Barrierefreiheit hat eine starke soziale Dimension: In einer inklusiven Gesellschaft, in der alle gleichberechtigt teilhaben, darf es keine Barrieren geben. Das gilt in der Stadt wie auf dem Land, für unsere Infrastruktur, die Mobilität oder auch das Thema Wohnen. Alle Menschen sollten innerhalb einer Stadt oder Gemeinde ungehindert agieren können – das ist die Idealvorstellung.
Vielerorts gibt es aber noch deutlichen Nachholbedarf. Stufen, Bordsteinkanten, enge Aufzüge, fehlende visuelle Kontraste oder schlecht durchdachte Leitsysteme – mit all dem müssen sich Menschen im öffentlichen Raum täglich auseinandersetzen. Ähnlich sieht es auch in den eigenen vier Wänden aus: Bezahlbarer Wohnraum bleibt vor allem behinderten und älteren Menschen häufig vorenthalten. Und es geht noch weiter: Viele Medien oder Dienstleistungen sind ebenfalls nicht für alle zugänglich, zumindest nicht ohne fremde Hilfe.
Aber warum gibt es überhaupt immer noch so viele Barrieren? Zu häufig gilt barrierefreies und inklusives Planen und Bauen als zu teuer und unwirtschaftlich. Dabei profitieren nicht nur Menschen mit Behinderung von barrierefreier Infrastruktur, Mobilität, Kommunikation und Information – sie kommt allen zugute. Auch Kinder, Eltern mit Kinderwagen oder schwerbepackte Menschen kämpfen Tag für Tag mit Barrieren.
Wie müssen wir unsere Städte und Gemeinden also gestalten, damit sie wirklich allen gerecht werden? In diesem Heft zeigen die Autoren, dass es meistens auf Details ankommt. Barrierefreiheit ist eine Frage von Konzeption, Planung und Partizipation. Und die vorausschauende Arbeit lohnt sich allemal, denn Barrierefreiheit und Inklusion sind nicht nur Gegenwarts-, sondern auch Zukunftshemen. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels werden sie immer wichtiger. Viele Planer haben das bereits verstanden. Sie sehen Barrierefreiheit und Inklusion schon jetzt nicht mehr als Belastung oder nettes Gimmick – sondern vielmehr als Qualitätsstandard für modernes Planen und Bauen, der Städten und Gemeinden auch einen wirtschaftlichen Standortvorteil bringt.
Redaktion:
Rachel Barthel
rachel.barthel@bbr.bund.de
Felix Lauffer
Nina Oettgen
Daniel Regnery
daniel.regnery@bbr.bund.de
Friederike Vogel
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Inhalt
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Rachel Barthel | Sinnvoll und kostensparend barrierefrei bauen
Barrierefreies Bauen wird oft als lästiges – und überflüssiges – Extra bewertet. Behindertentoiletten werden denn auch häufig als Abstellkammern und Putzräume zweckentfremdet. Die Autorin wirft in diesem Beitrag einen kritischen Blick auf die Diskrepanz zwischen rechtlichen Vorgaben (Diskriminierungsverbot), gesellschaftlichem Konsens (Recht auf Teilhabe), demografischer Notwendigkeit einerseits – und baulicher Zurückhaltung andererseits.
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Im Gespräch mit Jürgen Dusel | Perspektivwechsel: Antworten auf Fragen zum inklusiven Planen
Jürgen Dusel erläutert im Gespräch mit der IzR-Redaktion, warum barrierefreies Bauen gut für alle ist, wie sich inklusives Planen fördern lässt und welche Rolle Partizipation dabei spielt.
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Im Gespräch mit Maria Lüttringhaus | Perspektivwechsel: Planen aus der Sozialraumorientierung
Im Interview mit der IzR-Redaktion erklärt Maria Lüttringhaus, warum sich barrierefreie Planung von Gebäude, Quartier und Stadt am Sozialraum orientieren sollte.
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Caroline Günther | Emotionale Räume
Es genügt nicht, Gebäude und Räume lediglich unter Berücksichtigung der architektonischen Qualitäten zu planen. Eine weitere entscheidende Dimension prägt das individuelle Raumverständnis auf eine bisher noch nicht berücksichtigte Weise. Dieser Beitrag zeigt eine andere Lesart von Raum auf und schlägt eine neue Herangehensweise im Entwurfsprozess vor. Dem zugrunde liegt ein Entwurfskonzept, das den Menschen mit allen Bedürfnissen ins Zentrum stellt.
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Beth Tauke | The Evolution of Universal Design
In the past most Universal Design definitions have largely focused their attention on those with physical disabilities. However, in the last decade, Universal Design has evolved into an approach that focuses on social justice, equality of opportunity, and personal empowerment.
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Signe Stein | Barrierefreier öffentlicher Raum – Park und Grünanlagen
Öffentliche Park- und Grünanlagen erfüllen eine wichtige Funktion als Orte der Erholung. Bei der Gestaltung sind die Interessen und Anforderungen der einzelnen Nutzergruppen zu berücksichtigen. Das erfordert eine genaue Analyse von Umgebung, Bevölkerungsstruktur und Entwicklung.
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Simone Bosch-Lewandowski,
Rotraut Weeber | Soziale Mischung im Neubau – barrierefrei und inklusiv
Soziale Mischung muss in baulicher Vielfalt angelegt werden. Zur Vielfalt trägt bei, in Neubauquartiere auch Wohnformen für Menschen mit Assistenz- und Pflegebedarf und andere Formen gemeinschaftlichen Wohnens zu integrieren. Dies ist für die Interessenten eine willkommene Alternative und wird immer selbstverständlicher.
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Meinhard Zistel | Ziel 2022: Vollständige Barrierefreiheit im ÖPNV
Umsetzung, Finanzierung und Grenzen
Bis der ÖPNV vollständig barrierefrei ist, muss noch viel passieren. Erst wenn bauliche und betriebliche Komponenten zusammenwirken, entsteht ein barrierefreies Gesamtsystem. Da sich nicht immer alle Anforderungen an die Barriere freiheit erfüllen lassen, sind in den kommunalen Nahverkehrsplänen die realisierbaren Maßnahmen zu vereinbaren. Nur so kommen wir dem Ziel einer „vollständigen“ Barrierefreiheit bis zum Jahr 2022 möglichst nahe. Hierfür braucht es insbesondere zusätzliche finanzielle Mittel und Förderprogramme auf Landesebene.
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Klaus Friedrich, Florian Ringel | Wohnverhältnisse und residentielle Mobilität im Alter
Der Beitrag geht auf charakteristische Grundzüge der Wohnverhältnisse älterer Menschen und die raumzeitlichen Ausprägungen ihrer Binnenwanderungsmuster ein. Inwieweit beeinflussen Beeinträchtigungen und Belastungen in der Wohnung und im Wohnumfeld das Standortverhalten der älteren Generation?
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Erika Mühlthaler | Ready für die Praxis
Anmerkungen zur Flexibilisierung der Planungsgrundlagen für den barrierefreien Wohnungsbau
Bauforschung von Architekten für Architekten ist weniger theoretisch als problemorientiert und zukunftsoffen. Sie vertraut auf das kreative Innovationspotenzial von Ermessensspielräumen.
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