Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Zukunft im Bestand – Entwicklungsperspektiven für historische Schlüsselgebäude

Projektsteckbrief

Das Forschungsvorhaben untersuchte den kommunalen Umgang mit historisch wertvollen Schlüsselgebäuden in Quartieren der Städtebauförderung, die unter dringlichem Handlungsbedarf stehen. Vor Ort erstellte Machbarkeitsstudien schufen städtebauliche und nutzungsbezogene Handlungsperspektiven. In Zusammenarbeit mit den Ländern, Expertinnen und Experten wählte das Projektteam die Modellvorhaben aus und begleitete sie wissenschaftlich. Ziel war es, praktische Erkenntnisse mit einer hohen Übertragbarkeit auf andere historische Schlüsselgebäude zu gewinnen.

Ausgangslage

Historische Bausubstanz unterschiedlicher Zeitschichten prägt das Erscheinungsbild unserer Städte und Gemeinden. Sie dient als Identifikationsanker für Bewohnerinnen und Bewohner und kann darüber hinaus als Standortfaktor für die Wirtschaft und den Tourismus von Bedeutung sein.
Für einzelne Stadtbereiche spielen insbesondere historische Gebäude/Ensembles eine Rolle, die aufgrund ihrer stadtbildprägenden, identitätsstiftenden und städtebaulichen Wirkung eine besondere Schlüsselfunktion für das direkte Umfeld und dessen Entwicklung besitzen. Dieses können Großobjekte wie Kirchen, Schulen, Bahnhöfe, Industriekomplexe, Verwaltungsgebäude und Schwimmbäder sein oder Gebäude in der geschlossenen Bebauung wie markante Eckgebäude. Dabei handelt es sich um historische Gebäudebestände aus unterschiedlichsten Zeiten bis 1970, die unter Denkmalschutz stehen können, zur besonders erhaltenswerten Bausubstanz zählen oder stadtbildprägende Bestandsgebäude sind.

Ziel

Es ist ein politisches Anliegen, das unter anderem in der Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt und nun auch in der Neuen Leipzig-Charta festgeschrieben ist, diese historische Bausubstanz zu erhalten und weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund legten das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ein Forschungsvorhaben mit einer mehrjährigen Laufzeit auf. Es diente der Weiterentwicklung der Städtebauförderung insgesamt, der Offenlegung der Bedeutung von Schlüsselgebäuden für alle Städtebauförderungsprogramme, der Einordnung fördertechnischer Unterstützungsbedürftigkeit von Schlüsselgebäuden in Deutschland und der konkreten Entwicklung von Förderperspektiven für ausgewählte Modellvorhaben. Die Mitwirkungsbereitschaft der Länder und Kommunen war für das Gelingen des Forschungsvorhabens außerordentlich wichtig.

Das Projektteam untersuchte somit den Umgang mit historischen Schlüsselgebäuden mit dringlichem Handlungsbedarf in Quartieren/Stadtbereichen der Städtebauförderung unter Schrumpfungs- und Wachstumsbedingungen in der kommunalen Handlungspraxis.

Zunächst wertete es fertiggestellte Projekte aus, die die Aspekte Substanzerhalt, Fördermitteleinsatz, kommunales Handeln und Akteurseinbindung, Nutzungskonzept und Quartiersentwicklung auf innovative Weise zusammendenken und dies erfolgreich umgesetzt haben. Folgende Aspekte sollten die fertiggestellten Praxisbeispiele illustrieren: die Bedeutung historisch wertvoller Schlüsselgebäude für die Quartierentwicklung unter Schrumpfungs- und Wachstumsbedingungen, die bereits erfolgreich angewandten Strategien, Instrumente und Verfahren sowie die Konstellation der beteiligten Akteure, die Finanzierung und die Rahmenbedingungen der Förderung.
Darauf aufbauend wählte das Projektteam in Programmkommunen der Städtebauförderung sechs Modellvorhaben aus und begleitete sie wissenschaftlich. Dies erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den Ländern, die dem Bund Vorschläge zu Modellvorhaben unterbreiteten. Die Vorauswahl der Modellprojekte aus den unterschiedlichen Programmen der Städtebauförderung erfolgte in einer Expertenrunde.

Für die umzusetzenden Modellvorhaben sollten Entwicklungskonzepte für historische Schlüsselgebäude mit dringlichem Handlungsbedarf im Hinblick auf eine Quartiersperspektive untersucht werden. In den ausgewählten Modellvorhaben erarbeitete das Projektteam deshalb für das jeweilige Schlüsselgebäude eine Machbarkeitsstudie im Zeitraum von sechs Monaten (Januar bis Juni 2021). Die Schwerpunkte der Machbarkeitsstudien lagen in der Ermittlung der städtebaulichen Wirkungszusammenhänge der Schlüsselgebäude und den sich daraus ableitbaren Entwicklungsperspektiven. Es sollten Strategien zur Schaffung langfristiger Entwicklungsperspektiven unter Wachstums- und Schrumpfungsbedingungen, zur Substanzsicherung durch Zwischen-, Um- und Weiternutzung, durch Zusammenführung der handelnden Akteure, zur Schaffung von Multiplikatoreffekten und zur Steigerung der Marktfähigkeit entwickelt entstehen.

Die Erkenntnisse zum Umgang mit historisch wertvollen Schlüsselgebäuden in Kommunen mit spezifischen städtebaulichen Problemlagen wurden im Rahmen von Veranstaltungen und werden in Form einer Publikation für die kommunale Praxis und die interessierte Fachöffentlichkeit aufbereitet.

Auftragnehmer war complan Kommunalberatung GmbH aus Potsdam.

Kontakt

  • Christoph Vennemann
    Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)
    Referat RS 7 „Baukultur, Städtebaulicher Denkmalschutz“
    Telefon: +49 228 99401-1246
    E-Mail: christoph.vennemann@bbr.bund.de

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