-)Werkstatt und einem Café leistete der Verein in Eigenregie.

www.menschenskinder-darmstadt.de

Dünenfüchse, Bonn
Entsprungen aus einer Mieterinitiative hat sich der Dünenfüchse Bonn-Tannenbusch e.V. gegründet. Er setzt sich für ein lebendiges Zusammenleben in der HICOG-Siedlung ein. In einem angemieteten Pavillon bietet er einen Ort für Veranstaltungen, Bildung und eine kleine Bücherei. Zudem organisiert er regelmäßig Ausflüge und Feste für die Nachbarschaft. Seit 2017 hat sich das Engagement um einen Gemeinschaftsgarten erweitert.

www.duenenfuechse.de

Initiative Dorf Zukunft, Flegessen/Hasperde/Klein-Süntel
In dem eingetragenen Verein „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“ organisieren sich Menschen aus den zur niedersächsischen Stadt Bad-Münder gehörenden Ortschaften Flegessen, Hasperde und Klein-Süntel. Die Ideenwerkstatt ist 2012 als Initiative anlässlich der drohenden Schließung der Grundschulen in Hasperde und Flegessen sowie der bereits geschlossenen lokale Kneipe und der lokalen Einzelhändler gestartet. Bereits auf dem ersten Treffen der Initiative wurde – neben vielem anderen – die Idee geboren, einen Dorfladen einzurichten. Dieser ist mittlerweile gebaut und wird ehrenamtlich betrieben. Neben vielen weiteren Projekten, die aus dem Zusammenschluss entstanden sind, hat die Initiative außerdem eine neue Dorfzeitung angestoßen und plant, das Pfarrhaus in Eigenregie zu sanieren und zu übernehmen. Neben einem generationen-übergreifenden Wohnprojekt soll dort ein multifunktionales Haus der Gemeinschaft, Kultur und Vereine hergerichtet werden.

www.ideenwerkstatt-dorfzukunft.de
www.suentellaedchen.de

Peter-Weiss-Haus, Rostock
Der Peter-Weiss-Haus e.V. kaufte 2008 das sanierungsbedürftige und denkmalgeschützte ehemalige Haus der Freundschaft in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Seither betreibt er es in Selbstverwaltung als freies Bildungs- und Kulturzentrum. Er trägt Sorge für die Sanierung und Instandhaltung des Gebäudes und tritt zugleich als Vermieter für eine Reihe von gemeinnützigen Bildungs- und Kulturträgern auf. Zwischen allen Hausnutzern besteht ein enges Netzwerk. Im Quartier hat sich das Peter-Weiss-Haus als wichtiger Ort für Veranstaltungen, Gastronomie und Kultur etabliert.

www.peterweisshaus.de

Pöge-Haus, Leipzig
Das leerstehende Pöge-Haus im Leipziger Osten wurde seit 2009 durch das Engagement unterschiedlicher Akteure aus der Kultur- und Kreativszene wieder mit Leben gefüllt. Im Jahr 2014 erwarb die aus diesem Engagement hervorgegangene Kultur- und Wohnprojektgesellschaft Leipzig Neustadt mbH das Gebäude. Nach der Sanierung dient das Haus heute als Wohn- und Arbeitsort, als soziokulturelles Zentrum und als Plattform für weitere Initiativen und Engagierte. Der Pöge-Haus e.V., ein Zusammenschluss von Künstlerinnen und Künstlern, Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Stadtteilakteuren ist Träger der vielfältigen Kulturaktivitäten im Pöge-Haus und dem umgebenden Stadtteil.

www.pöge-haus.de

Schwabehaus, Dessau
Der aus bürgerschaftlicher Initiative entstandene Schwabehaus e.V. kaufte 1998 das vom Abriss bedrohte denkmalgeschützte Gebäudeensemble und sanierte es umfassend. Die Räumlichkeiten werden vom Verein an gewerbliche Nutzer (u.a. eine Gastronomie) und Vereine vermietet. Zudem können die Räumlichkeiten für Veranstaltungen angemietet werden. Zusätzlich organisiert der Verein diverse kulturelle Veranstaltungen im Schwabehaus. Im Jahr 2007 erwarb der Verein die angrenzende Alte Bäckerei und erweiterte damit nach dessen Sanierung das Ensemble.

