Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Laufende Raumbeobachtung - Raumabgrenzungen

Raumtypen 2010

Die Raumtypen 2010 basieren, ähnlich wie die Raumstrukturtypen ROB 2005, auf der Betrachtung von zwei wesentlichen räumlichen Strukturmerkmalen: Dichte und Lage. Im Unterschied zu den Raumstrukturtypen ROB 2005 gehen beide Merkmale jedoch keine feste Verbindung ein, sondern bleiben als getrennte, selbständige Typisierungen erhalten. Die Möglichkeit der Kombination besteht weiterhin.

Raumtypen 2010: Lage

Die Typisierung der räumlichen Lage beruht auf einer Betrachtung der Konzentration von Bevölkerung und Arbeitsplätzen und die Nähe zu diesen Räumen. Die Nähe zu den Räumen mit einem großen Angebot an Beschäftigungsmöglichkeiten und Versorgungseinrichtungen ist entscheidend für die Lagegunst und damit auch für die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen.

Die Operationalisierung erfolgt anhand des BBSR-Erreichbarkeitsmodells, indem eine vollständige Quelle-Ziel-Matrix aller rund 4.600 Gemeindeverbände berechnet wird. Ermittelt wird das innerhalb von zwei Stunden Fahrzeit im motorisierten Individualverkehr erreichbare Tagesbevölkerungspotenzial für alle Gemeindeverbände. Die Tagesbevölkerung wird durch Einwohner zuzüglich Einpendler abzüglich Auspendler errechnet. Dadurch wird die Bedeutung der Zentren als Arbeitsmarkt berücksichtigt. Da über die Einkaufs-, Freizeit- und Ausbildungsverkehre keine flächendeckenden Informationen vorliegen, können so zwar nicht die vollständigen funktionalen Verflechtungen von Orten abgebildet werden. Der Berufsverkehr macht rund 20% der gesamten Personenverkehrsleistung in Deutschland aus. Die Tagesbevölkerung des Zentrums und der Gemeindeverbände, deren Siedlungsschwerpunkte innerhalb von zwei Stunden Fahrzeit erreichbar sind, werden im sogenannten Zentralitätsindex  kumuliert.

Die Schwellenwerte zur Typisierung der erreichbaren Tagesbevölkerung in vier Kategorien "Lage" orientiert sich am  Mittelwert von 183.000 Tagesbevölkerung +/- 1 Standardabweichung:

Schwellenwerte "Erreichbare Tagesbevölkerung" der Lagetypen
LagetypSchwellenwert *
* Mittelwert +/- Standardabweichung
Quelle: BBSR 2011
sehr zentral410.000 und mehr
zentral183.000 bis unter 410.000
peripher81.000 bis unter 183.000
sehr peripherunter 81.000


Diese vier Abstufungen der räumlichen Lage lassen sehr deutlich die großräumigen Bevölkerungskonzentrationen erkennen  (siehe Karte). Entsprechend hoch ist der Bevölkerungsanteil mit 46% in sehr zentralen Lagen auf einem Flächenanteil von nur knapp 12%.

Aber auch der vermittelnde Einfluss durch die Qualität der Verkehrsinfrastruktur wird erkennbar, dort wo sie eine gute Erreichbarkeit der Bevölkerungskonzentrationen ermöglicht. So bilden neben den Randzonen der Ballungsräume  vor allem die großräumigen Verkehrsachsen zwischen den Ballungsräumen die als "zentral" eingestuften Lagen ab. Mit einem Flächenanteil von etwas mehr als 25% und einem Bevölkerungsanteil von knapp 30% liegt die Bevölkerungsdichte in diesen Räumen bereits weit unter der in sehr zentralen Lagen, aber noch knapp über dem Bundesdurchschnitt.

Räume in peripherer Lage verteilen sich jenseits der Ballungsräume und der großräumigen Verkehrsachsen über das gesamte Bundesgebiet. Hier leben rund 21% der Bevölkerung auf mehr als 43% der Fläche. Größere zusammenhängende Gebiete sehr peripherer Lage liegen neben einigen Küsten- und Grenzbereichen im Nordosten Deutschlands von der Altmark bis Vorpommern. Nur knapp 5% der Bevölkerung wohnt hier auf einem Flächenanteil von knapp 20%. Mit einer durchschnittlichen Einwohnerdichte von nur 55 Einwohnern je km² sind diese Räume nur dünn besiedelt.

Raumtypen 2010: Besiedlung

Für Auswertungen mit Regionalstatistiken müssen die Ergebnisse auf Gemeinden/Gemeindeverbände oder höhere Raumaggregate umgerechnet werden. Die Dimension "Besiedlung" unterscheidet auf Rasterebene zunächst nur zwei Typen: städtisch geprägte Umgebung und ländlich geprägte Umgebung. Bei der Aggregation auf Einheitsgemeinden und Gemeindeverbände sind die Zuordnungen "städtisch" und "ländlich" nicht immer eindeutig, weil die Einheiten meist gemischte Strukturen aufweisen. Daher werden auf Ebene der Gemeindeverbände drei Kategorien definiert:

  • überwiegend städtisch: Einheitsgemeinden und Gemeindeverbände mit mindestens 50% Flächenanteil städtisch geprägter Umgebung (Rasterzellen)
  • teilweise städtisch: Einheitsgemeinden und Gemeindeverbände mit einem Flächenanteil von mindestens 23% städtisch geprägter Umgebung oder mit einer absoluten Fläche städtisch geprägter Umgebung von mindestens 15 km². Ein Flächenanteil von 23% städtisch geprägter Umgebung ist Bundesdurchschnitt. 15 km² beträgt die Hälfte der Durchschnittsgröße aller Gemeindeverbände. Dieses absolute Kriterium trägt besonders den in jüngster Zeit durch Gemeindegebietsreformen gewachsenen Flächengrößen Rechnung.
  • ländlich: alle anderen Einheitsgemeinden und Gemeindeverbände

Kombination der Strukturmerkmale Lage und Besiedlung 

 

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