Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Forschungsprojekt: Netzausbau - warum?

Projektsteckbrief

  • Status Laufend
  • Start Juni 2014

Eine Auswertung des BBSR zeigt, in welchen Regionen Strom aus Erneuerbaren Energien entsteht und was das für die Netzinfrastruktur bedeutet.
Fachbeitrag: Juni 2014

Die Diskussion um die Energiewende wird derzeit vor allem von zwei Aspekten dominiert: Erstens von der im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) verankerten "Ökostromumlage". Sie treibt Kritikern zufolge die Stromkosten für die Verbraucher in die Höhe. Zweitens sind die Pläne zum Aus- und Umbau der Stromnetze in Politik und Öffentlichkeit umstritten. Der geplante Netzausbau stößt auf Widerstände vor Ort - insbesondere bei Bürgerinnen und Bürgern, die in der Nähe von geplanten "Stromautobahnen" leben.

Netzausbau ist also längst kein Nischenthema mehr, das nur Fachleute diskutieren. Die öffentliche Debatte ist der Tatsache geschuldet, dass sich die räumlichen Schwerpunkte der Stromerzeugung in den letzten Jahren stark verschoben haben. Mit dem Boom der Erneuerbaren Energien entsteht Strom heute in weitaus mehr und in anderen Regionen als bisher.

"Neue" Energieregionen sind - anders als konventionelle Kraftwerksstandorte - abhängig von Wind und Sonnenscheindauer oder den Biomassepotenzialen in der näheren Umgebung. Küsten, Mittelgebirgslagen und weitere ländlich geprägte Gebiete gehören inzwischen zu den Vorreitern der Energieproduktion. Meist liegen diese Regionen abseits der Verbrauchsschwerpunkte. Anlagen wie Windräder, Biomassekraftwerke oder Solaranlagen prägen inzwischen das Bild der Kulturlandschaften und stellen neue Anforderungen an die Planung.

Die erste Karte visualisiert die regionale Konzentration der Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien, auf der Grundlage der installierten Leistung der nach EEG geförderten Anlagen. Sie verdeutlicht, wo besonders viel Energie aus Erneuerbaren produziert wird, und damit den Bedarf an einem Aus- und Umbau der Versorgungsnetze.

Der Großteil des Strompotenzials aus Erneuerbaren im Nordwesten der Bundesrepublik stammt aus der Windenergie. Weitere Windenergie-Schwerpunkte liegen in den Mittelgebirgen und im Nordosten Deutschlands, wo auch die Biomasse einen großen Anteil an der installierten Leistung einnimmt. Die regionale Konzentration der potenziellen Leistung aus EEG-geförderten Anlagen im Süden und Südwesten wird von Solarstrom dominiert. Die Standorte der "konventionellen" Kraftwerke - vor allem Kohle, Atom und Gas - sind hingegen nach wie vor in den Ballungsräumen konzentriert, wie die folgende Karte zeigt. 60 Prozent der "konventionellen" Kraftwerksleistung entstehen dort, wo sie auch verbraucht werden. Die Erzeugungs- und Verbrauchsschwerpunkte sind durch Stromtrassen dicht vernetzt, um die Versorgungssicherheit insgesamt zu gewährleisten.

Die "konventionellen" Kraftwerke und die nach dem EEG geförderten Kraftwerke unterscheiden sich deutlich in ihrer Anlagenstruktur (vgl. Karte unten). So ist allein die installierte Leistung des Braunkohlekraftwerks in Bergheim-Niederaußem mehr als halb so groß wie die aller nach dem EEG geförderten Biomasse-Anlagen im Jahr 2013 zusammen. Die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Strommix führt folglich zu einer stärkeren Dekonzentration und einem höheren Flächenbedarf für die Stromerzeugung.

Der Vergleich der beiden Karten verdeutlicht den Bedarf an neuen Netzstrukturen, der sich aus dem Ausbau der erneuerbaren Energien ergibt. Darüber hinaus wird deutlich, dass sich die Stromerzeugung von den Zentren der Rohstoffförderung und Industrieproduktion in den ländlichen Raum verlagert und dort eine Veränderung der gewachsenen Kulturlandschaft nach sich zieht.

Kontakt

  • Thomas Pütz
    Referat I 5 - Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr
    Telefon: +49 228 99401-2300
    Fax: +49 228 99401-2356
    E-Mail: thomas.puetz@bbr.bund.de

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