Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Zukunft im Bestand – Entwicklungsperspektiven für historische Schlüsselgebäude

Projektsteckbrief

  • Status Laufend
  • Start Januar 2018

Das Forschungsvorhaben untersucht den kommunalen Umgang mit historisch wertvollen Schlüsselgebäuden in Quartieren der Städtebauförderung, die unter dringlichem Handlungsbedarf stehen. Vor Ort zu erstellende Machbarkeitsstudien sollen städtebauliche und nutzungsbezogene Handlungsperspektiven schaffen. In Zusammenarbeit mit den Ländern und Experten wählt das Forschungsteam die Modellprojekte aus und begleitet sie wissenschaftlich. Ziel ist es, praktische Erkenntnisse mit einer hohen Übertragbarkeit auf andere historische Schlüsselgebäude zu gewinnen.

Projektstart: Januar 2018

Ausgangslage

Historische Bausubstanz unterschiedlicher Zeitschichten prägt das Erscheinungsbild unserer Städte und Gemeinden. Sie dient als Identifikationsanker für Bewohnerinnen und Bewohner und kann darüber hinaus als Standortfaktor für die Wirtschaft oder den Tourismus von Bedeutung sein.

Für einzelne Stadtbereiche spielen insbesondere historische Gebäude/Ensembles eine Rolle, die aufgrund ihrer stadtbildprägenden, identitätsstiftenden und städtebaulichen Wirkung eine besondere Schlüsselfunktion für das direkte Umfeld und dessen Entwicklung besitzen. Das können Großobjekte wie Kirchen, Schulen, Bahnhöfe, Industriekomplexe, Verwaltungsgebäude und Schwimmbäder sein oder Gebäude in der geschlossenen Bebauung wie markante Eckgebäude. Dabei handelt es sich um historische Gebäudebestände aus unterschiedlichsten Zeiten bis 1970, die unter Denkmalschutz stehen, zur besonders erhaltenswerten Bausubstanz zählen oder stadtbildprägende Bestandsgebäude sind.

Ziel

Es ist ein politisches Anliegen, das unter anderem in der Leipzig-Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt festgeschrieben ist, diese historische Bausubstanz zu erhalten und weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund haben das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ein Forschungsvorhaben mit einer zweijährigen Laufzeit aufgelegt. Es dient der Weiterentwicklung der Städtebauförderung insgesamt, der Offenlegung der Bedeutung von Schlüsselgebäuden für alle Städtebauförderprogramme, der Einordnung fördertechnischer Unterstützungsbedürftigkeit von Schlüsselgebäuden in Deutschland und der konkreten Entwicklung von Förderperspektiven für ausgewählte Modellprojekte. Die Mitwirkungsbereitschaft der Länder und Kommunen ist außerordentlich wichtig, damit das Forschungsvorhaben gelingt.

Das Forschungsteam untersucht somit den Umgang mit historischen Schlüsselgebäuden mit dringlichem Handlungsbedarf in Quartieren/Stadtbereichen der Städtebauförderung unter Schrumpfungs- und Wachstumsbedingungen in der kommunalen Handlungspraxis.

Zunächst wertet es fertiggestellte Projekte aus, die die Aspekte Substanzerhalt, Fördermitteleinsatz, kommunales Handeln und Akteurseinbindung, Nutzungskonzept und Quartiersentwicklung auf innovative Weise zusammendenken und dies erfolgreich umgesetzt haben. Folgende Aspekte sollen die fertiggestellten Praxisbeispiele illustrieren: die Bedeutung historisch wertvoller Schlüsselgebäude für die Quartierentwicklung unter Schrumpfungs- und Wachstumsbedingungen, die bereits erfolgreich angewandten Strategien, Instrumente und Verfahren sowie die Konstellation der beteiligten Akteure, die Finanzierung und die Rahmenbedingungen der Förderung.

Darauf aufbauend wählt das Forschungsteam in Programmkommunen der Städtebauförderung sechs Modellprojekte aus, die es wissenschaftlich begleitet. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Ländern, die dem Bund Vorschläge zu Modellprojekten unterbreiten. Die Vorauswahl der Modellprojekte aus den unterschiedlichen Programmen der Städtebauförderung erfolgt in einer Expertenrunde.
Für die umzusetzenden Modellprojekte sollen Entwicklungskonzepte für historische Schlüsselgebäude mit dringlichem Handlungsbedarf im Hinblick auf eine Quartiersperspektive untersucht werden. In den ausgewählten Modellprojekten erarbeitet das Forschungsteam deshalb für das jeweilige Schlüsselgebäude eine Machbarkeitsstudie.

Die Schwerpunkte der Machbarkeitsstudien liegen in der Ermittlung der städtebaulichen Wirkungszusammenhänge der Schlüsselgebäude und den sich daraus ableitbaren Entwicklungsperspektiven. Es sollen Strategien zur Schaffung langfristiger Entwicklungsperspektiven unter Wachstums- und Schrumpfungsbedingungen, zur Substanzsicherung durch Zwischen-, Um- und Weiternutzung, durch Zusammenführung der handelnden Akteure, zur Schaffung von Multiplikatoreffekten und zur Steigerung der Marktfähigkeit entstehen. Die Erkenntnisse zum Umgang mit historisch wertvollen Schlüsselgebäuden in Kommunen mit spezifischen städtebaulichen Problemlagen werden im Rahmen von Veranstaltungen und in Form einer Arbeitshilfe für die kommunale Praxis aufbereitet.

Das Forschungsvorhaben läuft bis April 2020.

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