www.schwabehaus.de

Straze, Greifswald
Eine Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger hat es sich zum Ziel gesetzt, in Greifswald einen Ort für ein gemeinschaftliches Miteinander zu schaffen. Sie erwarben ein vom Abriss bedrohtes Gebäude, erstellten ein tragfähiges Nutzungskonzept und begannen mit der Sanierung. Dabei spielen Eigenleistungen der Engagierten eine große Rolle. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird die Straze u.a. Büro , Seminar- und Lagerräume für Vereine, Initiativen und Gewerbetreibende, Wohnraum und Orte für kulturelle Veranstaltungen bieten. Um abzusichern, dass das Gebäude auch langfristig nur gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung steht, wurde das Eigentumsmodell des Mietshäuser Syndikats gewählt.

www.straze.de

Union Gewerbehof und InWest eG, Dortmund
Bereits in den 1980er Jahren aus der Eigeninitiative arbeitsloser Menschen entstanden, bietet der Union Gewerbehof nach Ankauf und Umbau mittlerweile Räumlichkeiten für rund 90 kleine Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Die Union Gewerbehof für umwelt- und sozialverträgliche Techniken GmbH ist Betreiber des gesamten Ensembles. Aus dem Kreis der Nutzer des Gewerbehofs wurde gemeinsam mit weiteren Stadtteilakteuren 2012 zusätzlich die Stadtteilgenossenschaft InWest eG gegründet. Diese setzt sich für den Stadtteil und die Verstetigung des Stadtumbau-Prozesses ein, indem sie z.B. Leerstände anmietet und an bspw. Startups weitervermietet oder das Quartiersmanagement fortführt.

www.union-gewerbehof.de
www.unionviertel.de/inwest-eg

Dorfgemeinschaftshaus Neustädter Hof, Neustadt/Ovelgönne
Nach der Schließung des Gasthofs, der mit einem großen Saal, einer Kegelbahn und einem Kiosk den einzigen Treff- und Versorgungspunkt im Dorf bildete, gründete der Bürgerverein Neustadt-Rönnelmoor e.V. zunächst einen Arbeitskreis, aus dem dann die Gründung der Genossenschaft "Neustädter Hof" hervorging. Die Genossenschaft, von der viele Bürger Anteile erwarben, erarbeitete ein Konzept und erwarb das Gebäude. Nach der Sanierung, die mit viel Eigenleistung gestemmt wurde, eröffnete Ende 2013 erst ein kleiner Dorfladen, Ende 2014 wurde dann die Gaststätte als Dorfgemeinschaftshaus eröffnet. Das Veranstaltungsangebot im Saal reicht vom Spiele- und Theaterabend bis zum Dorfgemeinschaftsball. Vor allem am Wochenende wird das Haus auch für private Anlässe gebucht.

www.bv-neustadt-roennelmoor.de

Altes Pfarrhaus, Pirow-Ziegendorf
Das ehemalige Pfarrhaus in der ländlichen Gemeinde Ziegendorf, das im Eigentum der Kirchengemeinde ist, wurde von Ehrenamtlichen des Vereins Neues Landleben e.V. saniert und umgebaut, um es multifunktional für die Dorfgemeinschaft zu nutzen. Auch der zugehörige Garten wurde neu angelegt. Koordiniert durch Ehrenamtliche werden dort nun unterschiedliche Angebote für die Dorfgemeinschaft gemacht (z.B. Computerkurs, Nähstube, Kaffee-Treff). Die Räumlichkeiten können auch für private Veranstaltungen gemietet werden. Zusätzlich wird eine Ferienwohnung vermietet.

www.neues-landleben.de/pfarrhaus

Gemeinwohlorientierte Initiativen in der Quartiersentwicklung: Arbeits- und Wirkweisen

Engagierte Menschen und ihre Motive

Die Analyse der Fallbeispiele hat gezeigt, dass einzelne Personen der Initiativen ihr Engagement als gesellschaftlich sinnvoll und zugleich als individuell sinnstiftend erleben. Daraus beziehen sie ihre Motivation. Im Laufe der Gruppen- oder Initiativenentwicklung treten dann gemeinsame Interessen in den Vordergrund. Dabei braucht es häufig einen Kristallisationspunkt, an dem sich das Engagement bildet. Hinsichtlich ihres räumlichen Wirkungsanspruchs unterscheiden sich die Initiativen. Für manche steht ein breit angelegter Transformationsprozess der gesellschaftlichen Strukturen im Vordergrund, andere fokussieren sich auf die Gestaltung ihres unmittelbaren Umfelds.

Da viele Initiativen ehrgeizige Ziele und anspruchsvolle Projekte anstreben, bedarf es vielfältiger persönlicher und fachlicher Kompetenzen und Qualifikationen. Die engagierten Personen verbinden häufig ihre persönlichen und fachlich-beruflichen Kompetenzen mit ihrem Engagement für das Gemeinwohl. Die Projekte können erheblich von den Fachkenntnissen und den damit verbundenen Interessen sowie Netzwerken der Initiatoren profitieren.


