Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Veröffentlichung Potenziale der Wohneigentumsbildung für die soziale Stabilität von Stadtvierteln

Endbericht

Herausgeber: BBR Reihe: Forschungen Ausgabe: 110 Erschienen: Juli 2003 ISSN: 1869-9324 URN: urn:nbn:de:0093-FO11003RG24

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Der Erhalt sozialer Stabilität bzw. die Verhinderung sozialer Erosionserscheinungen in Stadtvierteln sind wichtige gesellschafts- und innenpolitische Ziele. Ausgangspunkt der Studie lag in der These, dass als strategischer Ansatzpunkt zur ökonomischen und sozialen Stabilisierung von Wohnquartieren und Stadtteilen die verstärkte Bildung bzw. der Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum gesehen werden kann. Alle Erfahrungen bestätigen, dass selbstgenutztes Wohneigentum in besonderer Weise geeignet ist, Eigeninitiative zu aktivieren, Selbsthilfepotenziale zu erschließen, gemeinsames Bewusstsein zu entwickeln und zur Festigung von nachbarschaftlichen Netzen beizutragen. Andererseits ist zu vermuten, dass in bestimmten Gebieten selbstgenutztes Wohneigentum nicht helfen kann, die Stabilität eines Quartiers zu stärken.

Ob und in welchem Umfang, unter welchen örtlichen und sozialstrukturellen Gegebenheiten, bei welchen Ausgangsbedingungen und welchen konkreten Umständen bereits erfolgte Wohneigentumsmaßnahmen zur Stabilisierung von Gebieten mit Erosionserscheinungen beigetragen haben oder das Entstehen derselben verhindert haben (und welche förderpolitischen, städtebaulichen und ggf. rechtlichen Konsequenzen hieraus zu ziehen sind) galt es mit dieser Untersuchung zu beantworten.

Die Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft für Sozialplanung und angewandte Stadtforschung, Berlin (AG SPAS) hat gezeigt, dass die Schaffung von Wohneigentum durch Neubau und Bestandsprivatisierung einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung benachteiligter Stadtteile leisten kann, wenn bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt und notwendige Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Umwandlungsmaßnahmen führen in erster Linie zur Bindung langjähriger, relativ zufriedener Gebietsbewohner an den Stadtteil. Die Käufer haben ihre Bestandsimmobilien aufgrund des günstigen Verhältnisses von Preis und Leistung, aus Gründen der Altersvorsorge und aus dem Wunsch heraus, die Wohnsituation abzusichern, erworben. Bestandsprivatisierungen tragen bei geeigneten Verfahren zur Verbesserung der nachbarschaftlichen Beziehungen, Aufwertung des Erscheinungsbildes und Rückgang der Fluktuation bei. Dadurch erhöht sich die Wohnzufriedenheit der Bewohner.

Bei Neubauimmobilien leisten die neuen Eigentümer einen Beitrag zur Verjüngung und zur sozialen Durchmischung der Quartiere. Sie repräsentieren andere Lebensstile und können zu einer Belebung der Wohngebiete und zu einer Auslastung der Infrastruktur führen. Die Einbeziehung der Eigentümer in die Stadtteilentwicklung kann neue Handlungspotenziale für die Stadtteile erschließen und ihnen damit eine Entwicklungsperspektive eröffnen. Eigenheimerwerber tendieren jedoch dazu, sich von den Mietern in ihrer Nachbarschaft und von dem Stadtteil abzugrenzen, während das Leben unter Gleichen in den Neubausiedlungen zu ihrer hohen Wohnzufriedenheit beiträgt. Eine architektonisch ambitionierte Neubaumaßnahme kann die lokale städtebauliche Situation aufwerten und ein positives Signal setzen, der Einfluss der meist peripher gelegenen Neubaugebiete auf das Gesamterscheinungsbild eines Stadtteils ist jedoch eher gering.

Die Eigentumsbildung durch Neubau oder im Bestand muss in ein umfassendes stadtteilbezogenes Handlungs- und Imagekonzept eingebettet werden, da isoliert umgesetzte Maßnahmen wenig Ausstrahlungseffekte auf den Stadtteil haben. Den Kommunen kommt als Initiator, Steuerungsinstanz und Vermittler von Stadtteilkonzepten und von sozial verträglichen Verfahren zur Wohneigentumsbildung eine zentrale Rolle zu. Sie können flankierende Maßnahmen in den Wohngebieten initiieren bzw. selber durchführen und damit den Erfolg der Eigentumsbildung sicherstellen.

Projektleitung BBR: Iris Ammann ( iris.ammann@bbr.bund.de )

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