Organisationsformen und Entscheidungsstrukturen

(Basis-)Demokratische Entscheidungsstrukturen aufzubauen, die gleichzeitig eine flexible Handlungsfähigkeit gewährleisten und die Motivation der Engagierten aufrechterhalten, ist eine dauerhafte Herausforderung für die Initiativen. Beeinflusst wird die Gestaltung der Strukturen durch die Zahl der Engagierten und die Komplexität der Aufgaben. Zumeist starten die Initiativen als kleine Gruppen, vornehmlich ohne komplexe Arbeitsteilung. Teilweise gibt es Initiativen mit sehr ausdifferenzierten Organisationsstrukturen. Dies begründet sich auch ganz pragmatisch darin, Aufgabenbereiche, die unterschiedlichen steuerlichen oder fördertechnischen Rahmenbedingungen unterliegen, zu trennen.

Der (gemeinnützige) Verein stellt zumeist die erste rechtliche Organisationsform dar. Die Gründung findet noch vor oder während der Immobiliensuche statt. Häufig wird auch bereits vor der Projektierung einer konkreten Immobilie inhaltliche Arbeit mit dem Verein geleistet. Weitere Schritte zur Änderung der Rechtsform bzw. Ausgründungen werden bedarfs- und prozessbezogen und prozessbegleitend unternommen. Häufig hat die gewählte Rechtsform kaum Einfluss auf das alltägliche Handeln und ist vor allem ein Rahmen zur Herstellung einer gewissen Verlässlichkeit gegenüber öffentlichen Institutionen, Finanzierungspartnern und Fördergebern.


Finanzierung und Förderung

Die Mehrzahl der untersuchten Initiativen ist als Immobilieneigentümer aktiv und hat aufwändige Bauvorhaben durchgeführt. Insgesamt bedienen sich die Initiativen einem kreativen Finanzierungsmix. Der Immobilienkauf und die Sanierung inklusive der anschließenden Bewirtschaftung werden als Gesamtfinanzierung konzipiert.

Ankauf und Sanierung der Immobilien wurde bei drei Initiativen durch Mittel der Städtebauförderung unterstützt. Große Investitionsvorhaben werden mit Krediten und Nachrangdarlehen finanziert. U.a. um ausreichend großes Eigenkapital aufzubauen, werden Schwarmfinanzierungs-Methoden genutzt. Wesentlicher Baustein der Finanzierung sind außerdem Eigenleistungen.

Die Programmgestaltung und somit auch die Finanzierung des laufenden Betriebs sind experimenteller Natur. Ferner wird immer wieder neu zwischen notwendiger Refinanzierung der Investition und nicht kostendeckenden Tätigkeiten (Gemeinwohlorientierung) austariert. In vielen Fällen werden öffentliche Fördermittel flankierend zu weiteren Einnahmequellen eingesetzt. Typischerweise werden im laufenden Betrieb leistungsbezogene Mittel mit den Erträgen aus dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (z.B. Gastronomie, Kultur) und weiteren Angeboten (z.B. Veranstaltungen) kombiniert. Einzelne Initiativen finanzieren sich vollständig ohne öffentliche Gelder.


Kooperationen und Netzwerke

Insgesamt wissen die Initiativen um die Bedeutung von Unterstützernetzwerken sowie Kooperationspartnern und knüpfen oftmals sehr frühzeitig Kontakte. Hierdurch sind sie häufig sehr gut im Stadtteil bzw. in ihrem thematischen Aufgabenbereich vernetzt. Unterscheiden lassen sich Initiativen, die einen starken Netzwerk-Charakter haben bzw. als offene Plattform funktionieren, von solchen, die vergleichsweise eigenständig und nur themen- und projektbezogen mit anderen Akteuren zusammenarbeiten und Initiativen, die feste Kooperationsstrukturen haben.


Kooperation mit der Kommune

Die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Initiative und Kommune hängt auf beiden Seiten von persönlichen Erfahrungen und Qualifikationen ab. Aufgrund persönlicher Eigenschaften nehmen häufig Einzelpersonen in den Initiativen eine interne Vermittler-Rolle ein. In der Regel sind auch einzelne Personen innerhalb der Verwaltung Ansprechperson für die Initiativen und ebnen den Weg in der Verwaltung. Initiativen und Kommunen haben verschiedene Handlungslogiken, die in unterschiedlich starker Ausprägung zu Schwierigkeiten im Umgang miteinander führen können. Probleme bergen u.a. die unterschiedlichen Arbeitskulturen, asymmetrische Informationslagen und Kommunikationsbeziehungen sowie konkurrierende Ziele.


Wirkungen in der Stadt- und Quartiersentwicklung

Die untersuchten Initiativen erzeugen verschiedene Wirkungen in den Quartieren. In vielen Fällen besetzen sie räumliche wie auch thematische Nischen, die für andere Akteure größtenteils nicht interessant sind. Damit verbunden schaffen sie Angebote, die unter rein marktwirtschaftlichen Bedingungen in der Regel nicht oder nur in Teilbereichen kostendeckend sind. Durch ihr Engagement nehmen sie außerdem städtebaulich Einfluss. Sie werden Akteure der Immobilienentwicklung und setzten Flächen und Gebäude in Wert. Sie investieren mit den entsprechenden wirtschaftlichen Folgeeffekten und verbessern das städtebauliche Bild für ihre Nachbarschaft. Mit den Immobilien schaffen sie zudem Räume für vielfältige Nutzungen, darunter (Klein-)Gewerbe und Einzelhandel, Gastronomie und Beherbergung, Kultur und soziale Aktivitäten. Zusätzlich werden die Räume von Vereinen und sonstigen Initiativen genutzt. Somit wirken die Initiativen oftmals auch als Plattform und Netzwerke. Sie bieten Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten und bauen (Quartiers-)Netzwerke auf. Da die Initiativen außerdem häufig innovative und alternative Konzepte umsetzen, bringen sie Vielfalt in die Quartiere. Zuletzt ist bedeutend, dass die Initiativen zur (Selbst-)Ermächtigung beitragen. Entlang der vielfältigen Anforderungen qualifizieren sich die Engagierten selbst. Sie werden in ihrem Arbeitsfeld und oftmals auch in der Immobilienbewirtschaftung und Quartiersentwicklung zu Experten. Dabei sind sie auch Vorbild und Mutmacher für andere. Zum Teil geben die Initiativen ihr Wissen aktiv beratend weiter.


Schlussfolgerungen: Unterstützungsbedarfe und Unterstützungsmöglichkeiten

Die untersuchten Initiativen tragen auf unterschiedliche Weise positiv zur Quartiersentwicklung bei. Unterstützungsmöglichkeiten bestehen vor allem beim Zugang zu (günstigen) Immobilien und Grundstücken und im Einzelfall bei der Finanzierung der Vorhaben. In Abhängigkeit von den in der Gruppe vorhandenen Kompetenzen entsteht ferner ein Bedarf nach zusätzlicher Expertise.

Die untersuchten Initiativen äußern bisweilen eine Zurückhaltung gegenüber Förderangeboten. Dahinter steht die Erfahrung oder Sorge, durch Förderregularien zu sehr in der Handlungsflexibilität eingeschränkt zu werden. Die Initiativen beziehen gerade in der Anfangsphase ihre Motivation aus schnell erzielten Erfolgen, die nicht nur eine Flexibilität im Handeln, sondern zugleich Pragmatismus und Improvisationsgeschick erfordern.

Ob eine Initiative als förderwürdig einzustufen ist, sollte jeweils aus dem lokalen Kontext heraus beurteilt werden. Eine überzeugende Idee und eine verlässliche sowie glaubhaft engagierte Gruppe sind wesentliche Voraussetzungen. Ob das konkrete Projekt einen spezifischen Bedarf oder ein besonderes Problem im Quartier trifft, kann ebenfalls am besten vor Ort beurteilt werden. Da insbesondere in der frühen Phase der Initiativen- und mit ihr verbundenen Konzeptentwicklung nicht exakt abzuschätzen ist, welches Ergebnis erzielt werden kann, sollte die Unterstützung weniger auf Kontrolle setzen und stattdessen basierend auf einem Vertrauensvorschuss partnerschaftlich-unterstützend agieren.

Bezogen auf die spezifischen Bedarfe der Initiativen wäre ein „Regional- oder Gemeinwohl-fonds“ denkbar, der im privat-zivilgesellschaftlichen Bereich verankert ist. Der Fonds könnte eine Anschubfinanzierung aus dem öffentlichen Bereich erhalten, wäre jedoch aus den Beschränkungen der öffentlichen Haushalte herausgelöst und könnte zugleich privates Kapital einbinden. Im Vorfeld weitergehender Überlegungen ist die Machbarkeit derartiger privat-zivilgesellschaftlich verankerter und öffentlich flankierter Regionalfonds zu überprüfen.

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